Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 120 Wann gilt ein Vulkan als tot?

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Friedlich schaut sie aus, die Vulkaneifel. Doch in der Erde brodelt es.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wann kann man sicher davon ausgehen, dass ein Vulkan nicht mehr aktiv ist? (fragt Dietmar R. aus Ulm)

Das klingt nach einer leicht zu beantwortenden Frage. Wenn ein Vulkan lange genug ruhig war, dann ist er endgültig erloschen. Oder etwa nicht?

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Dr. Birger Lühr vom Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam

"Nein, so einfach ist das nicht", sagt Dr. Birger Lühr, Geophysiker am Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam (GFZ). Und zwar aus mehreren Gründen. Da ist zunächst einmal das menschliche Zeitverständnis. "Wenn ein Vulkan 10.000 Jahre lang nicht ausbricht", so Lühr, "dann neigt man dazu, zu glauben, das Ding sei tot. 10.000 Jahre, das klingt nach einem sehr langen Zeitraum – aber nur in der zeitlichen Vorstellung des Menschen. Geologisch betrachtet sieht das ganz anders aus: Da sind 10.000 Jahre gar nichts."

Vieles verweist auf Aktivität

Deswegen können wir beispielsweise die Eifelvulkane nicht einfach für tot erklären. Die Zeit spielt bei der Beurteilung von vulkanischer Aktivität eine eher untergeordnete Rolle. Geophysiker schauen vielmehr nach so genannten Aktivitätsparametern, nach Hinweisen darauf also, dass in einem Berg noch etwas Vulkanisches passiert. "In den Eifel-Maaren etwa sind das Blasen", erklärt der Experte. "Man könnte vermuten, dass es sich dabei um Faulgase von irgendwelchen Zersetzungsprozessen im Wasser handelt. Unsere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass es vulkanisches Kohlendioxid ist, das dort aus der Erde dringt." In den Quellen findet also eine vulkanische Entgasung statt.

Und so kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass auch die seit 10.000 Jahren nicht mehr ausgebrochenen Eifelvulkane ganz und gar nicht tot sind. "Es lässt sich nicht vorhersagen, wann der nächste Ausbruch stattfindet oder ob überhaupt noch einer stattfindet", sagt der Geophysiker. "Aber der Vulkanismus ist in der Eifel auf jeden Fall noch aktiv."

Auch seismische Untersuchungen werden zur Bestimmung von vulkanischer Aktivität vorgenommen. Dabei wird analysiert, in welcher Geschwindigkeit elastische Wellen durch den Untergrund laufen. In vulkanischen Regionen ist die seismische Geschwindigkeit erniedrigt. Daneben gehören Hebungen und Senkungen und vulkanische Beben zu den (geo-) physikalischen Parametern, die für ein aktives Vulkansystem sprechen.

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Der uns inzwischen wohlbekannte isländische Eyjafjallajökull brach zuletzt vor 190 Jahren aus. In der erdgeschichtlichen Entwicklung ist das eine ganz kurze Zeitspanne.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vulkane sind eingebettet in ein System. Island zum Beispiel liegt auf dem mittelatlantischen Rücken, also dort, wo sich Nordamerika und Europa voneinander wegbewegen. In dieser so genannten Spreizungszone kommt es zu Beben und auch Vulkane entstehen. Denn die Lücke, die durch die Bewegung entsteht, wird mit Magma gefüllt.

Einmal tot, immer tot

Durch Plattenbewegungen können Vulkane aber auch sterben. Verschieben sich Plattengrenzen, kommt es vor, dass Vulkane dabei – kurz gesagt – von ihren Magmaquellen abgeschnitten werden. "Das allerdings sind Prozesse", sagt der Forscher, "die sich über einen noch viel längeren als die bisher genannten Zeiträume hinziehen. Das kann Hunderttausende von Jahren dauern."

Als Beispiel für einen toten Vulkan in Deutschland nennt Lühr den hessischen Vogelsberg. "Das ist vulkanisches Gestein, aber dort verändert sich geophysikalisch nichts mehr, es gibt keine Anomalien, keine Anzeichen für vulkanische Aktivität." Und dabei bleibt es dann auch. "Denn", so sagt der Wissenschaftler, "ist der Vulkan einmal tot, dann ist er tot."

Quelle: n-tv.de