Frage & Antwort

Frage & Antwort Wieso verursacht Quietschen Gänsehaut?

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Es ist ein Geräusch zum Davonlaufen, dieses Quietschen. Doch wir bleiben - und reagieren mit Gänsehaut.

(Foto: imago stock&people)

Wenn zwei Styropor-Teile aneinanderreiben und es dabei quietscht, kriege ich immer eine Gänsehaut. Warum ist das so? (fragt Lars N. aus Kassel)

Es ist ja nicht das Styropor allein. In der Schule ging ein "Iiihhh" durch die Reihen, wenn die Tafel auf der Kreide quietschte, und wer beim Zahnarzt den Bohrer hört, möchte meist wohl nur noch eines: davonlaufen. Gar nicht unbedingt aus Angst vor der Behandlung, sondern einfach, weil das Geräusch schrecklich unangenehm ist; so unangenehm, dass der Körper darauf reagiert - mit Gänsehaut.

Diese körperliche Reaktion erscheint sinnlos. Doch blickt man in der Evolutionsgeschichte weiter zurück, zeigt sich, dass die Gänsehaut in diesem Moment ein durchaus nützliches Ziel verfolgt. Denn hätten wir noch Fell, würden uns dadurch, sobald es quietscht, sichtbar die Haare zu Berge stehen, und das am ganzen Körper. Diese buchstäblich haarsträubende Wirkung wäre sehr eindrücklich: Wir kämen größer und bedrohlicher daher als mit glatter Mähne. Eine gute Sache, wenn es gefährlich wird.

Schrille Töne: Gefahr im Verzug!

Gefährlich? Es gibt wohl niemanden, der quietschendes Styropor für gefährlich hält. Doch für unsere entfernten Verwandten in der Urzeit waren es vornehmlich Gefahrensituationen, die mit lauten, schrillen Tönen einhergingen. Dann galt es, dem Angreifer möglichst effektiv entgegenzutreten. Die einsetzende Gänsehaut und die in der Folge aufgestellten Nackenhaare waren da hilfreich.

Forscher haben 2012 gezeigt, dass es besonders Töne zwischen 2000 und 5000 Hertz sind, die uns auch heute noch das beschriebene Unbehagen bereiten – Tonhöhen, wie wir sie übrigens auch von Hilfeschreien kennen. Sie lösen ein Alarmsignal im Gehirn aus und wirken, das fanden die Wissenschaftler heraus, auf die Amygdala, einen Teil des limbischen Systems. Dieses Hirnareal ist für die Verarbeitung von Emotionen zuständig, für das Triebverhalten - und für Gänsehaut.

Auffällig ist, dass nicht jedes Quietschen für alle Menschen gleich unangenehm ist. Manche erschaudern eher beim Styroporquietschen, andere stört besonders der falsche Kreideansatz auf der Tafel. Wie es zu diesen Unterschieden in der Erträglichkeitstoleranz kommt? Darauf gibt es noch keine überzeugende Antwort.

Quelle: ntv.de

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