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Bye-bye Space Shuttles US-Raumfahrt gerät ins Trudeln

Wollen die Amerikanier zukünftig ins All fliegen, sind sie auf eine Mitfluggelegenheit bei den Russen angewiesen. Die Shuttles sind alt, das Geld ist knapp, das Intresse gering.

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Der Start des amerikanischen Spaceshuttles "Atlantis" vom US-Weltraumbahnhof Kennedy Space Center in Cape Canaveral (Archivfoto vom 07.02.2008).

(Foto: picture alliance / dpa)

Knappes Geld, nicht zuletzt aber mangelndes Interesse von Präsident Barack Obama sind Schuld daran, dass die einst stolze Raumfahrtbehörde NASA derzeit schwere Turbulenzen durchfliegt. Vor allem aber: In den nächsten Monaten werden die Space Shuttles ausgemustert. Erstmals seit einem halben Jahrhundert sind die USA nicht mehr in der Lage, Menschen ins All zu befördern - Insider sprechen von einem Trauerspiel.

US-Astronauten, die dann noch zur Internationalen Raumstation ISS fliegen wollen, sind auf eine "Mitfluggelegenheit" der Russen angewiesen. Kaum zu glauben, aber wahr: Noch vor wenigen Jahren waren die USA unangefochtene "Nummer eins" im All. Jetzt verabschieden sie sich für mindestens sieben Jahre von der bemannten Raumfahrt. Mehr noch: Auch das geplante Nachfolge-Modell für die Shuttles ist wegen Geldmangels akut gefährdet - einst hochfliegende Zukunftsprojekte wie der Flug zum Mars stehen in den Sternen. Quo vadis, NASA?

Grab für 14 Astronauten

Einst waren die Shuttles die Revolution in der Raumfahrt. Die wiederverwendbaren Raumfähren mit den riesigen Außentanks sollten die Kosten pro Flug drastisch senken. Auch ihre gewaltige Nutzlast von fast 25 Tonnen sowie Platz für sieben Astronauten bedeutete der Beginn einer neuen Ära. Der Jungfernflug des Orbiters "Columbia" war am 12. April 1981. Die Shuttles wurden zu den "Arbeitspferden", ohne die der Bau der Raumstation ISS überhaupt nicht denkbar gewesen wäre. Noch heute schwärmt die NASA: "Der Space Shuttle ist die komplizierteste Maschine, die jemals gebaut wurde."

Doch tatsächlich wurden die Shuttles zu einem Riesenflop - und zum Grab für insgesamt 14 Astronauten. Die Explosion der "Challenger" 1986 kurz nach dem Start (eine Dichtung am Tank versagte wegen ungewöhnlicher Kälte vor dem Start) und das Verglühen der "Columbia" 2003 beim Wiedereintritt in die Atmosphäre (das Hitzeschild war beschädigt worden) waren ein Schock. Zwei der insgesamt fünf Shuttles gingen verloren, die hochfliegenden Pläne über einen Start pro Woche waren Makulatur. Tatsächlich flogen die Orbiter im Durchschnitt viermal pro Jahr ins All. Statt wie geplant zehn Millionen Dollar kostete jeder Flug rund 500 Millionen Dollar - auch finanziell waren die Orbiter ein Reinfall.

Anfällig, kompliziert, sicherheitsgefährdend

Zudem: Seit Jahren gelten die Raumfähren als altersschwach und als Sicherheitsrisiko. Chronische Startverzögerungen der drei verbliebenen Vehikel "Atlantis", "Discovery" und "Endeavour" sind die Folge. Immer wieder sind es Treibstofftanks oder Tanksensoren, die Schuld sind. Ein Teil der Shuttle-Technik stammt noch aus den 60er Jahren. Shuttle-Kritiker sprechen geradezu von einem Geburtsfehler: Die Vehikel seien zu anfällig, weil schlichtweg zu kompliziert.

Sie verweisen auf die russisch "Sojus"-Kapseln, die wesentlich simpler, robuster und weniger störanfälliger sind. Für den 7. Februar ist der nächste Start der "Endeavour" geplant - dann gibt es noch vier weitere Flüge. Im September ist dann das das endgültige Aus angesagt. Die Shuttles werden eingemottet.

Ares zu teuer

Jetzt steht sogar das Nachfolgemodell infrage. Zwar hatte die Trägerrakete Ares im Oktober einen ersten Testflug bestanden, doch galoppierende Schulden im US-Staatshaushalt zwingen Obama zu harschen Einschnitten. Sein Vorgänger George W. Bush hatte den ehrgeizigen Plan vorgelegt, bis 2020 zum Mond und dann zum Mars zu fliegen. 2017 sollte die Ares einsatzbereit sein. Doch inoffiziell verlautet, es solle eine billigere Alternative gefunden werden. Es könnte gut sein, dass die Ares niemals zu Ende gebaut wird.

Obama prüft NASA-Pläne

Mehr noch: Bereits bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr hat Obama die gesamten Pläne der bemannten Raumfahrt auf den Prüfstand gestellt. Eine unabhängige Kommission kam zu dem Schluss, dass das derzeitige Budget von neun Milliarden US-Dollar pro Jahr für Mond- und Marsmissionen schlichtweg nicht ausreicht. Mindestens ein Drittel mehr sei notwendig. "Mit dem heutigen Etat lässt sich kaum etwas Inspirierendes anfangen", wetterte Kommissions-Chef Norman Augustine.

Immer wieder schiebt Obama seine Entscheidung über die Zukunft der bemannten Raumfahrt hinaus. Vor kurzem musste NASA-Boss Charles Boden, früher selbst Astronaut, ins Weiße Haus. Doch wieder gab es keine Entscheidung - zumindest wurde keine bekannt. "Ich hoffe, dass Obama der NASA die notwendigen Milliarden gibt", fleht Bolden. Doch angesichts des knappen Geldes, hat er schon einen Ausweg ins Auge gefasst - internationale Zusammenarbeit. "Die Erforschung des Weltalls kann nicht mehr die Sache eines einzigen Landes sein."

Quelle: ntv.de, Peer Meinert, dpa