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Kollision vor Millionen Jahren Kontinent versank unter Europa

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Das Bild zeigt, wie groß der untergegangene Kontinent vor 140 Millionen Jahren gewesen sein muss.

(Foto: Universiteit Utrecht)

"Vergesst Atlantis", sagen die Forscher, die den verlorenen Kontinent aufgespürt haben, der sich unter Südeuropa befindet. Die versunkene Erdplatte trägt den Namen "Greater Adria" und ist bis heute in mehr als 30 Ländern nachweisbar.

Vor Millionen Jahren ging ein Kontinent unter, der heute in Teilen unter Südeuropa liegt. Das haben Forscher von der Universität Utrecht herausgefunden. Das Team um Douwe van Hinsbergen sammelte zehn Jahre lang die Daten von insgesamt 2300 Gesteinsproben. Sie werteten deren Alter und Magnetisierung aus und bekamen so heraus, dass es in der Kollisionszone zwischen Afrikanischer und Eurasischer Erdplatte noch eine dritte Erdplatte gegeben haben muss.  

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Der als "Greater Adria" bezeichnete Kontinent war so groß wie Grönland. Er kollidierte vor rund 120 Millionen Jahren mit Europa. Der größte Teil der Erdplatte wurde dabei tief in den Erdmantel gedrückt. Die geologischen Analysen zeigen, dass viele Gesteinsproben des versunkenen Kontinents heute über mehr als 30 Länder verstreut sind. "Vergesst Atlantis. Ohne es zu merken, verbringen heute viele Touristen ihren Urlaub auf dem verlorenen Kontinent von Greater Adria", erklärt van Hinsbergen. Der verbliebene Rest dieses Kontinents sei ein Streifen, der sich von Turin durch die Adria bis zur Ferse des italienischen Stiefels zieht, so der Studienleiter in einer Erklärung der Universität. Doch auch in den Apennin-Gebirgszügen, auf dem Balkan, in Griechenland und der Türkei haben die Forscher Sedimentgesteine vom untergegangenen Kontinent gefunden.

Geologisches Durcheinander

Mithilfe der Daten der weitverstreuten Gesteine rekonstruierten die Forscher erstmals Geburt und Untergang von Greater Adria. Ein schwieriges Unterfangen, denn "der Mittelmeerraum ist ein geologisches Trümmerfeld: Alles ist verbogen, gebrochen und übereinander gestapelt", erklärt Hinsbergen. "Verglichen damit ist der Himalaya ein simples System." Dennoch ist den Geologen die Rekonstruktion gelungen. Ihren Ergebnissen zufolge löste sich Greater Adria von rund 240 Millionen Jahren vom Superkontinent Gondwana ab und wanderte Richtung Norden.

100 Millionen Jahre später lag die Erdplatte zwischen Afrika und Eurasien im sogenannten Tethysmeer und war hauptsächlich von einem flachen tropischen Ozean bedeckt. In der Zeit zwischen 120 bis 100 Millionen Jahren kam es schließlich zur vernichtenden Kollision. Teile des Kontinents wurde zu Gebirgen zusammengeschoben, wo Gesteinsreste noch heute nachweisbar sind. Der Rest dieser Landmasse drehte sich gegen den Uhrzeigersinn, wurde nach und nach fragmentiert und schließlich unter den südlichen Rand Europas gedrückt.

Die Ergebnisse der Geologen wurden vom Fachmagazin "Science Direct" veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de, jaz

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