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Putzen sollte nicht übertrieben werden.
Putzen sollte nicht übertrieben werden.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Desinfektion ist im Haushalt überflüssig: Wie viel Hygiene ist sinnvoll?

Von Jana Zeh

Keime begleiten das gesamte Leben. Der menschliche Körper beispielsweise trägt mehr Keime in und an sich, als er Körperzellen hat. Die mit bloßem Auge nicht sichtbaren Mikroorganismen sind für viele Aufgaben nötig. Dennoch gibt es eine Anzahl von Keimen, die Krankheiten auslösen können. Um es nicht so weit kommen zu lassen, gibt es einige Hygieneregeln, die man unbedingt einhalten sollte.

1. Regelmäßiges Händewaschen kann die Infektionsgefahr verringern! Richtig.

Hände sind Krankheitserreger schlecht hin.
Hände sind Krankheitserreger schlecht hin.(Foto: picture-alliance/ dpa)

In einer Studie konnte beobachtet werden, dass Menschen bis zu 20 Mal in der Minute die Hände ins Gesicht nehmen. Das ist bedenklich, weil viele Krankheitserreger über die Hände weitergetragen werden. "Eine Erkältung kann man sich schon durch das Reiben der Augen einfangen, wenn man Erkältungsviren an den Händen hat", erklärt Armin Schuster, Biologe am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene Freiburg. Da man vieles mit den Händen anfasst, sind sie die Keim- und Krankheitsüberträger schlechthin. Aus diesem Grund ist auch in die Hand niesen oder husten nicht angebracht. Die Armbeuge ist wesentlich besser dafür geeignet. Regelmäßiges Händewaschen, vor allem vor dem Hantieren mit Lebensmitteln, vor jedem Essen, nach jedem Toilettengang oder nach Kontakt mit kranken Menschen oder auch Haustieren, sollte normal sein, denn so kann tatsächlich das Infektionsrisiko verringert werden. Sich zuhause aus Hygienefurcht pausenlos die Hände zu waschen, wäre allerdings übertrieben: Ständiges Händewaschen schadet sehr der Haut. Wer Veränderungen hin zu einer trockenen, rissigen oder gar entzündeten Haut spürt, der benötigt ärztlichen Rat und vermutlich Hautschutzmittel oder Pflegeprodukte.

2. Waschen und Putzen allein reichen nicht aus! Richtig.

Seit der Antike sind sich Menschen darüber im Klaren, dass es einen Zusammenhang zwischen Hygiene und Gesundheit gibt. Dennoch werden jährlich mehr als 200.000 Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland erfasst, die vor allem auf mangelnde Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln zurückzuführen sind. Die tatsächliche Anzahl liegt noch wesentlich höher. Sauberkeit ist eben nur ein Teil der Hygiene. "Richtige Lagerung, Umgang und Zubereitung von Lebensmitteln gehören ebenso dazu wie das Putzen", betont Schuster. Vor allem Keime wie Salmonellen, Campylobacter oder Listerien, die von Fleisch, Wurst und Fisch, aber auch Eiern und Rohmilchprodukten kommen, führen zu ernstzunehmenden Erkrankungen. Um die Keimbelastung so gering wie möglich zu halten, sollten vor allem diese Lebensmittel bei einer Temperatur von höchstens sechs Grad im Kühlschrank gelagert werden. Nach dem Einkauf und dem Transport nach Hause sollten sie schnell wieder gekühlt werden. Um Keime als Krankheitserreger unschädlich zu machen, sollten diese Nahrungsmittel gut durchgegart, also für mindestens zwei (möglichst zehn) Minuten auf 70 Grad Celsius Kerntemperatur erhitzt werden. Arbeitsgänge mit rohem Fleisch sind strikt von allen anderen zu trennen - das gilt auch für die verwendeten Gerätschaften.

3. In einem vegetarischen Haushalt muss man keine Angst vor Keimen haben! Falsch.

EHEC-Bakterienstämme auf einem Nährboden werden in einem Labor untersucht.
EHEC-Bakterienstämme auf einem Nährboden werden in einem Labor untersucht.(Foto: picture alliance / dpa)

