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Imitation menschlicher Laute Schwertwal Wikie kann Englisch "sprechen"

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Ergebnis des Sprachunterrichts: Orcas können ihre Lautproduktion kontrollieren, verändern und an ihre Umwelt anpassen.

(Foto: picture alliance / Sebastien Nog)

Dass Papageien menschliche Laute imitieren, kennt man. Von derart sprachbegabten Walen aber hört man nicht so oft. Orca Wikie gibt sich jedenfalls große Mühe, auf Englisch bis drei zu zählen. Auch wenn das manchmal klingt wie ein Pups: Forscher sind begeistert.

Schwertwal Wikie lernt schnell. Die englischen Wörter "hello" und "bye bye" kommen dem Meeressäuger problemlos über die Lippen. Der Orca kann Geräusche und Wörter nachahmen - und zwar sowohl von Artgenossen als auch von Menschen. Das berichtet ein internationales Forscherteam in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Die experimentelle Studie bestätige die Annahme, dass in freier Wildbahn lebende Wale in ihren Herden oder Familiengruppen spezielle Dialekte voneinander lernen.

Das Team um José Abramson von der Pontificia Universidad Católica de Chile hatte mit dem 14-jährigen Schwertwal-Weibchen Wikie Versuche gemacht. Wikie lebt in einem französischen Aquarium. Die Forscher spielten oder sprachen dem Tier zum einen bekannte, zum anderen unbekannte Klänge vor. Zum Teil waren das Laute von Artgenossen, zum Teil menschliche Wörter und Laute. Einige kamen vom Tonband, einige wurden Wikie live vorgemacht. Dann bekam der Schwertwal den Befehl "mach nach", den er bereits aus vorherigen Versuchen kannte.

Wikie machte nicht von allen Geräuschen perfekte Kopien, einige ihrer Laute klingen zunächst sogar eher wie ein kräftiger Pups - besonders, wenn sie auf Englisch bis drei zählt. Das ist hier zu hören. Aber die Laute sind doch wiedererkennbar, und zwar sowohl die menschlichen als auch die der Artgenossen. Manchmal gelang Wikie schon beim ersten Versuch eine gelungene Kopie, manchmal musste sie ein bisschen üben.

Bemerkenswerte Genauigkeit

Die Ergebnisse bekräftigen die Hypothese, dass die Dialekte in Schwertwal-Gruppen nicht genetisch bedingt sind, sondern sozial erlernt werden, also durch Nachahmung der Artgenossen. Die Genauigkeit der Tiere sei bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass ihr Lautbildungs-Apparat ganz anders gebaut ist als der menschliche, schreiben die Wissenschaftler.

Es sei noch nicht klar, ob die Schwertwale auch in ihrer natürlichen Umgebung vergleichbar lernen - vor allem, weil Wikie die Laute nicht im Wasser, sondern mit dem Kopf über Wasser gehört und nachgeahmt hat. Die Ergebnisse belegten aber, dass Orcas  imitieren können, so die Forscher. Sie zeigten sogar, wie flexibel die Schwertwale dabei seien.

Die Fähigkeit, Laute von Artgenossen nachzuahmen, sei unter Vögeln weit verbreitet, unter Säugetieren aber erstaunlich selten. Wale zählten zu den wenigen Säugergruppen, die Laute erlernen können, und Schwertwale (Orcinus orca) seien für ihre gruppenspezifischen Dialekte geradezu berühmt. Sie können Laute zur Echoortung oder zur Kommunikation untereinander benutzen, etwa beim gemeinsamen Jagen. Jede Gruppe zeichnet sich durch ein eigenes Repertoire an knarzenden, fiependen und brummenden Lauten aus.

Quelle: ntv.de, asc/dpa

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