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Neue Motoren für Millionen-Seller BMW Dreizylinder-Dreier sendet Herbstgrüße

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Auch die günstigte Version des 3ers ist nicht mehr unter 30.000 Euro zu haben.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Bevor im nächsten Jahr ein Plug-In-Hybrid das Angebot der 3er-Reihe ergänzt, startet BMW erstmal die konventionell angetriebenen Varianten. Damit ist genug zu tun, denn die Limousinen- und Touringmodelle, die benzin- und dieselmotorisierten sowie die heck- und allradgetriebenen Versionen summieren sich auf 34 verschiedene Derivate.

Die jetzt vorsichtig gelifetete sechste Generation des 3er BMW wird - selbst wenn es noch bis zum Herbst dauert - die erste sein, die mit einem Dreizylindermotor zu haben ist. Das 1,5 Liter große Basis-Triebwerk der aktuellen Motorenfamilie wird das Modell 318i antreiben und darin 136 PS an die Kurbelwelle befördern. Die Kunden dieser Variante müssen sich nicht nur von einem Zylinder verabschieden, sondern auch von der Gewissheit, man könne einen 3er-BMW für weniger als 30.000 Euro kaufen. Genau 200 Euro oberhalb dieser Schwelle liegt der Einstiegspreis. Als verbrauchsgünstigste Variante kann der 316d mit dem Vierzylinder-Diesel gelten, der nach EU-Norm erstmals unter 100 Gramm Kohlendioxid je Kilometer emittiert und so auf einen Schnitt von 3,9 Litern je 100 Kilometer kommt.

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Die 3er-Reihe wurde in rund 40 Jahren mehr als 14 Millionen Mal verkauft.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Der BMW-affinen Kundschaft wird es nicht leicht gemacht, den neuen 3er auf der Straße zu erkennen. Beherzte Griffe ins Blech sucht man vergebens, neue Presswerkzeuge kosten schließlich viel Geld und noch sieht der Dreier ja zeitgemäß und schnittig aus. Sich Scheinwerfer in LED-Technik zu bestellen, wäre eine Möglichkeit, sein Auto als topaktuell kenntlich zu machen, doppelflutige Endrohren sind ein weiteres Identifikations-Merkmal. Mit neuen Materialien und verbesserter Ergonomie, sagt BMW, seien im Innenraum Optik und Haptik auf noch höheres Niveau gehoben worden. Die neu gestaltete Mittelkonsole mit verschiebbarer Abdeckung über den Cupholdern soll eine bessere Nutzung der Ablageflächen ermöglichen und die Ergonomie der Innennarchitektur verbessern. Eine große Palette von Individualisierungs-Möglichkeiten bei Polstern und Interieurdekors bietet Chancen, den Anschaffungspreis in die Höhe zu treiben.

14 Millionen in 40 Jahren

Unter Vertriebsgesichtspunkten kommt der neue 3er BMW keinen Moment zu früh. Der globale Marktführer im Premium-Segment musste zuletzt hinnehmen, dass die Mittelklasse-Limousine in ihrem Heimatland nur noch die Bronzemedaille unter den Neuzulassungen im Wettbewerbsumfeld holte. Weltweit gesehen ist der 3er selbst 40 Jahre nach seiner Markteinführung das wichtigste Modell von BMW. Rund ein Viertel des Gesamtabsatzes der Marke geht auf das Konto der Limousine und das des Tourings. Bis zur Teilung der Baureihe in eine viertürige (3er) und eine zweitürige Variante (4er) trug das Coupé noch einen erheblichen Teil zur Gesamtstückzahl von mehr als 14 Millionen Exemplaren bei. Projektleiter Dr. Stephan Neugebauer sieht im Dreier gar den "Maßstab in seiner Klasse".

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Im Innenraum ist sich BMW mit dem 3er treu geblieben.

