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Süße Antibiotika-Alternative Manuka-Honig erobert die Welt

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Auf den beiden neuseeländischen Hauptinseln wachsen ganze Wälder der charakteristischen Manuka-Bäume. Dieser hier ist am Zufluss des Whanganui auf der Nordinsel zu finden.

(Foto: imago/Westend61)

Wenn einem Naturprodukt wundersame Heilkräfte zugeschrieben werden, ist man gut damit beraten, Vorsicht walten zu lassen - besonders, wenn es schmeckt und teuer ist. Dass Ausnahmen die Regel bestätigen, beweist ein Honig aus Neuseeland.

Honig ist schon was Tolles: Als Brotaufstrich oder im Salatdressing ist er lecker und als Wellnessprodukt erstaunlich beliebt - schon Kleopatra soll mit Bädern aus Milch und Honig ihre Haut so geschmeidig gehalten haben, dass nicht einmal der sonst so kühl-rationale Feldherr Julius Cäsar ihr widerstehen konnte. Dass Honig aber mittlerweile in einigen Krankenhäusern zur Wundheilung und als Antibiotikum-Ersatz zur Bekämpfung von Krankenhauskeimen verwendet wird, ist eher ungewöhnlich und lässt aufhorchen.

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Enthält so viel MGO wie 50 bis 100 Tassen Kaffee: ein Löffel Manuka-Honig

(Foto: imago/Westend61)

Manuka-Honig heißt das Naturprodukt, um das es geht. Es verdankt seine Bezeichnung dem gleichnamigen Baum, der fast überall auf den beiden neuseeländischen Hauptinseln wächst und dessen Blütenpollen von den heimischen Bienen gesammelt werden. Auch wenn Manuka-Honig in Neuseeland selbst schon früh Heilkräfte zugesprochen wurden, war der süße Saft im Rest der Welt so gut wie unbekannt. Erst Forscher von der Technischen Universität in Dresden brachten einen Stein ins Rollen, der heute nicht mehr aufzuhalten ist: "Vor ziemlich genau zehn Jahren haben wir uns generell mit den Inhaltsstoffen von Honig beschäftigt, speziell mit Zuckerabbauprodukten. Über Literaturrecherchen haben wir den Manuka-Honig in Neuseeland gefunden", sagt Thomas Henle. Der Professor für Lebensmittelchemie leitete damals die Untersuchungen und konnte seinen Augen kaum trauen, als er die Ergebnisse der Analysen studierte: "Wir haben MGO in einer Konzentration gefunden, von der wir nie erwartet hätten, dass sie in so hoher Konzentration in einem natürlichen Lebensmittel zu finden sein könnte."

Medizinischer Ritterschlag für Manuka-Honig

Methylglyoxal heißt die chemische Verbindung ausgeschrieben, die Professor Henle so in Aufregung versetzt. MGO gilt als Bakterienkiller und ist auch in vielen anderen Lebensmitteln zu finden - allerdings in verschwindend geringen Mengen: So müsste man beispielsweise zwischen 50 und 100 Tassen Kaffee trinken, um die Wirkung von ein bis zwei Löffeln Manuka-Honig zu erreichen. Und die ist unbestritten: "Beim Einsatz in der Wundheilung hat sich Manuka bewährt, sowohl bei größeren als auch bei kleineren Verletzungen", sagt Henle. Ein medizinischer Ritterschlag für den Honig, der seit der Veröffentlichung der Studie der TU Dresden einen weltweiten Boom erlebt.

"Die Nachfrage ist deutlich größer als das Angebot", weiß auch Professor Henle. Längst hat sich Manuka-Honig aus der Esoterik-Ecke gelöst und findet fast überall Zuspruch. Da die neuseeländischen Züchter aber nur rund 1700 Tonnen echten Manuka-Honig pro Jahr produzieren können, äußert sich das nicht nur im Preis (mit 50 Euro für ein 500-Gramm-Glas muss man schon rechnen), sondern ruft auch diverse Schwindler auf den Plan. "MGO ist theoretisch auch künstlich herstellbar und wird mittlerweile auch immer häufiger von Fälschern normalem Honig zugesetzt", sagt Henle - ein weltweit verbotenes Gepansche.

Auf MGO-Werte achten

Wer in Deutschland auf Nummer sicher gehen möchte, sollte Produkte mit Fantasiebezeichnungen wie "active plus" oder "active 10" meiden und stattdessen Erzeugnisse wählen, auf denen tatsächlich ein MGO-Wert angegeben ist. Der Wert beziffert den MGO-Gehalt in Milligramm pro Kilogramm und kann stark schwanken, zwischen 30 und 1200 ist generell alles möglich. Ein höherer Wert bedeutet dabei zwar immer auch eine stärkere Wirksamkeit, aber: "Wirksamkeitsstärke hängt nicht linear von der Konzentration ab", sagt Henle. Ein Honig mit 800 Milligramm MGO ist also nicht automatisch doppelt so wirksam wie das Pendant mit 400 Milligramm.

Ein Ende der Manuka-Erfolgsstory ist noch lange nicht in Sicht, Professor Henle und sein Team vermuten, dass der Honig noch viel mehr kann als ohnehin gedacht: "Relativ neu ist die Eignung im Falle von Magenentzündungen, für die es bislang zwar wenige, dafür aber sehr interessante Belege gibt - eines der Gebiete, denen wir in den nächsten Jahren noch weiter auf den Grund gehen werden." Die Nachfrage dürfte bis dahin noch weiter steigen - gut, dass mittlerweile auch die Bienenzüchter im benachbarten Australien erste Manuka-Testballons steigen lassen.

Quelle: ntv.de