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Jetzt ist es offiziell, jetzt kann er es tragen: Alexander Gerst heftet sich das Logo seiner ISS-Mission 2018 an den Ärmel.
Jetzt ist es offiziell, jetzt kann er es tragen: Alexander Gerst heftet sich das Logo seiner ISS-Mission 2018 an den Ärmel.(Foto: picture alliance / Oliver Berg/d)
Montag, 29. Mai 2017

Flug zur ISS im April 2018: Gersts zweite Mission heißt "horizons"

Mit der Mission "Blue Dot" zeigte Esa-Astronaut Gerst im Jahr 2014 eindrücklich, welch zerbrechlicher, wertvoller Planet die Erde ist. 2018 fliegt er unter dem Motto "horizons" zur ISS. Jetzt erklärt er, wie es zu diesem Namen kam.

"Der Countdown läuft. Heute in einem Jahr wird unsere Sojus MS-09 von Baikonur aus ins All fliegen wenn alles glatt geht", twitterte Alexander Gerst am 29. April dieses Jahres. Im Frühjahr 2018 tritt Gerst seine zweite Reise zur Internationalen Raumstation ISS an. Wie die Mission heißt, hat Deutschlands erfahrener Astronaut jetzt verkündet: "horizons".

Zeitkapsel

Bei der "horizons"-Mission 2018 wird auch eine Zeitkapsel mit an Bord sein. In der Kugel mit 13 Zentimetern Durchmesser finden sich einige Dinge, die mit Alexander Gerst ein halbes Jahr lang die Erde umkreisen werden. Auch ein Datenträger mit Wünschen von Schülern aus ganz Deutschland ist darin enthalten.

Wenn Gerst seine Mission im Oktober 2018 beendet hat, wird die Kapsel dem Haus der Geschichte in Bonn übergeben. Dort soll sie 50 Jahre lang ungeöffnet bleiben. Erst 2068 soll die Kapsel den Blick zurück in unsere Zeit erlauben. "Vielleicht haben wir 2068 schon einen Fuß auf den Mars gesetzt", sagte Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), als sie die Kapsel vorstellte.

"Ich hatte in letzter Zeit Sorge, dass ich den Missionsnamen schon vor dem heutigen Termin ausplappere", sagte Gerst im Astronautenzentrum der Esa in Köln vor Journalisten. "Diese Sorge brauche ich jetzt nicht mehr zu haben."

Der 41-Jährige erzählte, wie es zu dem Motto seiner zweiten Weltraummission kam: "Seitdem es Schiffe gibt, segeln Menschen über den Horizont hinaus. Sie haben Kontinente entdeckt. Jetzt sind wir zum ersten Mal seit Jahrmilliarden in der Lage, unseren Planeten zu verlassen. Auf der ISS lernen wir, wie wir das dafür nötige Schiff segeln." Den Drang, die persönlichen Horizonte zu erweitern, kenne jeder. Jetzt gehe der Blick weit über den Erdhorizont hinaus - hin in die Zukunft.

ISS als Viermaster im Logo

Das Logo zur Mission wurde in Kooperation mit einem Studententeam der Hochschule Darmstadt entworfen. Gerst beschrieb, was bei der Auswahl des Missionslogos alles zu beachten ist: "Es sollte dem Astronauten gefallen, denn der muss den Rest seines Lebens darüber reden. Es muss international verständlich sein, die Mission beschreiben, Neugier hervorrufen und positiv belegt sein."

All das also leistet nun der neue Missionsname "horizons" mit seinem Emblem. Dieses zeigt einen Horizont und eine Linie, die ein abfliegendes Raumschiff andeuten könnte. Außerdem ist das Profil eines menschlichen Gesichts erkennbar. Bei der weiteren Gestaltung wurde auch Gersts Schiff-Metapher aufgegriffen: Die ISS im Logo ist so dargestellt, dass sie auch ein Segelschiff - ein Viermaster - sein könnte. "Ich finde, es ist ein tolles Logo", sagt Gerst, "gerade weil es so simpel ist, nicht überladen. Es ist reduziert auf das, was wir sagen wollen".

Die Mission soll, wie Gerst bereits im November 2016 im Gespräch mit n-tv.de erzählte, zweierlei leisten: Zum einen soll sie zeigen, wie wichtig die Internationale Raumstation für die Menschen ist, weil von dort wichtige Erkenntnisse zur Erde gelangen. "Auf der ISS können wir nämlich Dinge erforschen, die man nirgendwo auf der Erde erforschen kann – eben weil es die Gravitation hier verhindert", sagt Gerst. "In jedem Forschungsbereich gibt es Lücken, die sich nur durch Experimente in der Schwerelosigkeit füllen lassen. Und da ist die ISS das einzige Labor, das das ermöglicht." "horizons" ist demzufolge nicht nur geografisch zu verstehen, sondern auch wissenschaftlich.

Vorbereitungen für den Mars

Zum anderen soll die "horizons"-Mission aber auch zeigen, dass die ISS der erste Schritt ist nach draußen in den Kosmos. "Durch die Raumstation erfahren wir, wie wir länger und weiter in den Weltraum hinausfliegen können. Wir testen auf der ISS Lebenserhaltungssysteme, die wir brauchen, wenn wir zum Mars oder zum Mond wollen", erklärt der Esa-Astronaut. Wie mit den ersten Schiffen müsse man zunächst vorsichtig in der Nähe des Heimathafens Erfahrungen sammeln und dort das Know-how gewinnen, das man für Reisen über den Horizont hinaus braucht.

"Es ist ein persönlicher Traum von mir, weiterzuschauen, Licht in das Dunkel zu tragen und zu fragen: Was ist da noch?", so Gerst. Wenn sich die Gelegenheit bietet, dann ist er auch auf einem anderen Trip ins All mit dabei: Alexander Gerst möchte zum Mond - und weiter.

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Quelle: n-tv.de

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