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Ärzte raten davon ab, die Ohren mit Wattestäbchen zu reinigen.
Ärzte raten davon ab, die Ohren mit Wattestäbchen zu reinigen.(Foto: imago stock&people)
Dienstag, 04. Dezember 2018

Frage und Antwort, Nr. 561: Warum schmeckt Ohrenschmalz bitter?

Von Lea Schulze

Jeder Mensch produziert Ohrenschmalz, eine gelb-bräunliche und fettige Absonderung des äußeren Gehörgangs. Außerdem hat sie einen bitteren Geschmack. Das allerdings hat einen besonderen Grund.

Alle Körperausscheidungen haben einen bestimmten Geschmack. Eine Besonderheit bildet das Ohrenschmalz: Es ist neben der Galle das einzige stark bitter schmeckende Sekret des Menschen. Das erfüllt einen wichtigen Zweck, nämlich den Schutz vor Insekten und Bakterien. "Die schreckt der bittere Geschmack unserer Ohren so ab, dass sie sofort das Weite suchen. Die Bitterstoffe und das Schmalzfett schützen das Ohr außerdem vor Infektionen, Staub, Wasser und vor dem Austrocknen", sagt Medizinerin Katharina Hargas n-tv.de.

Bei Menschen gibt es zwei unterschiedliche Typen von Ohrenschmalz, das trockene und das feuchte. Die Konsistenz ist genetisch bedingt: Während das Sekret bei Europäern und Afrikanern fast immer gelbbraun und klebrig ist, haben die meisten Menschen in Asien einen trockenen, grauen Ohrenschmalz, der an Staub erinnert. Auch den Ureinwohnern Amerikas staubt es eher aus den Ohren.

Wissenschaftler wollen sogar herausgefunden haben, dass bei Frauen mit trockenem Ohrenschmalz seltener Brustkrebs auftritt. Denn das Ohrenschmalz-Gen prägt nicht nur dessen Beschaffenheit, sondern kann auch andere Drüsen und deren Sekrete beeinflussen, darunter vor allem die Schweißdrüsen der Achselhöhle und die Brustdrüsen. Weltweit hängt die Häufigkeit von Brustkrebs mit dem Anteil an feuchtem Ohrenschmalz in der Bevölkerung zusammen.

Beide Ohrenschmalz-Gruppen haben aber dieselbe Funktion: Sie packen Hautschuppen, Härchen und Schmutz ein und transportieren die Mischung aus dem Gehörgang nach draußen. Das Ohrenschmalz ist also eine geschickte Verteidigungsstrategie des Ohres gegen unliebsame Besucher dieser Körperöffnung.

Schutz statt Schmutz

Wenn Ohrenschmalz so eine wichtige Funktion hat, bedarf es dann überhaupt der Reinigung der Ohren? "Grundsätzlich ist Cerumen, das ist der medizinische Fachbegriff für Ohrenschmalz, etwas Gutes", sagt Hargas. "Denn er schützt die Ohren. Ohrenschmalz enthält unter anderem Lysozym, das Bakterien bekämpft. Sollte man seine Ohren dennoch ab und zu reinigen wollen, so ist dafür lauwarmes Wasser völlig ausreichend."

Man solle es aber tunlichst vermeiden, dazu Ohrenstäbchen benutzen, so Hargas. "Sie schieben den Ohrenschmalz ins Innere des Ohres, das kann im schlimmsten Fall zu Trommelfellverletzungen führen. Durch die falsche Reinigung der Ohren mit Wattestäbchen entstehen außerdem häufig sogenannte Ohrenschmalzpfropfen, die Schmerzen verursachen und das Hörvermögen beeinträchtigen." Da kann dann nur noch der Hals-Nasen-Ohren-Arzt helfen, der den Pfropf mit einem Ohrlöffel oder Wasserstoffperoxid entfernt. "Einige Patienten produzieren sehr viel Ohrenschmalz", so Hargas. Das müsse dann regelmäßig vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt entfernt werden.

Übrigens: Das Ohrenschmalz haben wir mit allen Säugetieren gemein. Bei Walen lässt sich anhand dieser Substanz sogar das Alter der Tiere bestimmen.

Quelle: n-tv.de