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Entzündungen auch im Kopf Herzinfarkt kann das Gehirn schädigen

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Die Folgen eines Herzinfarkts können bis ins Gehirn reichen.

(Foto: imago/emil umdorf)

Ein Herzinfarkt ist lebensbedrohlich. Wird er überlebt, antwortet der Körper mit Entzündungsreaktionen, die sich allerdings nicht nur auf das geschädigte Herz konzentrieren, wie Forscher jetzt herausfinden.

Nach einem Herzinfarkt entzündet sich der Herzmuskel. Das ist eine normale Reaktion des Körpers, die zur Heilung der geschädigten Regionen am Herzen beitragen soll. Ist die Entzündungsreaktion zu heftig, kommt es allerdings zu weiteren Schädigungen und die Funktion des Herzens verschlechtert sich. Bisher gingen Experten davon aus, dass sich diese Reaktion des Körpers nur auf das Herz beschränkt.

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover haben allerdings herausgefunden, dass auch das Gehirn unmittelbar nach einem Herzinfarkt, aber auch aufgrund einer später entstehenden Herzschwäche in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Das Forscherteam um Professor Frank Bengel fand heraus, dass es auch im Gehirn zu einer Entzündungsreaktion, einer sogenannten Neuroinflammation, kommen kann. Die Forscher vermuten, dass die Informationen zwischen Herz und Hirn über das Immunsystem gesteuert werden. Bereits in früheren Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Entzündungsreaktionen im Gehirn zu Gedächtnisstörungen führen und die Entwicklung von Demenz fördern können.

Moderne Technik und Mäuse

Die Forscher erlangten ihre Erkenntnisse durch Versuche an Mäusen. Diese wurden mit sogenannter nicht-invasiver molekularer Bildgebung durchleuchtet, nachdem ihnen kurzlebige radioaktive Substanzen, sogenannte Tracer, verabreicht worden waren. So konnte mithilfe der Positronen-Emissions-Tomografie genau gezeigt werden, an welchen Stellen Entzündungsreaktionen im Körper ablaufen. "Mit unseren Techniken können biologische Mechanismen wie eine Entzündung im ganzen Körper gleichzeitig analysiert werden, also auch in Herz und Hirn. Zudem kann wiederholt gemessen werden, um den Zeitverlauf von Veränderungen am gleichen Organismus zu beschreiben", erklärt Professor Bengel das Verfahren, das auch beim Menschen angewendet werden kann.

Die Wissenschaftler betonen, dass die Auswirkungen von Herzerkrankungen auf das Gehirn in Zukunft genauer betrachtet werden müssen. Sie glauben, dass es künftig möglich sein wird, mit entzündungshemmenden Medikamenten nicht nur die Herzinfarktheilung, sondern auch die Entzündung im Gehirn günstig zu beeinflussen. Weitere Untersuchungen in diesem Bereich sind allerdings nötig. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher hier.

Quelle: n-tv.de, jaz

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