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"Krieg gegen die Wissenschaft" US-Forscher leiden unter Trump-Beschuss

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Wissenschaftler demonstrierten im Februar diesen Jahres mit klaren Worten in Boston.

(Foto: picture alliance / Christina Hor)

Auf Entscheidungen der Trump-Regierung reagieren viele nur noch mit Kopfschütteln. So geht es auch zahlreichen Wissenschaftlern in den USA, die mit Einsparungen und Kürzungen konfrontiert werden. Doch die wehren sich im "Krieg gegen die Wissenschaft".

Ob Mondflüge, Krebsforschung oder Digitales aus dem Silicon Valley - in vielen Bereichen haben US-Forscher die Nase ganz weit vorn. Traditionell. Unter Präsident Donald Trump jedoch hat die Wissenschaft von Tag eins der Präsidentschaft an einen schweren Stand. Von einem Exodus der Spitzenforscher ins Ausland kann zwar bislang keine Rede sein, aber in vielen Sparten wird der Wind rauer - und zwar nicht nur in der Klimaforschung, der Trump mit dem Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen einen heftigen Dämpfer versetzte.

"Alle auf Fakten basierende Gruppen sind unter Beschuss", schrieb jüngst David Rothkopf von der Columbia University (New York) in der "Washington Post" - unter dem Titel "Amerikas goldenes Zeitalter der Dummheit".

Allerdings: Der Arm Washingtons reicht nicht überall hin. In Sachen Klimaschutz etwa haben bereits zwei Dutzend Bundesstaaten, Hunderte von Städten und Universitäten sowie rund 1000 Unternehmen zugesagt, die Einsparungsziele freiwillig einzuhalten. Und an den Eliteuniversitäten im Nordosten der USA sowie Institutionen wie Salk (San Diego) oder MIT (Cambridge) forschen Wissenschaftler - oftmals mit Drittmitteln finanziert - weiterhin auf absolutem Spitzenniveau.

Industrievertreter gewinnen an Einfluss

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Tausende gingen für die Anerkennung der Bedeutung der Wissenschaft auf die Straße.

(Foto: picture alliance / Steven Senne/)

Staatliche Experten-Foren, Agenturen und Regierungsstellen hingegen werden personell ausgedünnt oder an entscheidenden Stellen mit Nicht-Wissenschaftlern besetzt. Statt ihrer gewinnen Industrievertreter Einfluss. Nach der Berufung des Erdöl-Freundes Scott Pruitt an die Spitze der Umweltbehörde EPA, ist die Bestallung von Trumps Wahlkampfberater und bekennendem Klima-Skeptiker Samuel Clovis auf den wichtigsten Wissenschaftsposten im Agrarministerium ein weiteres Beispiel. Ob Clovis dort die bisherigen Standards zur Pestizid-Belastung aufrechterhält? Fraglich.

Daneben werden politisch unliebsame Daten von Behörden-Websites entfernt, Sprachregelungen für deren Mitarbeiter und Wissenschaftler ausgegeben und nationale Forschungsbudgets gekürzt. Anträge auf staatliche Förderung ab 100.000 US-Dollar werden vor der Bewilligung zudem geprüft, ob sie politisch genehm sind.

Forscher wehren sich

Allein in den USA gingen Ende April etwa 100.000 Wissenschaftler und Unterstützer gegen diese neue, faktenfeindliche Grundstimmung auf die Straße. Ein twitternder Präsident im Feldzug gegen vermeintliche "Fake News" trägt seinen Teil zu dieser Entwicklung bei.

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Auch beim "March for Science" in diesem Jahr in Frankfurt am Main spricht man sich gegen "Alternative Fakten" aus.

(Foto: picture alliance / Boris Roessle)

Die "Union besorgter Wissenschaftler" (UCSUSA) schreibt in ihrer Bilanz der ersten sechs Monate unter Trump gar vom "Krieg gegen die Wissenschaft". Die Gruppe dokumentiert minutiös fast 50 Punkte: Von Deregulierungen im Trinkwasserschutz und bei der Schwermetallbelastung, die ohne Experten-Rücksprache geschahen, bis zum Verbot für Wissenschaftler des Energieministeriums, an einer Konferenz zur Kernenergie teilzunehmen.

Die US-Klimabehörde NOAA veröffentlichte zudem jüngst erstmals aktuelle Zahlen zum Anstieg der Treibhausgase in den USA - 40 Prozent mehr seit 1990 - ohne dabei, wie stets zuvor, einen Bezug zum menschengemachten Klimawandel herzustellen.

Kürzungen bei der Nasa

In der Raumfahrt gelten die USA erstmal weiter als das Maß aller Dinge weltweit. Aber Experten machen sich bereits Sorgen. Bislang gehörte die Raumfahrt nicht zu den Lieblingsthemen des Präsidenten und seine Aussagen dazu schienen eher verwirrend als erhellend. "Ich liebe die Nasa. Ich liebe das, wofür sie steht", sagte er bereits im Wahlkampf. Aber auch: Zunächst müssten die Schlaglöcher auf dem Boden zu Hause in den USA repariert werden, bevor in Ausflüge zum Mars oder Mond investiert werden könne.

Im Haushaltsentwurf kürzte Trump die Gelder für die Nasa dann auch deutlich zusammen: Eine Asteroiden-Mission, fünf Erderforschungsmissionen und die Bildungsarbeit sollen wegfallen. "Es gibt harte Entscheidungen, und wir können nicht alles machen", sagte der amtierende Nasa-Chef Robert Lightfoot dazu. Einen neuen Nasa-Chef hat Trump bisher nicht ernannt. Er sehe den Budget-Entwurf trotzdem "positiv". Zumal im Vergleich mit anderen Regierungsbehörden bei der Nasa deutlich weniger gekürzt worden ist. Außerdem wird erwartet, dass der Kongress den Haushaltsentwurf noch ändert.

Vor allem die Einstellung der Planungsarbeiten an der spektakulären "Asteroid Redirect Mission" dürfte der Behörde aber weh tun. Dabei sollte ein Asteroid eingefangen und in die Umlaufbahn des Mondes gezogen werden, so dass darauf Astronauten landen können.

Mars oder Mond?

Auch der Mars scheint unter Trump nicht mehr direktes Ziel zu sein, vieles deutet auf eine Rückkehr zum Mond, die schnellere Erfolge verspricht. Nasa-Manager John Grunsfeld hatte das vor kurzem in einem Interview abgelehnt. "Der Mond ist ein netter Ort für einen Besuch, aber dort leben will man nicht. Zum Mars fliegen würde die Nasa wieder groß machen." Kurz darauf kündigte Grunsfeld seinen Abschied in den Ruhestand an.

Andere Nasa-Großprojekte aber gehen weiter: Startsystem und Transportkapsel für weite Flüge mit Menschen sind in der Entwicklung. Das Space Launch System (SLS) und die Kapsel Orion sollen 2018 erstmals richtig getestet werden. Das fast fertige Weltraumteleskop "James Webb", leistungsstarker Hubble-Nachfolger, soll auch wegen seiner schon Jahrzehnte laufenden Entwicklung bleiben. Und die Zusammenarbeit mit privaten Anbietern wie SpaceX oder Orbital Sciences soll weitergehen.

Quelle: n-tv.de, Andrea Barthélémy und Christina Horsten, dpa

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