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Radioaktive Ablagerungen Tiefsee verrät jüngste Sternexplosionen

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Massendichteverteilung des Eisen-Isotops 60FE in der "Lokalen Blase" (im Vordergrund) und Loop-I-Superblasen vor 2,2 Millionen Jahren. Die weißlich-rote Bereich in der Nähe der Erde (nicht maßstäblich) in der Simulation stellt Material dar, das durch die jüngsten Supernova-Explosionen verteilt wurde.

(Foto: Michael Schulreich/dpa)

Die Tiefsee als Fenster zum Weltall: Radioaktives Eisen aus der Erdkruste unter den Ozeanen verrät, wann und wo zuletzt Sterne in der Nähe der Erde explodiert sind. Das neue Wissen kann helfen, unsere kosmische Nachbarschaft und die Erdgeschichte besser zu verstehen.

Anhand radioaktiver Tiefsee-Sedimente haben Forscher Zeit und Entfernung der jüngsten Sternexplosionen in der kosmischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems bestimmt. Die beiden vorerst letzten Supernova-Explosionen in unserer Umgebung ereigneten sich demnach vor 2,3 und 1,5 Millionen Jahren in jeweils rund 300 Lichtjahren Entfernung, wie die Wissenschaftler um Dieter Breitschwerdt von der Technischen Universität Berlin im britischen Fachblatt "Nature" berichten. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.

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Grafische Darstellung einer Supernova.

(Foto: Greg Stewart/SLAC National Accelerator Lab/dpa)

Die Wissenschaftler lesen dies aus den Tiefsee-Ablagerungen einer radioaktiven Eisen-Variante, die vor allem in Supernova-Explosionen entsteht. Dieses Eisen-60 hat eine Halbwertszeit von 2,6 Millionen Jahren und findet sich in der Tiefsee-Kruste aller großen Ozeane der Erde, wie eine zweite Gruppe um Anton Wallner von der Australischen Nationaluniversität in Canberra nach Analysen von Bodenproben in derselben "Nature"-Ausgabe berichtet.

Auf kosmischem Staub zur Erde

Die radioaktiven Eisenatome sind demnach huckepack auf kosmischen Staubkörnchen zur Erde gereist. An der schwankenden Konzentration im Tiefseeboden lässt sich ablesen, wann besonders viel Eisen-60 aus dem All niedergeprasselt ist.

Das Team um Breitschwerdt hat für seine Analyse den Transport dieser Eisen-Variante auf die Erde modelliert. Anhand von Konzentration und Halbwertszeit ergeben sich Zeit und Entfernung der Supernova-Explosionen. Beide explodierten Sterne stammten demnach aus der sogenannten Lokalen Blase im All, einer Region voller heißem, diffusem Gas, in die unser Sonnensystem eingebettet ist. Die Lokale Blase wurde vermutlich durch 14 bis 20 Supernova-Explosionen in einer Gruppe von Sternen erzeugt, die sich gemeinsam bewegen.

Wahrscheinlichster Ort der Supernova-Explosionen

Die Wissenschaftler um Breitschwerdt haben die Bewegung dieser Sterne zurückgerechnet und mit statistischen Methoden jeweils den wahrscheinlichsten Ort der beiden jüngsten Supernova-Explosionen bestimmt. Vor 2,3 Millionen Jahren explodierte demnach eine Sonne im heutigen Sternbild Wolf (Lupus), vor 1,5 Millionen Jahren krachte es im heutigen Sternbild Waage (Libra). Die Forscher spekulieren, in welchem Umfang nahe Supernovae das Klima und vielleicht sogar die Evolution auf der Erde beeinflussen können. Für die beiden jetzt identifizierten Sternexplosionen haben die Wissenschaftler zwar keine handfesten Belege für signifikante Auswirkungen auf die Erde. Je näher eine Supernova explodiert, desto größer sind jedoch die Folgen.

Innerhalb einer Entfernung von etwa 25 Lichtjahren wären die Folgen katastrophal, schreibt Adrian Melott von der Universität von Kansas in einem Begleitkommentar in "Nature". Astronomen rechneten etwa alle 800 Millionen Jahre mit einem derartigen Ereignis - erdgeschichtlich gesehen ist das nicht besonders lang.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa

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