Vegetarierhaushalte sind keineswegs vor Keimen geschützt. Das haben sowohl die EHEC-Infektionen von 2011 als auch die Noro-Erkrankungen 2012 gezeigt. Beide Male saßen die Erreger nicht auf Fleisch, Fisch oder Wurst, sondern tummelten sich auf Sprossensamen oder tiefgefrorenen Erdbeeren. Aus diesem Grund müssen auch nichttierische Nahrungsmittel richtig gelagert und zubereitet werden. Prinzipiell gilt, dass rohes Obst, Gemüse und vor allem Salat vor dem Verzehr gut unter fließendem Wasser gewaschen oder aber geschält werden sollte. Dabei sollte die Rohkost nicht ins Spülbecken gelegt, sondern entweder festgehalten oder in ein Durchschlagsieb gelegt werden, während das Wasser darüberläuft. Auf besondere Hygiene ist beim immer beliebter werdenden Selbstzüchten von Sprossen zu achten. Da im feucht-warmen Klima nicht nur Sprossen gut gedeihen, sondern auch Keime und Pilze, müssen die Samen täglich gründlich gespült werden. Angeschimmelte oder angegammelte Sprossen müssen weggeworfen werden. Sicher ist man nur, wenn die Sprossen nicht roh gegessen werden, sondern zuvor erhitzt werden. Doch auch andere pflanzliche Lebensmittel sind nicht frei von Risiken. "Auch beim Warmhalten von Reis oder Pudding über mehrere Stunden können sich Keime wie Bacillus cereus vermehren. Die Sporen des lebensmittelvergiftenden Bakteriums werden beim Kochen nicht abgetötet, und diese Bakterien können sich auch noch bei Temperaturen über 50 Grad Celsius gut vermehren", erklärt Schuster. Wird dann von diesem Reis gegessen, kommt es schnell zu heftigem Erbrechen und Durchfällen.

4. Spüllappen sind wahre Keimschleudern! Stimmt, aber ...

Tatsächlich kann man in vielen Spüllappen, -bürsten und -schwämmen eine Menge an Keimen nachweisen, denn im feuchten und warmen Milieu können sich die Mikroorganismen hervorragend ansiedeln und vermehren. Ob auch besorgniserregende Keime in den Putzhilfen sind, hängt allerdings davon ab, wofür sie verwendet wurden. Wirklich gefährlich kann es werden, wenn damit Fleisch-, Wurst-, Fisch- oder Milchreste, Auftauwasser oder rohes Ei weggewischt worden sind. Dann nämlich gehört der Lappen in jedem Fall erst einmal in die Wäsche, bevor er wieder verwendet wird. Auch Spülbürsten sollten regelmäßig gereinigt werden, optimal ist dafür die Spülmaschine.

5. Wenn Wischlappen stinken, ist das ein Hinweis auf Gesundheitsgefahr! Falsch.

Spül- und Wischlappen sollten regelmäßig gewaschen und nach gewisser Zeit ausgetauscht werden.
Spül- und Wischlappen sollten regelmäßig gewaschen und nach gewisser Zeit ausgetauscht werden.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Den strengen Geruch, den Putzlappen manchmal verströmen, hat nichts mit deren Risikopotenzial zu tun, sondern eher damit, dass sie nie durchtrocknen können und verschmutzt und verkeimt sind - aber vermutlich nicht mit Krankheitserregern", erklärt der Biologe. Das passiert auch mit frisch gewaschener Wäsche, die nicht schnell genug aufgehängt wird, und ist eher ein ästhetisches als ein hygienisches Problem. Dennoch sollte man das Putzen mit solchen Stinkelappen vermeiden, da der Geruch durch den Gebrauch nur unnütz verteilt wird. Auch ein gründliches Auswaschen reicht meistens nicht mehr aus, um den Geruch vollständig loszuwerden. Solche Lappen gehören in die Waschmaschine oder sollten ausgetauscht werden.

6. Mein Kühlschrank ist keimfrei! Falsch.

Im Kühlschrank tummeln sich mehr Keime als auf der Klobrille. Das haben Forscher in einer großangelegten Studie mit insgesamt 180 Familien herausgefunden. Hauptgrund dafür war die Temperatur im Kühlschrank, die oftmals bei über sechs Grad lag. Dazu kommen die Keime, die mit jedem Lebensmittel zusätzlich in den Kühlschrank gebracht werden, denn die Temperaturen in Kühlschränken töten die Keime nicht ab, sondern lähmen sie nur beziehungsweise hindern sie daran, sich in gewohnter Zeit zu vermehren. Um das Kühlgerät als Hygieneinstrument seiner Bestimmung zuzuführen, sollte mit einem Thermometer die Temperatur kontrolliert und das Gerät regelmäßig gereinigt werden. Vor allem sollten aber die Lebensmittel richtig eingeräumt und nicht überlagert werden. Gemüse und Obst sollte getrennt gelagert, Fleisch, Fisch und Wurst sollten ganz unten, wo es am kältesten ist, und am besten in fest verschlossenen Dosen abgelegt werden. Bereits gekochtes Essen sollte man von Rohem strikt getrennt lagern. Kühlschränke und Gefriertruhen sollten einmal im Jahr komplett abgetaut werden. Eine Reinigung mit Desinfektionsmittel ist hingegen nicht notwendig.

