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Die Studie mit Rocky wurde im Jahr 2012 durchgeführt - sehr behutsam, versichern die Forscher.
Die Studie mit Rocky wurde im Jahr 2012 durchgeführt - sehr behutsam, versichern die Forscher.(Foto: AP)
Mittwoch, 27. Juli 2016

Rocky begeistert Forscher: Orang-Utan kopiert menschliche Sprache

In den USA lebt ein Orang-Utan, der anders ist als seine Artgenossen. Rocky macht Laute, die in natürlichen Affengruppen nicht vorkommen. Nicht nur das: Er imitiert sogar Menschen. Forschern eröffnet das neue Möglichkeiten.

Es könnte ein Meilenstein bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage sein, wie die menschliche Sprache einst entstand. Erstaunlicherweise könnte es ausgerechnet einer unser tierischen Verwandten sein, der uns dafür den Weg ebnet - ein Orang-Utan. Sein Name ist Rocky, er ist acht Jahre alt und er lebt im Zoo von Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana.

Das Besondere an Rocky: Er imitiert die menschliche Sprache. Nein, er plappert nicht etwa wie ein Kleinkind, spricht keine Wörter oder bildet ganze Sätze. Aber er kopiert die Tonlage und Tonhöhe von Vokalen, die Forscher ihm vormachen, wie in einem Video zu hören ist. Das Außergewöhnliche daran ist, dass derartige Töne noch nie bei Orang-Utans in freier Wildbahn festgestellt wurden. Die Forscher um den Bio-Anthropologen Adriano Lameira von der britischen Durham University haben mit ihrer im Magazin Scientifc Reports veröffentlichten Studie gezeigt, dass Orang-Utans neue Töne erlernen und die menschliche Sprache imitieren können.

"Bisher war man davon ausgegangen, dass die Töne, die Menschenaffen von sich geben, nicht erlernt werden, sondern aus Gemütslagen resultieren, über die sie keine Kontrolle haben", erklärte Projektleiter Lameira. Rocky jedoch belegt das Gegenteil: Der männliche Affe kann laut den Forschern mehr als 500 vokalartige Geräusche von sich geben. Das Team verglich diese Laute mit der größten verfügbaren Datenbank von Orang-Utan-Stimmen. Auf dieser sind mehr als 12.000 Stunden Orang-Utan-Rufe gespeichert, von mehr als 120 Orang-Utans aus 15 verschiedenen wilden und in Gefangenschaft lebenden Populationen. Das Ergebnis: Rockys Laute waren neu und anders. Er hatte somit eine neue "Sprache" erlernt, indem er sich von seinem Gesprächspartner inspirieren ließ.

Kölner Orang-Utan-Dame machte den Anfang

Die neuen Erkenntnisse aus der Studie mit Rocky könnten klären helfen, wann sich in der Entwicklung des Menschen zum ersten Mal Sprache gebildet hat. "Es ist bisher unklar, wie sich unsere Sprache aus der Kommunikation unserer Primaten-Vorfahren entwickelt hat", so Lameira. Nun gebe es Hinweise darauf, dass Sprache bereits bei frühen Vorfahren des Menschen entstanden sein könnte, sagte der Forscher. Möglicherweise könne man nun auch mehr darüber erfahren, inwiefern bereits die gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Orang-Utan in der Lage waren, Vokale zu bilden.

Rocky ist allerdings nicht der erste Orang-Utan, der durch seine Sprachbegabung auffällt: Zuvor hatte Lameira bereits mit der heute etwa 50 Jahre alten Orang-Utan-Dame Tilda aus dem Kölner Zoo gearbeitet. Auch Tilda kann einige vokalartige Laute sowie Klickgeräusche machen, die an menschliche Sprache erinnern und bei anderen Orang-Utans nie zuvor beobachtet wurden.

Quelle: n-tv.de

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