(Foto: BMW/Fabian Kirchbauer)

Der Dreizylinder im Dreier ist beileibe nicht die einzige Motoren-Innovation. Vielmehr feiern auch die Vier- und Sechszylindermotoren der neuen Generation im 3er Weltpemiere und das mit einem enormen Leistungsangebot. Auf der Basis von zwei Litern Hubraum können die Kunden für Ottomotoren zwischen 184 PS und 252 PS wählen. Das Top-Aggregat ist der Sechszylinder im 340i, der aus drei Litern Hubraum 326 PS schöpft. Auch wenn es sicher nicht das meistverkaufte Modell der Baureihe sein wird, so hat es doch das Potenzial für den größten Spaßbringer, wie die Testfahrt durchs Voralpenland bewies.

Energisch in der Kraftentfaltung, dabei akustisch erstaunlich zurückhaltend, ließ der Wagen Wünsche nach Fahrspaß und agiler Kurvendynamik nicht unerfüllt. Für die geringe Geräuschentwicklung ist die neu entwickelte motornahe Kapselung verantwortlich. Sie wurde aber nicht primär zur Schonung des Gehörs von Passanten entwickelt, sondern um Motorwärme auch nach dem Abschalten zu konservieren. Ein Motor mit Restwärme, so das Ziel, kommt schneller auf Betriebstemperatur, arbeitet effizienter und erwärmt, wenn nötig, auch den Fahrgastraum schneller.

Fahrwerk und Lenkung neu abgestimmt

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Agil und spritzig ist der 340i, wobei sich in Deutschland die Diesel in deutlich höheren Stückzahlen verkaufen.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Um dem Ziel, die agilste Limousine der Premium-Mittelklasse zu bleiben, näher zu kommen, nahmen sich die BMW-Ingenieure das Fahrwerk vor. Eine steifere Abstimmung in Verbindung mit weiterentwickelter Dämpfertechnologie mindern die Wankneigung beim Slalomversuch, stabilerer Geradeauslauf und verfeinertes Kurvenhandling sind zusätzliche Effekte. Laut BMW wurde auch die Lenkabstimmung nochmals überarbeitet.

Freilich hat dies seinen Preis, denn unter 45.950 Euro ist beim 340i gar nichts zu machen. Einen anderen Kostenfaktor kann man mit dem rechten Fuß beeinflussen: Zwar werden die 6,8 Liter auf 100 Kilometer (mit Steptronic-Getriebe), die im Datenblatt stehen, wohl in der Praxis selten erreicht, doch auch mit acht Litern wäre eine 326-PS-Limousine immer noch recht wirtschaftlich.

Welche Vorstellung andere Motorvarianten geben, muss späteren Tests vorbehalten bleiben, denn zum Beispiel die für europäische Märkte wichtigen Dieselmodelle bleiben bei der Presse-Präsentation in der Garage. Das ist insofern bedauerlich, als zum Beispiel in Deutschland im gerade zu Ende gegangenen ersten Halbjahr fast 88 Prozent der Dreier mit einem Dieselmotor verkauft wurden. Die Sympathien der Deutschen sind also klar verteilt. Das gilt auch für die Karosserieform: Sieben von zehn einheimischen Kunden wählen ein Touring-Modell.

Auch wenn in Europa die Diesel dominieren, kommt BMW um den Plug-In-Hybrid nicht herum. Der US-Staat Kalifornien mit seinen scharfen Umweltgesetzen verlangen es ebenso wie das inzwischen umweltsensible China. Die 35. Variante wird der 330e sein, der nächsten Jahr das Licht der Ausstellungssalons erblickt. Der 3er für die Steckdose soll von Null auf Hundert in 6,2 Sekunden sprinten, wenn nötig aber auch 35 Kilometer elektrisch und abgasfrei zurücklegen können. Ein 184 PS starker Benziner und ein 80-kW-Elektromotor arbeiten dann zusammen. Zu welchem Preis verrät BMW allerdings noch nicht.

Quelle: n-tv.de

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