Wissen
Auf nach New York! Zahlreiche deutsche Emigranten treten um 1850 die Reise über den Atlantik an.
Auf nach New York! Zahlreiche deutsche Emigranten treten um 1850 die Reise über den Atlantik an.(Foto: Wikipedia/gemeinfrei)
Mittwoch, 22. November 2017

Aufbruch in die USA: Klima trieb viele Deutsche in die Flucht

Sie waren von Armut und Krieg geplagt und erhofften sich in den USA ein besseres Leben: Fünf Millionen Menschen reisten im 19. Jahrhundert von Deutschland über den großen Teich. Eine Studie zeigt nun: Auch das Klima war oft ein Grund zum Auswandern.

Ob Trump, Heinz oder Pfizer: Einige der bekanntesten nordamerikanischen Familien haben ihren Ursprung in Deutschland. Denn dort machten sich im 19. Jahrhundert mehr als fünf Millionen Menschen auf den Weg, um in die USA auszuwandern. Ein wesentlicher Grund für ihren Aufbruch war offenbar ein stark schwankendes Klima. Das zeigt eine Studie vom Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie der Universität Freiburg, die jetzt im Fachjournal "Climate of the Past" der European Geosciences Union veröffentlicht wurde.

Im 19. Jahrhundert gab es einiges, das Menschen in Deutschland zur Emigration bewegen konnte: Armut, Krieg, Revolution - und eben das Klima. Die Kleine Eiszeit war noch nicht ganz vorüber, die Gletscher in den Alpen drangen weiter vor, es gab frostreiche Winter und kühle Sommer, aber auch Dürren und Überschwemmungen.

"In unserer Studie haben wir herausgefunden, dass die Migration im 19. Jahrhundert zu 20 bis 30 Prozent auf klimatische Bedingungen zurückzuführen ist", sagt Hauptautor Rüdiger Glaser. Bisher war bekannt, dass das so genannte Jahr ohne Sommer 1816 viele Menschen zur Migration bewog. Ein Jahr zuvor war der Vulkan Tambora auf Indonesien ausgebrochen, dessen Asche und Gas sich in der Atmosphäre verteilte und einen mehrjährigen Temperatursturz auf der ganzen Welt verursachte. Ernteeinbußen und stark gestiegene Getreidepreise waren die Folge dieses zu feuchten und kalten Sommers.

Schlechtes Wetter, schlechte Ernte

Glaser und sein Team stellten nun fest, dass auch die weiteren fünf Migrationswellen in den folgenden Jahrzehnten durch klimatische Extreme beeinflusst wurden - so etwa im Spitzenjahr 1846, in dem ein heißer und trockener Sommer die Ernte ausfallen ließ. "Unsere Analyse macht deutlich, dass es eine Kettenreaktion gab: Schlechte Wetterbedingungen führten zu geringen Ernteeinträgen, steigenden Weizenpreisen und schließlich zur Migration", erklärt Glaser. Die Forscher analysierten für ihre Studie Auswanderungs-, Bevölkerungs- und Erntestatistiken, Wetterdaten und Weizenpreise des 19. Jahrhunderts und konzentrierten sich dabei auf Südwestdeutschland, das Gebiet des heutigen Baden-Württembergs.

Dabei zeigte sich auch: Der Einfluss des Klimas fällt für die einzelnen Migrationswellen unterschiedlich stark aus. Für die größte, die von 1850 bis 1855 andauerte, machten die Wissenschaftler andere maßgebliche Faktoren aus. Zu dieser Zeit habe ein Exportstopp Frankreichs während des Krimkrieges den deutschen Getreidemarkt unter Druck gesetzt.

Mit ihrer Studie wollen die Wissenschaftler zur Diskussion über zukünftige Fluchtursachen beitragen. Denn Experten erwarten, dass der derzeitige Klimawandel durch Überflutungen, Dürren, Hurrikane und einen steigenden Meeresspiegel zu Massenauswanderungen führen wird. Die aktuelle Studie unterstützt diese Einschätzung - mit Lehren aus der Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen