Frage & Antwort

Frage & Antwort Sollte man sich vor dem Training dehnen?

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Das Dehnen ist nach dem Training wichtig.

(Foto: imago/Westend61)

Schon lange wird über die Bedeutung von Dehnübungen für Sportler geforscht. Klar ist, dass Dehnen an sich zu jeder Art von Sport dazugehört. Doch gilt dieser Grundsatz auch vor dem Training?

Nur gedehnte Muskulatur ist auch eine leistungsfähige und auf Dauer gesunde Muskulatur, wurde eine Zeit lang von Experten propagiert. Das ist an sich nicht falsch, jedoch kann das Stretching, wenn es vor bestimmten Sportarten angewendet wird, nicht nur die Leistung der Muskeln schwächen, sondern sogar die Verletzungsgefahr erhöhen.

"Besonders bei Sportarten, bei denen Schnellkraft gefragt ist, wie zum Beispiel beim Fußball, kann das Dehnen vor dem Sport kontraproduktiv sein", bestätigt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Wer seine Muskulatur ausgiebig vor einem Training oder sogar Wettkampf dehne, der vergrößere einerseits die sogenannte Gelenkreichweite und erhöhe damit die Verletzungsgefahr, weil die Spannung durch das Dehnen in Muskeln und Sehnen geringer sei. Zum anderen könne durch den Verlust der Spannung die Leistungsfähigkeit des Muskels beeinträchtigt werden, erklärte der Experte weiter.

Die beste Vorbereitung auf ein bestimmtes Training ist sportartspezifisch. Das bedeutet, wer ein Lauftraining absolvieren will, sollte die ersten fünf Minuten ganz locker und relativ langsam lostraben. Wer ein Krafttraining vor sich hat, kann zum Aufwärmen die gleiche Bewegung ohne Gewichte oder mit geringer Last ausführen. Wer Tennis spielen will, sollte mit einem lockeren Lauf und ein paar entspannten Aufschlägen beginnen. Prinzipiell gilt: Ein kalter Muskel sollte nicht gedehnt werden. Freizeitsportler, die sich nach der Aufwärmphase etwas dehnen wollen, können dies durchaus tun.

Verschiedene Stretching-Arten

Dabei ist Dehnen nicht gleich Dehnen. "Wir unterscheiden zwischen statischem und dynamischem Stretching", so Froböse weiter. Beim statischen Dehnen geht man in eine bestimmte Haltung, wie zum Beispiel, wenn man den Oberkörper hängen lässt und die Finger Richtung Zehen streben und bleibt in dieser Haltung, während man lang und tief atmet. Der Muskel wird dabei in die Länge gezogen. Beim dynamischen Stretching dagegen wird der Muskel durch eine sich wiederholende wippende, kreisende oder schwingende Bewegung nur kurzzeitig, dafür aber mehrfach in die Dehnung gebracht, wie zum Beispiel beim Armkreisen. "Die Dehnung sollte zwar gut spürbar sein, aber niemals bis zur Schmerzgrenze reichen", warnt der Sportwissenschaftler.

Vor allem Menschen mit Defiziten, die also relativ unbeweglich sind oder sich unbeweglich fühlen, sollten Wert auf eine ausgiebige  Dehnung nach dem Training legen. Diese Art der sportlichen Nachbereitung sollte in entspannter Atmosphäre, konzentriert und ausgiebig durchgeführt werden. Auch wenn Dehnung nachweislich nicht vor Zerrungen oder Muskelkater schützen kann, ist sie wichtig, um muskulären Dysbalancen vorzubeugen oder zu regulieren und um die Faszien, die die Muskeln umhüllen, geschmeidig zu halten.

Übrigens: Manche Menschen empfinden Dehnübungen als besonders entspannend und stresslösend, deshalb sind sie auch in vielen Yoga-Positionen zu finden. Aber auch diese Dehnungen sollten erst nach einer Phase der Erwärmung praktiziert werden.

Quelle: n-tv.de

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