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Ein Regenbogen über der Ostmole in Warnemünde. Könnte er auch durch Schnee entstanden sein?
Ein Regenbogen über der Ostmole in Warnemünde. Könnte er auch durch Schnee entstanden sein?(Foto: imago/blickwinkel)
Donnerstag, 01. März 2018

Frage & Antwort, Nr. 523: Gibt es Regenbögen auch bei Schnee?

Von Andrea Schorsch

Damit wir einen Regenbogen sehen können, muss Sonnenschein auf Niederschlag treffen. So viel ist bekannt. Doch muss dieser Niederschlag immer Regen sein? Oder gibt es den bunten Bogen auch bei Schnee?

Schauen wir auf eine Regenwand und haben dabei die nicht zu hoch stehende Sonne im Rücken, dann kann es passieren: Vor uns spannt sich ein farbenfroher Bogen über die Landschaft. Der existiert natürlich nicht wirklich. Der Regenbogen ist eine rein optische Erscheinung. Er bildet sich, wenn das flach einfallende Sonnenlicht auf fast kugelrunde Wassertropfen trifft und an diesen gebrochen und reflektiert wird. Die Tropfen zerlegen das weiße Licht dann in seine Bestandteile, die Spektralfarben, und lenken diese zum Teil genau in unsere Augen. Bühne frei für das eindrucksvolle Naturschauspiel!

Nicht so bunt wie ein Regenbogen: der Halo-Effekt.
Nicht so bunt wie ein Regenbogen: der Halo-Effekt.(Foto: Eicker/Wikipedia/CC BY-SA 4.0)

Wie es der Name bereits andeutet, hat ein Regenbogen viel mit Regen zu tun. Schneit es, dann ist besonders eine der für einen Regenbogen nötigen Voraussetzungen nicht erfüllt: Es gibt keine Wassertropfen. Schneeflocken sind nicht flüssig, sondern kristallin. Deswegen sehen wir bei Schneefall mit Sonnenschein eben keinen klassischen Regenbogen. Doch da auch Schneekristalle mitunter das Licht brechen und reflektieren können, ist dann eine andere optische Erscheinung möglich: der Halo.

Was es damit auf sich hat, kann n-tv Meteorologe Björn Alexander erklären: "Der Halo ist ein Lichtbrechungseffekt, den man an festen Körpern hat – wie etwa an Schnee- und Eiskristallen", sagt er. Dieser Effekt kann als Ring oder als Bogen zu sehen sein, es können sich auch Lichtsäulen oder -Flecken bilden. So bunt wie ein Regenbogen stellen sie sich aber meist nicht dar. Der Halo kann auch größtenteils weiß und nur stellenweise farbig sein.

Und wie Alexander betont, erzeugt auch nicht jeder Schnee bei Sonne diesen Effekt: "Einen Halo gibt es vornehmlich bei sehr kalter Luft mit sehr, sehr feinen Schneekristallen, wie man sie jetzt zum Beispiel in der Polarluft der vergangenen Tage hatte." Man spricht dann auch von Diamantschnee. Der besteht aus feinsten Eisnadeln und tritt meist bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich auf.

Anders als einen Regenbogen sieht man einen Halo aber nicht, wenn man die Sonne im Rücken hat. "Das ist wichtig", sagt der n-tv Meteorologe, "ein Halo kann nur auftreten, wenn man Richtung Sonne guckt, sie also vor sich hat." Wie hoch sie am Himmel steht und wie die Schnee- und Eiskristalle in der Luft schweben, spielt für den Lichteffekt ebenfalls eine Rolle.

Und noch etwas unterscheidet ihn vom Regenbogen: Einen Halo sieht man oft auch nachts. Dann hat der Mond einen leuchtenden Ring. Hervorgerufen wird er durch Cirrostratus-Wolken, den hohen Wolken, die aus Eiskristallen bestehen. An ihnen bricht sich dann das Licht. Es geht also auch ohne Schnee.

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Quelle: n-tv.de