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Größtenteils positive Resonanz Wenn Humanoide Menschen berühren

Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Studie

Die Probanden wussten nicht, dass ihre Hand berührt werden würde.

(Foto: Laura Hoffmann, Nicole C. Krämer)

Berührungen sind für Menschen wichtig. Sie können beruhigend wirken und sogar den Blutdruck senken. Doch was passiert, wenn der Körperkontakt von einem menschenähnlichen Roboter initiiert wird? Forscherinnen wollen genau das herausbekommen.

Scheinbar spontane Berührungen durch einen menschenähnlichen Roboter lösen überwiegend positive Emotionen bei den berührten Menschen aus. Zu diesem Ergebnis kommen Forscherinnen in einer experimentellen Untersuchung mit 48 Teilnehmern. Die Berührungen führten dazu, dass deutlich mehr Versuchsteilnehmer einer vom Roboter geäußerten Anfrage nachkamen als in Versuchen ohne Berührung. Im Fachmagazin "PLOS ONE" schildern Laura Hoffmann von der Ruhr-Universität Bochum und Nicole Krämer von der Universität Duisburg-Essen das Experiment und seine Ergebnisse.

"Wenn Roboter in (naher) Zukunft zunehmend in unsere physische Welt eintreten, können wir leicht mit ihnen in physischen Kontakt kommen", schreiben die Forscherinnen. Bei Untersuchungen von Berührungen zwischen Menschen und Robotern sei es bisher nur um Berührungen durch den Menschen oder versehentliche Berührungen durch den Roboter gegangen. Wenn Roboter ein menschliches Aussehen und Verhalten haben können, stellt sich den Wissenschaftlerinnen zufolge die Frage, ob die Erfahrung der Berührung zwischen Menschen und Robotern eine andere Qualität haben könnte als die bloße Berührung von leblosen Objekten.

Berührung kam unverhofft

Hoffmann und Krämer führten ihre Versuche mit 26 Studentinnen und 22 Studenten durch. Die Probanden erhielten die Information, dass ein Roboter als Studienberater getestet werden solle. Bei der Hälfte der Gespräche berührte der Roboter bei vier Gelegenheiten sanft die Hand des Teilnehmers, bei der anderen Hälfte nicht. Dies war möglich, weil den Studenten gesagt worden war, sie sollten ihre linke Hand auf eine Box zwischen ihnen und dem Roboter legen, damit Änderungen des elektrischen Widerstands der Haut gemessen werden könnten. Dies geschah allerdings nicht, es war nur ein Vorwand.

Stattdessen werteten die Forscherinnen Videoaufnahmen und zwei Fragebögen aus, die die Probanden auszufüllen hatten. Die häufigste Reaktion auf die Berührung war das Hinschauen auf die berührte Hand, gefolgt von Lächeln (jeweils in mindestens 75 Prozent der Fälle). Eine Person hob bei jeder Berührung die Augenbrauen, aber niemand zog seine Hand zurück. Bei der dritten Gelegenheit, bei der der Roboter die Hand berührte, fragte dieser, ob der Student an einem Business-Englisch-Kurs interessiert sei. Von den berührten Probanden äußerten 63 Prozent Interesse an dem Kurs, während es von den nicht berührten nur 37 Prozent waren.

Keiner der Studenten bezeichnete die Berührungen als schmerzhaft, von einer Mehrheit wurden sie als eher warm, positiv und angemessen wahrgenommen. Andererseits nannten einige die Berührungen aber auch unangenehm und unnatürlich und die meisten bewerteten die Berührungen als unerwartet.

Roboter-Berührte waren öfter hilfsbereit

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Mehr berührte als nicht berührte Studenten waren hilfsbereit, als einer Forscherin scheinbar unabsichtlich ein Stapel mit Blättern auf den Boden fiel, doch statistisch gesehen könnte dies auch Zufall gewesen sein. Nicht bestätigen konnten die Forscherinnen ihre Hypothese, dass berührte Teilnehmer ihre Beziehung zum Roboter, den Roboter selbst und das ganze Gespräch positiver beurteilen als die nicht berührten Teilnehmer.

"Das leichte Tippen auf die Hände menschlicher Teilnehmer während eines Gesprächs führte zu besseren Gefühlen und einer größeren Zustimmung der Anfrage eines menschenähnlichen Roboters", lautet das Fazit der Wissenschaftlerinnen. Sie sind der Auffassung, dass das Tätscheln der Hand durch einen humanoiden Roboter eine gute Strategie sein könnte, um Menschen etwa dazu zu motivieren, ihre Medikamente einzunehmen oder Sport zu treiben.

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa

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