Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 368 Warum sagt man nicht mehr "Moslem"?

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Muslime selbst nennen sich nicht Moslems.

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Während man heute immer von "Muslimen" spricht, sagte man früher "Moslems". Warum ist das nicht mehr üblich? Gilt "Moslem" inzwischen als abwertend? (fragt Johannes G. aus Berlin)

Eines vorweg: Die Einschätzung unseres Lesers trifft zu. Dr. Kathrin Kunkel aus der Duden-Redaktion hat für uns eine Abfrage im Duden-Korpus gestartet. Drei Milliarden laufende Wortformen sind in der Textsammlung enthalten. "Der Befund ist eindeutig", berichtet Kunkel. "Wir haben die Form 'Moslem' 1961 Mal belegt und 'Muslim' 7925 Mal." Der Gebrauch geht eindeutig in Richtung "Muslim".

Die Frage, wie es zu dieser Entwicklung kommt, ist gar nicht so leicht zu beantworten. "Da können wir letztlich nur mutmaßen", sagt die Germanistin. Aber zwei gute Gründe könnte es geben. Der erste: "Muslim" ist die Originalbezeichnung. "Diese Form entspricht dem Arabischen, also der Herkunftssprache, eins zu eins", erläutert Kunkel. Das arabische Wort "muslim" bedeutet: "der sich Gott unterwirft" oder "gottergeben".

"Moslem" entspricht nicht dem Original

Die Form "Moslem" hingegen ist wahrscheinlich, wie die Expertin sagt, aus dem Englischen zu uns gekommen. Dieser Begriff hat also über eine Mittlersprache ins Deutsche gefunden. Er entspricht zwar auch der persischen Aussprache von "Muslim", aber eben nicht dem Original.

Das ursprünglich arabische Wort ist auch den muslimischen Organisationen und der muslimischen Presse in Deutschland wichtig. "Sie legen relativ großen Wert darauf, 'Muslim' als Eigenbezeichnung zu verwenden", weiß Kunkel. Das also ist ein zweiter Grund für die heute so häufige Verwendung der Form "Muslim". "Die Vorgabe der muslimischen Organisationen wurde publik, sie hat sich verbreitet und im Sinne der political correctness wurde ihr zunehmend entsprochen", führt die Germanistin aus. "Wir haben also einen innersprachlichen Grund für 'Muslim' - die direkte Form aus der Herkunftssprache - und einen politischen, weil es als Eigenbezeichnung gewünscht wird."

Manches verbietet sich

Doch hat das Wort "Moslem" damit gleich einen negativen, diskriminierenden Beigeschmack bekommen? "Eine abwertende Wirkung kann man nicht messen", sagt Kunkel. "Dafür gibt es kein objektives Kriterium. Ich kann mir aber vorstellen, dass das Empfinden tatsächlich irgendwann in diese Richtung geht. Das hätte dann einfach mit dem häufigeren Gebrauch von 'Muslim' zu tun. Der kann dazu führen, dass man die seltenere Form 'Moslem' irgendwann als abwertend beurteilt."

Was sich schon heute verbietet, ist das bis in die 1970er-Jahre noch sehr geläufige Wort "Mohammedaner". Das gilt nicht nur als herabsetzend, sondern ist noch dazu nicht korrekt. Der islamische Religionsstifter Mohammed nämlich wird zwar verehrt, aber - anders als Jesus Christus in der christlichen Religion - nicht als Gott angebetet. Der Begriff "Muselmann", um auch auf diesen noch zu sprechen zu kommen, wurde bereits um 1800 als "verderbte Form" für 'muslim' eingestuft und schon bald darauf kaum noch verwendet. Heute ist diese Bezeichnung eine klare Beleidigung.

Übrigens: Die Mehrzahl von "Muslim" ist "Muslime". Die weibliche Form heißt "Muslimin" oder "Muslima", im Plural spricht man von "Musliminnen" oder "Muslimas".

Quelle: n-tv.de

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