Wissen

Grünflachen überfrieren häufiger Rentiere weichen auf Seetang aus

94a430f4bd3b1ef9d0e8e53fc88a87da.jpg

Die Forscher konnten das neue Fressverhalten der Rentiere beobachten.

(Foto: Brage B. Hansen/NTNU/dpa)

Wie anpassungsfähig Tiere im hohen Norden sein können, finden Forscher in Norwegen heraus. Sie untersuchen die Hinterlassenschaften wildlebender Rentiere und stoßen auf einen unerwarteten neuen Nahrungsbestandteil.

Wilde Rentiere im arktischen Norden Norwegens fressen Seetang, um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Indem sie ihre herkömmliche pflanzenbasierte Ernährung mit Algen ergänzen, könnten sie in der besonders von der globalen Erwärmung betroffenen Arktis letztlich ihre Überlebenschancen erhöhen, fanden Forscher unter Führung der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU) heraus.

Die Wissenschaftler haben sich für ihre im Fachmagazin "Ecosphere" veröffentlichte Studie den Kot der Spitzbergen-Rentiere angeschaut. Genauer gesagt analysierten sie in den Hinterlassenschaften das Verhältnis von Kohlenstoff-, Stickstoff- und Schwefelisotopen. Daraus konnten sie auf die Nahrung der Tiere rückschließen. Der Lebensraum von Spitzbergen-Rentiere liegt weltweit am nördlichsten. Sie haben sich besonders gut an die Kälte in der Arktis angepasst, unter anderem durch ihre gedrungene, recht runde Statur.

Obwohl das zunächst paradox klingen mag: Die Erderwärmung macht den kältebeständigen Tieren das Leben zunehmend schwerer. Warme Winter sorgen regelmäßig für Regen, durch den auf vielen Schneedecken eine Eisschicht entsteht. Diese ist für die Rentiere undurchdringlich, sie können nicht mehr an kleine Pflanzen und Gras unterhalb des Schnees gelangen. Aus diesem Grund suchen sie nach anderen Nahrungsquellen und greifen dafür laut den Forscher auch auf Seetang zurück.

Allein davon könnten sie sich aber nicht ernähren, erklärte der NTNU-Biologe Brage Bremset Hansen. "Sie bewegen sich jeden Tag zwischen der Küste und den wenigen eisfreien Vegetationsstellen hin und her. Deshalb ist klar, dass sie es mit normalem Futter kombinieren müssen, was auch immer sie finden."

Quelle: n-tv.de, jaz/dpa

Mehr zum Thema