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Links ein Mischlingshund, rechts ein Irish Setter. Lässt sich sagen, welcher robuster ist?
Links ein Mischlingshund, rechts ein Irish Setter. Lässt sich sagen, welcher robuster ist?(Foto: imago/Meike Engels)
Dienstag, 18. Juli 2017

Frage & Antwort, Nr. 491: Sind Mischlinge wirklich robuster?

Von Theresa Ebert

Geschmäcker sind verschieden, auch bei der Hundewahl. Ob Chihuahua, Dackel oder Labrador: Reinrassige Tiere sind manchen ein kleines Vermögen wert. Andere setzen dagegen bewusst auf Mischlinge. Weil sie robuster sein sollen.

"Mischlinge sind gesünder", hört man immer wieder auf Hundewiesen und bei Hundetreffs. Die nicht reinrassigen Tiere sollen viel robuster sein als ihre gezüchteten Artgenossen. Ob diese gängige Ansicht wirklich stimmt, fragen wir einen, der es wissen muss: "Das kann man schlichtweg nicht mit Ja oder Nein beantworten", sagt Prof. Dr. Martin Kramer, Präsident der deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft. Mischlinge könnten genauso Krankheiten in ihren Genen haben wie Rassehunde. "Denn ein Mischling ist auch nur so gesund wie seine Vorfahren", erklärt Kramer weiter.

Das Motto "Nimm dir einen Mischlingshund, denn der lebt länger und ist gesünder" gilt also nicht prinzipiell. Bei jedem Aufeinandertreffen der elterlichen Gene kann eine unharmonische Mischung entstehen. Aus diesem Grund stehen Züchter immer wieder vor derselben Herausforderung: Denn bei der Vererbung kann nicht einfache Mathematik angewandt werden. "Aus zwei gesunden Hunde-Elternteilen entsteht nicht automatisch ein gesunder Welpe. Da gibt es kein allgemeingültiges Patentgesetz", stellt Kramer, der auch an der Justus-Liebig-Universität Gießen lehrt, klar.

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Richtig ist allerdings, dass manche Rassen häufiger bestimmte Krankheiten bekommen als andere. Das bezeichnet man als sogenannte Rassedisposition. Und die Liste der rassetypischen Krankheiten ist tatsächlich lang. Etwa die Hälfte der anerkannten 390 Hunderassen hat die Veranlagung bestimmter Erbkrankheiten. Kurzköpfige Hunde wie der Mops und die Französische Bulldogge beispielsweise sind wenig überraschend anfälliger für Atemwegserkrankungen. Und größere Rassen wie der Deutsche Schäferhund, der Bernhardiner und der Berner Sennenhund leiden häufiger an Ellbogen- und Hüftproblemen.

Lebenserwartung von Hunden gestiegen

Außerdem belegen Studien, dass Mischlinge nicht weniger tierärztliche Hilfe benötigen als Rassehunde. Sind die Tiere also insgesamt anfälliger für Krankheiten als früher? Kramer, der den Lehrstuhl für Chirurgie von Hund und Katze inne hat, verneint. Haustiere seien nur häufiger in Behandlung als vor ein paar Jahrzehnten: Die ganze medizinische Versorgung der Tiere ist heute sehr viel besser entwickelt. Die Diagnostik, vom Röntgen bis zur Magnetresonanztomographie (MRT), und auch die Laboruntersuchungen sind erfolgsversprechend.

Genauso wie beim Menschen ist die Lebenserwartung der Tiere durch die bessere medizinische Versorgung gestiegen. Die große Anzahl an Privatkliniken- und Privatpraxen für Tiere, die über die Jahrzehnte hinzugekommen ist, beweist, wie groß die Nachfrage in der Gesellschaft ist. Menschen sind bereit, viel Geld für ihre Tiere auszugeben. "Die Einstellung in der Gesellschaft hat sich verändert", sagt Kramer. Hunde und Katzen werden älter, weil Menschen sie nicht mehr nur als Nutztier sehen, sondern sie wie einen Lebensgefährten behandeln. Die Tiere haben heutzutage einen hohen Stellenwert: Sie gelten als Familienmitglieder oder Partner, begleiten alte Menschen, Menschen mit Behinderung und sind sogar Therapiemittel für Kranke.

Warum überhaupt ein Rassehund?

Für viele Tierfans ist die Rasse relativ egal. Jedoch gibt es Menschen, für die nur ein reinrassiges Exemplar in Frage kommt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Aussehen, aber oftmals auch der Charakter der Tiere spielen eine Rolle. Der Käufer kann beim Erwerb eines Rassehundes etwa ahnen, was für eine Art Tier er sich in die Familie holt. Oftmals haben die verschiedenen Rassen typische Charaktereigenschaften, die von Generation zu Generation weitergeführt und sogar verstärkt werden. So wie die Terrier sich oftmals als tolle Jagdbegleiter erweisen, machen sich Rottweiler gut als Wachhund und der Bernhardiner gilt als braver Familienhund. Polizisten wiederum bevorzugen Deutsche oder Belgische Schäferhunde, weil diese gut zu trainieren sind, Menschen davor Respekt haben und sie vielfältige Aufgaben im Polizeidienst wahrnehmen können.

Mit einem Mischling holt man dagegen oftmals ein Überraschungspaket ins Haus. Der Hund kann sich sowohl vom Aussehen her als auch charakterlich in verschiedene Richtungen entwickeln. Ob nun Mischling oder Rassehund: "Es ist einfach wichtig, sich vor dem Verkauf ordentlich zu informieren", empfiehlt Kramer. Man sollte genau wissen, was man haben möchte. Der Hund muss dabei unbedingt zum Lebensstil des Halters passen.

Übrigens: Vor allem von Autobahn-Hundekäufen aus dem Kofferraum und unseriösen Anbietern im Internet sollte man sich fernhalten. Kramer übt stark Kritik an diversen Hundezuchten im Ausland. Oft würden Welpen zu früh von ihren Müttern getrennt und illegal über die Grenze geschmuggelt. Die kleinen Hunde seien meist nicht geimpft und nicht ausreichend sozialisiert, was in Zukunft Krankheiten und Verhaltensstörungen zur Folge haben kann. Hier in Deutschland werden die lebendigen Importe an Interessenten verkauft, die zwar ein Rasseexemplar erwerben wollen, dafür aber nicht das zahlen möchten, was ein seriöser Anbieter verlangen würde. "Dass dieses Geschäft läuft, liegt an unserer 'Geiz ist geil'-Gesellschaft", bemängelt Kramer. Menschen müssten sich bewusst über die Herkunft der Welpen informieren und sicherstellen, dass sie aus einer verantwortungsvollen Zucht stammen.

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Quelle: n-tv.de