Frage & Antwort

Frage & Antwort Ist kalkhaltiges Trinkwasser ungesund?

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Leitungswasser ist günstiger als Mineralwasser aus der Flasche. Doch was, wenn es besonders kalkhaltig ist? Schadet das dem Körper?

(Foto: imago/Sven Simon)

Der Waschmaschine bekommt stark kalkhaltiges Wasser nicht. Um sie zu schonen, enthalten Waschmittel meist bestimmte Zusätze. Doch wie wirkt sich Kalk auf den menschlichen Organismus aus? Ist hartes Leitungswasser auf Dauer ungesund?

Trinkwasser, das in Deutschland aus den Leitungen fließt, hat von Region zu Region einen anderen Härtegrad, das ist bekannt. Ebenso weiß man, dass hartes, also besonders kalkhaltiges Wasser für die Waschmaschine zum Problem werden kann. Um sie zu schonen, enthalten viele Waschmittel Wasserenthärter. Doch was bei der Maschine auf Dauer zu Verkalkung führen würde, ist das nicht auch für den Menschen ungesund?

Wir fragen beim Umweltbundesamt nach. Hans-Jürgen Grummt aus der Trinkwasserabteilung in Bad Elster kann alle Bedenken sofort zerstreuen: "Sie können über Leitungswasser gar nicht so viel Kalk aufnehmen, wie Sie benötigen", sagt der Biologe. Kalk besteht nämlich aus Calcium und Magnesium; beide Mineralstoffe sind für den Körper unentbehrlich. 1000 Milligramm Calcium sollte ein erwachsener Mensch pro Tag zu sich nehmen, lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Bei Magnesium liegt die erforderliche Tagesdosis bei rund 300 Milligramm. Wer diesen Bedarf allein über Trinkwasser decken wollte, müsste nach Angaben des Umweltbundesamtes "täglich einen Eimer Wasser trinken". Aber, so der beruhigende Hinweis, "100 Gramm Emmentaler haben etwa den gleichen Effekt".

Arterien "verkalken" durch Fette

Hartes Wasser ist also, wie Grummt betont, keineswegs gesundheitsschädigend. Ganz im Gegenteil. Die Grenzwerte, die es für Kalk im Trinkwasser gibt – man spricht von der Calcitlösekapazität – sind, wie der Fachmann erklärt, "rein technisch bedingt und dienen dem Schutz der Rohre und technischen Anlagen." Dass man selbst durch Leitungswasser ähnlich verkalken könnte wie die Waschmaschine, diese Sorge ist unbegründet. Zwar ist auch der menschliche Organismus nicht vor "Verkalkung" gefeit – aber Leitungswasser, egal welchen Härtegrades, ist da unbeteiligt.

Mediziner sprechen in solchen Fällen von Arteriosklerose, umgangssprachlich ist dann von einer Verkalkung, etwa der Herzkranzgefäße, die Rede. Die Krankheit ist gefährlich, sie kann zu Thrombosen, Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Doch was dabei die Arterien verengt, sind in erster Linie Fette. Sie lagern sich in die Gefäßinnenwand ein, wenn deren Zellen bereits geschädigt sind. Bestimmte Calciumsalze können sich dann ebenfalls dort festsetzen – was eine Folge des Krankheitsprozesses ist, nicht aber seine Ursache.

Wer der "Verkalkung" des eigenen Körpers vorbeugen will, sollte daher nicht etwa auf Leitungswasser verzichten, sondern reichlich Obst und Gemüse essen, wenig tierische Fette zu sich nehmen, sich viel bewegen, nicht rauchen und Stress vermeiden. Das alles wirkt sich günstig auf Blutdruck, Blutzucker und die Cholesterinwerte aus – die Hauptrisikofaktoren für Arteriosklerose.

Übrigens: Der neueste Trinkwasserbericht des Umweltbundesamtes, der die Jahre 2014 bis 2016 berücksichtigt, bescheinigt dem Leitungswasser in Deutschland durchweg eine gute bis sehr gute Qualität. "Selbst von hohen Nitratgehalten, die durch die Landwirtschaft im Grundwasser eine Rolle spielen, merkt man am Wasserhahn nichts", sagt Grummt. Von den Versorgern werde schon in der Wassergewinnung viel getan, damit man nicht ein Nitratproblem bis zum Verbraucher habe. Das Resümee des Experten: "Man kann Leitungswasser bedenkenlos trinken."

Quelle: n-tv.de

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