Frage & Antwort

Frage & Antwort Stört der Vollmond den Schlaf?

49523810.jpg

Ob der Vollmond tatsächlich den Schlaf beeinflusst, kann bisher nicht eindeutig geklärt werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Immer wieder, wenn Vollmond ist, liege ich schlaflos im Bett. Kann mir denn wirklich der Vollmond den Schlaf rauben? (fragt Jessica M. aus Hildesheim)

Aberglaube oder Tatsache? Ob Menschen wegen des Vollmondes schlechter schlafen als in anderen Nächten ist umstritten - sogar unter Wissenschaftlern. Es gibt Untersuchungen die bestätigen, dass Menschen in Vollmondnächten schlechter ein- und schlechter durchschlafen als in Nächten ohne Vollmond. Es gibt aber auch Untersuchungen, die keinen Zusammenhang zwischen der Schlafqualität und dem Vollmond feststellen können.

"Natürlich kann der Vollmond Einfluss auf den Schlaf haben", sagt Professor Thomas Penzel, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin. "Aber nur, wenn er hell durchs Fenster scheint", so der Experte weiter. Denn Helligkeit, egal ob vom Mond oder von einer anderen Lichtquelle, könne den Schlaf bei Menschen, die empfindlich darauf reagieren, stören . Ob der Mond darüber hinaus einen negativen Einfluss auf den Schlaf hat, darüber herrscht auch in der Wissenschaft keine Einigkeit. "Solange es keine eindeutigen Ergebnisse gibt, gehe ich davon aus, dass der Vollmond keinen Einfluss auf den Schlaf hat", so Penzel.

Penzels Position wird auch durch eine aktuelle Untersuchung bestärkt, die sich mit der Analyse von Schlafdaten von 1265 Probanden und insgesamt 2097 Nächten befasst hat. Die Studien-Auswertungen unter Leitung von Dr. Martin Dresler vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie München konnten belegen, dass der Vollmond keinen sichtbaren Einfluss auf den Schlaf hat. Es sei vielmehr so, dass Untersuchungen, die zu diesem Ergebnis kommen, oftmals gar nicht veröffentlicht werden, erklären die Forscher. Die anderen Studien, die einen anderen Befund zum Vollmondeinfluss hätten, seien dagegen in der wissenschaftlichen Literatur überrepräsentiert. So werde der Mythos am Leben gehalten.

Alles nur Erklärungsversuche

Eine Untersuchung mit positivem Befund in Bezug auf die Wirkung des Vollmondes ist die von Schweizer Forschern aus dem Jahr 2013. Sie konnten in ihrer Studie an 33 Probanden einen schlafstörenden Aspekt des Vollmondes sehen. Die Studienteilnehmer schliefen rund 5 Minuten später ein und durchschnittlich 20 Minuten kürzer als an den restlichen Tagen im Monat.

Die Wissenschaftler unter Leitung von Dr. Silvia Frey vom Zentrum für Chronobiologie der Uni-Kliniken Basel gehen davon aus, dass die Ursache dafür bei unseren Vorfahren zu finden sei. Für Menschen in der Steinzeit war die Helligkeit in Vollmondnächten durchaus gefährlich und konnte unter Umständen sogar das Leben kosten. So sei es ganz klar, so die Forscher in ihrer Erklärung, dass man in einer Vollmondnacht automatisch in einer Hab-Acht-Stellung blieb - und zwar bis heute.

Denkbar ist, dass der Mensch für alles, was ihn stört und unangenehm ist, nach Erklärungen sucht. Da kommt der Vollmond bei Schlafstörungen gerade recht. Genauso wie das Wetter, das ja auch für viel körperliches Unbehagen verantwortlich gemacht wird. Und da jeder Vierte in Deutschland an Schlafstörungen leidet, kann es für Betroffene durchaus beruhigend sein, dass der Vollmond nur alle 28 Tage durchs Fenster schaut - einen wolkenlosen Himmel vorausgesetzt.

Übrigens: Es gibt reichlich andere Faktoren, die den Schlaf stören können: hohe Temperaturen, Lärm, unregelmäßiger Schlafrhythmus, aber auch Alkohol, Koffein und Nikotin gehören beispielsweise dazu.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema