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Körper vor Überhitzung schützen Vor- und Nachteile verschiedener Kühlmethoden

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Wenn die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist, sind Ventilatoren sehr effektiv.

(Foto: IMAGO/Addictive Stock)

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Um den Körper vor Überhitzung zu schützen, gibt es nachhaltigere Methoden als energiefressende Klimaanlagen. Eine australische Studie zeigt, welche das sind, wie sie wirken und welche Vor- und Nachteile sie haben.

Viele Menschen in Mitteleuropa wünschen sich aktuell, sie hätten eine Klimaanlage. Doch auch ohne Energieknappheit durch die Folgen des Ukraine-Krieges ist der Einsatz dieser Geräte wegen ihres hohen Verbrauchs nicht nur sehr teuer und für viele unerschwinglich, sondern fördert wiederum die Erderwärmung, solange Strom überwiegend mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Außerdem können Stromnetze überlastet werden, wenn in extremen Hitzeperioden viele Klimaanlagen auf höchster Stufe laufen.

Wissenschaftler der Universität von Sydney haben deshalb in einer Studie nachhaltige Alternativen betrachtet, die für die meisten Menschen anwendbar sind. Die Arbeit beschreibt dabei nicht nur verschiedene Methoden, sondern zählt auch deren Vor- und Nachteile in bestimmten Situationen auf. Alle Alternativen sind alleine schon deshalb nachhaltiger als Klimaanlagen, da sie sich auf die Kühlung von Körpern beschränken und nicht die Temperaturen ganzer Räume oder Gebäude senken sollen.

Ventilatoren sehr effektiv bei geringer Luftfeuchtigkeit

Ventilatoren sind günstige und effektive Alternativen zu Klimaanlagen, die laut Studie bis zu 50 Mal weniger Energie verbrauchen. Das gilt laut Studie bei einer Luftfeuchtigkeit von höchstens 50 Prozent. Darüber verringert sich der Wirkungsgrad von Ventilatoren, da man dann weniger schwitzen kann. Und Ventilatoren kühlen, indem ihr Luftzug Schweiß auf der Haut verdunsten lässt.

Unabhängig von der Luftfeuchtigkeit gehen die Forscher davon aus, dass junge Erwachsene bis 40 Jahre mit Ventilatoren Temperaturen bis 39 Grad gut bewältigen können, bis 65 Jahre können es 38 Grad sein. Da ältere Menschen grundsätzlich weniger schwitzen können, empfehlen ihnen die Wissenschaftler zusätzlich den Einsatz von Wassersprühflaschen, wie man sie auch zum Benetzen von Zimmerpflanzen benutzt.

Für ältere Personen ist es auch sehr wichtig, beim Einsatz von Ventilatoren noch mehr zu trinken, da durch die Verdunstung die Dehydrierung verstärkt wird. Allgemein raten die Verfasser der Studie, pro Stunde zusätzlich ein Glas Wasser zu trinken. In heißen Nächten kann dies zu einem Problem werden.

Wassernebel oder Verdunster nur bedingt tauglich

Den Einsatz von Ventilatoren, die gleichzeitig einen Wassernebel versprühen, empfehlen die australischen Forscher nur bedingt. Solche Geräte können zwar effektiv kühlen, ohne die Dehydrierung zu fördern, sind allerdings nur in Außenbereichen oder sehr gut belüfteten Räumen einsetzbar. Ansonsten erhöhen sie die Luftfeuchtigkeit stark, was wiederum die Kühlwirkung senkt. Da sie auch den Boden befeuchten, erhöhen solche Ventilatoren auf glatten Flächen die Rutschgefahr.

Ähnlich überwiegen für die meisten Nutzer die Nachteile die Vorteile von Verdunstungskühlern. Bei sehr trockener Luft können sie zwar die Temperatur in Räumen um 10 bis 15 Grad senken, haben aber bei hoher Luftfeuchtigkeit so gut wie keine Wirkung. Außerdem können sie sich bei mangelnder Wartung zu Brutstätten für Mücken entwickeln.

Viel sprühen hilft viel

Den Körper mit Sprühflaschen zu befeuchten, ist dagegen auch ohne Ventilator eine sehr effektive Methode, um sich vor Überhitzung zu schützen. Die Methode ist bei Temperaturen bis 47 Grad wirksam und sehr günstig. Sie ist allerdings auch aufwendig, da man sich laut Studie alle fünf bis zehn Minuten ansprühen sollte.

Sprühflaschen sind auch keine Alternative, wenn man beispielsweise aus beruflichen Gründen gezwungen ist, den Körper weitgehend zu bedecken. Kleidung kann aber auch zur Kühlung verwendet werden, beispielsweise indem man ein nasses T-Shirt trägt. Alternativ kann man sich auch ein feuchtes Handtuch auf den Kopf legen, wenn es die Frisur aushält.

Fußbäder tun gut, Eiswickel sehr aufwendig

Sehr angenehm können kalte Fußbäder sein, solange das Wasser mindestens knöcheltief ist. Die Wissenschaftler weisen aber darauf hin, dass nicht nachgewiesen ist, ob damit allgemein die Körpertemperatur gesenkt wird. Ist das Wasser kälter als 5 Grad, kann dies auch schmerzhaft sein. Die Forscher empfehlen eine Temperatur von 20 Grad. Außerdem warnen sie vor der Rutschgefahr, wenn man aufsteht.

Eine Wohltat und bei akuter Überhitzung (Hitzschlag) schnell wirkend, sind feuchte Handtücher, die mit zerstoßenem Eis gefüllt um den Nacken gelegt werden. Um negative Körperreaktionen durch zu starke Kühlung zu vermeiden, empfehlen die Wissenschaftler nur kurze, ein bis zwei Minuten lange Anwendungen. Dafür soll man sie etwa alle zehn Minuten wiederholen. Das ist sehr aufwendig, da ein Kühlschal nur etwa 30 Minuten zu gebrauchen ist. Zudem benötigt man für diese Methode eine Eismaschine oder eine Gefriertruhe voller Eiswürfel.

Nicht zu kaltes Wasser trinken

Wesentlich einfacher ist es, kaltes Wasser zu trinken. Das kühlt von innen und gleicht den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen aus - man muss es allerdings richtig machen. Laut Studie ist eine Wassertemperatur von ungefähr 10 Grad ideal. Trinkt man zu kaltes Wasser, kann dies die Flüssigkeitsaufnahme verringern. Außerdem wird die Verdunstung über die Haut proportional reduziert. "Folglich hat die Temperatur von Getränken, die eingenommen werden, wenn eine Person bereits zu schwitzen begonnen hat, keinen Einfluss auf die Körpertemperatur", schreiben die Wissenschaftler.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 19. Juli 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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