7. Bretter aus Plastik sind denen aus Holz grundsätzlich überlegen! Falsch.

Schneidebretter aus Plastik werden vor allem  gastronomischen Einrichtungen empfohlen.
Schneidebretter aus Plastik werden vor allem gastronomischen Einrichtungen empfohlen.(Foto: picture alliance / dpa)

Neue Schneidebretter aus Plastik sind aus hygienischer Sicht zunächst den Holzbrettern überlegen. "Nach einigen Wochen jedoch nicht mehr", erläutert Schuster. Schuld daran sind zahlreiche und teilweise tiefe Einschnitte, die sich nach einiger Zeit im Brett befinden: Hierin können sich in Plastikbrettern Flüssigkeiten und Essensreste ansammeln und das lässt dort Keime wachsen und lange überdauern. Holzbretter haben hingegen eine offene Struktur und können selbst in den Einschnitten besser trocknen. Manche Holzarten, wie das Kiefernkernholz zeigen auch eine antibakterielle Wirkung.

8. Reptilien sind für kleine Kinder aus hygienischen Gründen ungeeignet! Richtig.

Mittlerweile ist nachgewiesen, dass Kinder, die auf einem Bauernhof mit Tieren aufwachsen, wesentlich weniger Allergien haben als Stadtkinder. Mediziner vermuten, dass die Anwesenheit der Tiere und ihrer Mikroorganismen das Immunsystem der Kinder schult. Zudem fördern Haustiere das soziale Verhalten von Kindern. Dennoch sind im Umgang mit ihnen Verhaltensregeln wichtig - nicht nur für die Kleinen. Haustiere sollten immer bleiben, was sie sind: Tiere. Aus diesem Grund ist das Küssen der Tiere oder auch intensives Schmusen mit dem Gesicht nicht nur falsche Tierliebe, sondern auch riskant für die Gesundheit. Neben Salmonellen, Würmern, Zecken oder Hautpilzen kann sich das Tier auch bedrängt fühlen und schließlich beißen oder kratzen. Zudem sollten Hunde und Katzen regelmäßig einer Wurmkur unterzogen werden. Das Bett sollte für alle Haustiere tabu sein. Von Reptilien als Haustiere für Kleinkinder rät der Experte dringend ab. Die Tiere tragen Salmonellen in ihrer natürlichen Darmflora. Für Kleinkinder kann eine Infektion mit Salmonellen zur lebensbedrohlichen Erkrankung werden. "Kleinkinder oder immungeschwächte Personen sollten deshalb keinen Kontakt mit Reptilien haben", so Schuster.

9. Wenn ich regelmäßig Desinfektionsmittel im Haushalt benutze, kann mir nichts passieren! Falsch.

Sogenannte antimikrobielle Substanzen gehören nur in die Hände von Profis, also in Kliniken, Arztpraxen und Lebensmittelfabriken. Eine Desinfektion im Haushalt ist unnötig und birgt wiederum eigene Gefahren aufgrund der verwendeten Wirkstoffe. Ausnahme ist, wenn auf Anweisung eines Arztes wegen einer pflegebedürftigen Person auf besondere Hygiene geachtet werden muss. Ansonsten ist der Einsatz von Desinfektionsmitteln im Haushalt völlig überflüssig und zudem unnötig teuer.

10. Kleidung mit einer antibakteriellen Ausstattung ist empfehlenswert! Falsch.

Der Siegeszug antibakterieller Produkte hält an. Socken, Trikots, Unterhosen, Matratzen und sogar Kühlschränke werden mit der sogenannten "Antibac-Ausrüstung" angeboten. Obwohl diese völlig überflüssig ist und gesundheitlich bedenklich sein kann, greifen die Konsumenten immer häufiger zu. "Diese Entwicklung ist bedenklich, denn die angebotenen Produkte haben für mich keinen ersichtlichen Vorteil, bringen aber beispielsweise Umweltbelastungen mit sich und vielleicht auch unerwünschte Einflüsse auf die natürliche Hautflora", äußert Schuster seine Bedenken. Die Angst vor Bakterien, Krankheit und Körpergeruch scheint in der Bevölkerung riesengroß zu sein, obwohl die Deutschen heute in einer Umgebung leben, die so sauber ist wie nie zuvor. Als simple Hygienemaßnahmen reichen im Haushalt deshalb waschen, trocknen und luftig halten völlig aus.

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Quelle: n-tv.de

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