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Solche Futtersäulen haben gegenüber Häuschen den Vorteil, dass kein Vogelkot ins Futter gelangt.
Solche Futtersäulen haben gegenüber Häuschen den Vorteil, dass kein Vogelkot ins Futter gelangt.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 12. Dezember 2017

Frage & Antwort, Nr. 511: Sollte man Gartenvögel füttern?

Von Andrea Schorsch

Die Böden gefrieren, mancherorts liegt Schnee, Beeren sind schon lange keine mehr an den Sträuchern und auch die Zeit vieler Insekten ist abgelaufen. Finden Vögel trotzdem noch genug zu fressen oder sollte man sie jetzt füttern?

Die Antwort von Marius Adrion überrascht. Er ist Vogelexperte beim NABU, dem Naturschutzbund, in Berlin. Wir haben ihn gefragt, wie das denn ist mit dem Vogelhäuschen. Sollte man überhaupt eins aufstellen? Und wenn ja, wann? Vom ersten bis zum letzten Schnee? "Grundsätzlich ist eine Vogelfütterung vor allem im Winter empfehlenswert", sagt Adrion. "Wenn man aber Freude daran hat und bereit ist, die Futterstelle stetig zu säubern, kann man den Vögeln auch das ganze Jahr über Futter geben."

Die Betonung liegt tatsächlich auf "Freude". Für den Menschen nämlich ist eine Futterstelle eine wunderbare Gelegenheit, Vögeln aus nächster Nähe beim Fressen zuzuschauen und dabei einiges zu lernen: welche Vögel kommen, wie sie sich untereinander verhalten, wie sie sich ums Futter streiten und wer von ihnen was am liebsten mag. Für die Vögel selbst aber ist das Füttern auch im Winter "nicht unbedingt notwendig", wie Adrion sagt. Es sind nur einige der ohnehin häufigen Arten, die davon profitieren. "Für die aber", so der Experte, "ist es eine gute Ergänzung. Denn es gibt immer weniger naturnahe Gärten. Solche insekten- und samenreichen Lebensräume wären für die Vögel viel wichtiger."

Besser kein Fast Food

Einen Beitrag zum Artenschutz leistet man mit einem Vogelhäuschen also nicht. Die Vogelarten, die hierzulande seltener werden oder gar bedroht sind, können mit diesem Angebot nichts anfangen. "Das sind zum Beispiel fast alle Vögel, die auf dem offenen Feld leben und auf Wiesen", sagt der Experte, "etwa die Goldammer und die Feldlerche". Die kommen gar nicht erst zur Futterstelle. Diejenigen, die etwas davon haben, sind die, die ohnehin in unserer Nähe leben: Meisen, Grünfinken und Amseln. Dazu auch viele Waldvogelarten, die zunehmend in die Siedlungen ziehen und im Winter aus dem Wald rauskommen - also Spechte, Buchfinken und Kleiber.

Hier ist grafisch dargestellt, mit welchem Snack welcher Vogel glücklich ist. Sonnenblumenkerne gehen immer.
Hier ist grafisch dargestellt, mit welchem Snack welcher Vogel glücklich ist. Sonnenblumenkerne gehen immer.(Foto: NABU)

Doch haben die alle den gleichen Geschmack, wenn es ums Futter geht? Oder sind manche Arten wählerischer als andere? Womit lockt man die meisten Vögel an? "Mit Sonnenblumenkernen liegt man nie falsch", sagt Adrion. Die seien ein sehr gutes Standardfutter – "vor allem, wenn es nicht die Fast-Food-Variante ist". Fast-Food-Variante? Damit meint Adrion bereits geschälte Kerne. "Am besten ist es, wenn die Schale noch dran ist. Dann haben die Vögel wirklich etwas zu tun."

Mehlwürmer? Lecker!

Wer die Speisekarte abwechslungsreicher gestalten will, kann auch kleine Nüsse füttern oder die Samen verschiedener Wildpflanzen. Fett nehmen die Vögel ebenfalls gern, die Samen kann man darin verstecken. "Aber", räumt der Experte ein, "es gibt auch Arten, die nicht so gern Körner fressen. Amseln, andere Drosseln und auch Rotkehlchen haben lieber Früchte und Insekten." Will man diese Arten beobachten, kann man, wie Adrion sagt, "ganz gut einfach einen Apfel halbieren und aufspießen. Oder man bietet Rosinen an. Oder auch Erdnussbutter – aber nicht die gesalzene!"

Mit Insekten auf Bestellung wird es etwas schwieriger. Doch wenn es schon tierisch sein soll: Mehlwürmer im Fettblock, die gibt es zu kaufen. Für Meisen, Spatzen und Rotkehlchen wäre das ein Sonntagsessen.

Die cleversten Nussknacker überhaupt

Die größeren Vögel, wie Eichelhäher und Elstern, kann man auch mit Eicheln und großen Nüssen glücklich machen. Die knacken sie, wenn es sein muss, auch selbst. "Dabei nehmen sie sich gern den Mensch zu Hilfe. Das kann man immer wieder beobachten", sagt Adrion und erzählt, wie den Vögeln das gelingt: "Krähen und Elstern fliegen mit der Nuss über die Straße, lassen sie da fallen und warten, bis ein Auto drüberfährt. Und dann picken sie die Nuss auf." Das an sich ist schon erstaunlich genug. Noch beeindruckender ist, dass einige Vögel herausgefunden haben, wie sie das Risiko, auf der Straße beim Fressen überfahren zu werden, minimieren können: "Ich habe schon welche gesehen, die haben Nüsse über dem Zebrastreifen fallen lassen", so der Experte. "Und gefressen haben sie die plattgefahrene Nuss dann, wenn die Fußgänger rübergingen."

Das legt einen starken Verdacht nahe: So wie wir Vögeln beim Fressen zuschauen, so beobachten auch uns einige von ihnen ganz genau – und lernen daraus.

Übrigens: Futterhäuschen sollten so gestaltet sein, dass die Vögel beim Fressen nicht ins Futter koten. Der NABU-Experte empfiehlt daher Futtersäulen statt -häuschen. Die haben auch den Vorteil, dass stets nur so viel Nahrung bereitliegt, wie die Vögel vertilgen können. Wem das klassische Vogelhäuschen lieber ist, der sollte es regelmäßig ausfegen - am besten täglich.

Quelle: n-tv.de