Frage & Antwort

Frage & Antwort Warum gibt es keine feuerfesten Häuser?

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Ein heftiger Brand, und trotzdem wird das Haus kaum Schaden nehmen. Es wurde zu Übungszwecken für die Feuerwehr gebaut.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ob durch Unachtsamkeit, technische Defekte, Naturkatastrophen oder Brandstiftung: Immer wieder brennen Gebäude - mit zum Teil schlimmen Folgen. Warum eigentlich baut der Mensch nicht längst so, dass Häuser brandbeständig sind?

Es gibt durchaus feuerfeste Häuser. Die Landesfeuerwehrschule Rheinland-Pfalz etwa übt in einem solchen. Das Gebäude besteht überwiegend aus Stahlblechen. So nimmt es nur bedingt Schaden, wenn draußen oder drinnen ein Feuer wütet. Selbst das Mobiliar, mit dem das Haus eingerichtet ist, hält den Flammen stand. Allerdings sieht es auch anders aus als das, was man gemeinhin aus Wohnzimmern kennt: Ob Schrank, Tisch, Sofa oder Sessel – in dem Brandhaus ist alles aus Metall. Schön ist das nicht. Aber hier geht es nicht ums Ambiente; hier geht es darum, brennbares Material durchweg zu vermeiden. Eben auch im Innern.

Und damit deutet sich schon an, was die Krux beim Brandschutz ist: "Eine Hauptursache für Brände ist vielmehr die Einrichtung eines Gebäudes als das Gebäude selbst", sagt Prof. Dirk Lorenz, Experte für Baulichen Brandschutz an der Technischen Universität Kaiserslautern, im Gespräch mit n-tv.de. "Denn die Einrichtung muss grundsätzlich keine bestimmten brandschutztechnischen Eigenschaften aufweisen."

Für das Wohngebäude gibt es keine Vorschrift, die besagt, dass Möbel feuerwiderstandsfähig sein müssen. Meist sind sie aus Holz. Und was zum Beispiel im hölzernen Kleiderschrank hängt, ist aus brennbarer Baumwolle oder Kunststoffen. In den Regalen in Wohn- oder Arbeitszimmer stapeln sich Zeitschriften und Bücher aus leicht entflammbarem Papier. Dann sind da noch Elektrogeräte wie Kühlschrank, Fernseher und Waschmaschine, die in Flammen aufgehen können. Und auch Betten sind feuergefährlich: "Eine zehn Kilogramm schwere Schaumstoffmatratze", gibt Lorenz zu bedenken, "kann bei einem Schwelbrand ein Rauchvolumen von rund 25.000 Kubikmetern freisetzen." (Zum Vergleich: Ein 25-Meter-Becken, wie wir es aus dem Schwimmbad kennen, fasst rund 1000 Kubikmeter. Der Rauch einer brennenden Schaumstoffmatratze kann also mitunter 25 Freibadbecken füllen …)

"Darin will doch niemand leben"

Wollte man auf Nummer sicher gehen, müssten wir, wie Lorenz ausführt, auf schwer entflammbaren Polstern schlafen, jedes Bücher- und Aktenregal müsste mit Metall umschlossen sein, jede Tür wäre eine Brandschutztür. Wir hätten so wenige Elektrogeräte wie möglich in der Wohnung und wenn wir sie gerade nicht nutzten, müssten sie in einem feuerfesten Raum verschwinden. Das klingt wenig praktikabel. Und noch dazu ist es einfach nicht wohnlich.

Laut Lorenz ist dies auch der wesentliche Grund, warum neue Häuser nicht ausschließlich aus nicht brennbarem Material gebaut werden. "Dann wäre alles nur aus Stahl und Stahlbeton", sagt er. "Darin will doch niemand leben." Aber Brandschutzbestimmungen gelten bei der Errichtung von Neubauten dennoch. Sie sind abhängig von der Größe des Gebäudes und seiner Nutzung. Ist es ein Wohnhaus, ein Kaufhaus oder eine Fabrikhalle? "In einem sechsstöckigen Wohnhaus etwa", erzählt Lorenz, "müssen die tragenden und separierenden Bauteile, also etwa Decken und Wände, hauptsächlich aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen, die einen Feuerwiderstand von mindestens 90 Minuten aufweisen."

"Feuerfest" kennt der Brandschutz nicht

Da kämen dann Mauerwerk oder Stahlbeton infrage. Grundsätzlich wären auch Lehm und Keramik als nicht brennbare Baustoffe geeignet. "Aber dann", so der Experte, "ist wichtig, wie sie kombiniert werden. Die Kombination mit brennbaren Baustoffen verändert ihre Eigenschaft. Dann ist am Ende wieder das Risiko zu bewerten: brennbar oder nicht?"

Begriffe wie "feuerfest" und "brandbeständig" gibt es im Brandschutzwesen nicht. Sie sind zu ungenau. Fachleute teilen Baustoffe nach ihrem Brandverhalten in nicht brennbare, schwer entflammbare, normal entflammbare und leicht entflammbare ein. Die Bauteile werden in Feuerwiderstandsklassen kategorisiert: Als feuerbeständig gilt, was einem genau definierten Vollbrand 90 Minuten lang standhält. Bei immerhin 60 Minuten spricht man von hoch feuerhemmend, bei 30 Minuten von feuerhemmend. Und dann gibt es noch die Bauteile ohne Feuerwiderstand.

Brandstiftung bleibt unberücksichtigt

Fast immer aber brennt ein Haus von innen nach außen ab, woran einmal mehr zeigt: Riskant ist das, was innerhalb der vier Wände geschieht. Dass ein Brand von einem Gebäude aufs nächste überspringt, "kommt in Deutschland äußerst selten vor", sagt Lorenz. Das sei ein Beleg dafür, "dass unsere Bauweise ausreichend sicher ist im Sinne der Gesetzgebung". Die Gesetze sehen nämlich nicht etwa einen vollständigen Schutz vor Bränden vor, sondern zielen darauf ab, die Folgen von Bränden in Grenzen zu halten. "Gesetzliche Regelungen sorgen dafür, dass die Gefahren, die von Bränden ausgehen, in einem gesellschaftlich festgelegten, vertretbaren Rahmen bleiben", so der Experte. "Dabei ist eindeutig festgehalten und allgemein akzeptiert, dass es jederzeit zu einem Brand kommen und keine hundertprozentige Sicherheit davor geben kann."

Brandstiftung übrigens wird Lorenz zufolge bei den Regelungen nicht berücksichtigt. "Brandstiftung ist Vandalismus und vor Vandalismus kann man sich nicht gesetzlich schützen", sagt er, gibt aber zu bedenken: "Wenn wir allein über Baustoffe sprechen, ist das nur ein Teil des Brandschutzes, nämlich der passive." Werden Brände vorsätzlich gelegt, sei der aktive Brandschutz gefragt. Oder anders ausgedrückt: Das ist dann ein Fall für die Feuerwehr.

Quelle: ntv.de