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Nicht nur Menschen trifft es - auch diese kleine Antilope im Zoo in Hannover erlitt einen Beinbruch.
Nicht nur Menschen trifft es - auch diese kleine Antilope im Zoo in Hannover erlitt einen Beinbruch.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 15. November 2011

Frage & Antwort, Nr. 198: Warum wünscht man Hals- und Beinbruch?

von Fabian Maysenhölder

Eigentlich wünscht man sich ja gegenseitig vor Prüfungen oder schweren Aufgaben "viel Erfolg" oder "viel Glück". Woher aber kommt der Wunsch "Hals- und Beinbruch"? Das ist doch nichts Positives! (fragt Constanze L. aus Münster)

In der Tat, seinem Gegenüber einen "Hals- und Beinbruch" zu wünschen, ist auf den ersten Blick ziemlich unfromm. Denn träte wirklich ein, was wir aussprechen, wäre die betroffene Person alles andere als glücklich über den Zuspruch. Ein kurzer Blick in die Sprachgeschichte zeigt, wie es dazu kommt, dass wir uns statt Glück und Erfolg Knochenbrüche wünschen. Die Floskel kommt ursprünglich nicht aus dem Deutschen – nicht einmal aus unserem Sprachraum. Vielmehr entstammt er einer semitischen Sprache, die der unseren eigentlich in vielen Bereichen – zum Beispiel der Grammatik - sehr unähnlich ist.

Die Redewendung lässt sich auf die hebräische Sprache zurückführen. "Die Phrase hatzlacha uberakah bedeutet dort so viel wie 'Erfolg und Segen‘", erklärt uns Heinz-Dieter Neef von der Universität Tübingen. Das ist schon eher etwas, was man sich gegenseitig etwa vor einer Prüfung oder Herausforderung wünschen oder zusprechen möchte. Aber bis auf einige Anklänge in der Aussprache ist die deutsche Redensart hier nur schwer erkennbar.

Hebräisch - Jiddisch - Deutsch

Es gebe im Hebräischen auch die Vokabel "bæræk" (sprich: bäräch), die aus denselben Konsonanten gebildet werde wie das Verb "segnen". "bæræk" bedeute so viel wie "Knie", erläutert Neef. Eine Erklärung für den Beinbruch? "Hals" wäre dann eine Verballhornung der Vokabel "zalach", die "Glück/Erfolg haben" bedeutet. Wir kommen der Sache schon näher. Doch wie kommt man nun vom Hebräischen ins Deutsche?

Im Jiddischen, der Sprache, die Juden fast überall auf der Welt sprechen, lautet der Ausdruck "hatslokhe u brokhe" – der Anklang an den schließlich eingedeutschten "Hals- und Beinbruch" ist hier schon deutlich zu hören. "Und über das Jiddische kam der Ausspruch dann ins Deutsche", erklärt der Professor für Altes Testament. Die jiddische Sprache entstand zur Zeit des Hochmittelalters aus verschiedenen anderen Sprachen, darunter Hebräisch und Deutsch – zahlreiche Wörter im Jiddischen sind dem Deutschen entlehnt. Bei "hatslokhe u brokhe" lief es genau andersherum ab: Das Deutsche bediente sich am Jiddischen und übernahm die Wendung, aber offenbar lief dabei etwas schief. Und so kommt es, dass wir uns gegenseitig einen "Hals- und Beinbruch" wünschen, obwohl wir "Erfolg und Segen" meinen.

Übrigens: In der deutschen Sprache gibt es zahlreiche Wörter und Redensarten, die ursprünglich aus dem Hebräischen stammen. Wir stehen zum Beispiel "Schmiere", weil das Wort "schmira" im Deutschen "Wache" bedeutet, erklärt uns Peter Stein, Hebräisch-Dozent an den Universitäten Jena und Erfurt. Und auch wenn wir "malochen", verdanken wir dies einer Entlehnung aus dem Hebräischen, wo "malakha" so viel wie "Werk, Arbeit" bedeutet.

Quelle: n-tv.de

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