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Mercedes' Antwort auf den BMW X6 GLE Coupé fährt selbst T-Rex davon

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Ganz anders als der Mercedes GLE präsentiert sich das neue GLE Coupé aus Stuttgart. Seine Kompetenz liegt weniger im Offroad-Bereich als vielmehr im Sport.

(Foto: Holger Preiss)

Das GLE Coupé ist eine späte Antwort auf den BMW X6, aber eine konsequente. Haben doch die Stuttgarter einen Mercedes auf dicke Räder gestellt, der vor allem ein extrem sportliches Publikum locken dürfte. Deshalb hat vor allem einer das Sagen: AMG.

Die erste Frau, die das Mercedes GLE Coupé fahren durfte, war Bryce Dallas Howard. Die Hollywood Actress spielt im neuesten Dinosaurier-Drama "Jurassic World" die Rolle der Claire. Auf der Flucht vor einem blutrünstigen Super-Saurier hatte sie natürlich keine Zeit, sich über den Wagen Gedanken zu machen, deshalb sei das an dieser Stelle nachgeholt. Dass der Coupé-Kraxler an ein in Bayern erfundenes Segment erinnert, soll hier nur am Rande erwähnt werden und ist ohnehin nur die halbe Wahrheit.

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Die Verwandschaft zum Mercedes GT kann das GLE Coupé nicht verbergen.

(Foto: Holger Preiss)

Klar hat BMW mit dem X6 die Idee für ein Auto gehabt, das über einige Zeit ganz gewaltig polarisierte und sich im Endeffekt extrem gut verkaufte. Und natürlich haben die Stuttgarter mit dem GLE Coupé hier aufgesattelt, optisch aber konsequent eine Designsprache gefunden, die ein SUV mit einem Mercedes-Sportwagen wie dem GT verschmelzen lässt. Diese Symbiose ist vor allem am Heck zu erkennen.

Die schmalen Leuchten, das mit Spoilerlippe bewährte Stummelheck und die im Trapez angeordneten und zweigeteilten Endrohre sorgen hier für einen charismatischen Auftritt. Damit auch die Offroad-Freunde auf ihre Kosten kommen, gibt es natürlich an Bug und Heck den für "echte" SUV obligaten Unterfahrschutz. Sonst hat Chefdesigner Gorden Wagener die Optik der neuen visuellen Diktion angepasst: Powerdomes für die Motorhaube, ein sehr hoch angesetzter und steil im Wind stehender Kühlergrill mit wuchtigem Mercedes-Stern und bissigen Lufteinlässen im vorderen Stoßfänger.

Chef der Herde ist der GLE 63 S

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Chef im Ring ist der AMG GLE 63 S.

(Foto: Holger Preiss)

Und weil das alles nach Sport schreit, ist der Chef der GLE-Coupé-Herde natürlich ein AMG. Um genau zu sein, der GLE 63 S, befeuert von dem nunmehr in fast allen AMG-Ausbaustufen genutzten 5,5 Liter V8 Biturbo. Der leistet 585 PS und schmettert 760 Newtonmeter an die Achsen. Das hat zur Folge, dass der Spurt auf Tempo 100 in 4,2 Sekunden absolviert ist. Dazu sollte natürlich aus den fünf zur Verfügung stehenden Fahrmodi Sport Plus gewählt werden. Nicht nur, weil jetzt das ESP ganz weit nach hinten rückt, die Lenkung anzieht und direkter arbeitet, sondern sich auch ein tonales Feuerwerk aus den Endrohren entlädt, wenn die Automatik die sieben Gänge in Windeseile hochrechnet.

Der Tiefflug endet übrigens bei den obligaten 250 km/h. Abgeregelt, versteht sich. Fast noch schöner spratzt es aus den Difussoren, wenn die Bremsen in die 34 und 39 Zentimeter großen Scheiben beißen und das 2,3 Tonnen schwere Offroad-Coupé in die Kehre schießt. Dank Wankstabilisierung, Sportfahrwerk und einer Kraftverteilung von 40 zu 60 auf die Achsen gibt es hier kein Vertun. Die 325er Walzen hinten und 285er Gummis an den Vorderrädern, die beim AMG auf 22 Zöllern sitzen, scheinen sich förmlich im Asphalt festzukrallen, während erneut die Gewehrsalven aus dem Auspuff hämmern.

Das ist die Realität

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Wenn der V8 im Sport-Modus läuft, ist der Sound aus den Endrohren gigantisch.

(Foto: Holger Preiss)

Klar, dass die Fahrt im Sport- und Sport-Plus-Modus nichts für jemanden ist, der unbemerkt unter dem Radar fliegen will. Aufmerksamkeit ist hier garantiert. Garantiert ist allerdings auch ein Verbrauch, der sich um die 20 Liter Super Plus bewegt. Wie immer kann der Krawallbruder aber elektronisch zur Ruhe gezwungen werden. In der Comfort-Einstellung wird der V8 ganz zahm und flüstert sich unhörbar durch den Verkehr wobei der Verbrauch auf knapp 15 Liter zurückgeht. Das dürfte für die sportliche Speerspitze der GLE Coupés auch in etwa der Durchschnittsverbrauch im Alltagsgeschäft sein.

Realität ist auch der Preis für das SUV-Coupé mit V8-Power. Der liegt bei satten 125.485 Euro. Wer diesen Preis nicht aufbringen kann, aber mindestens 115.251 Euro zur Verfügung hat, kann mit einem kleinen Abstrich in das GLE 63 AMG 4Matic Coupé ohne S einsteigen. Hier gibt es immer noch 557 PS und ein Drehmoment von 700 Newtonmetern. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 4,3 Sekunden und den Durchschnittsverbrauch gibt Mercedes mit 11,9 Litern an. Na gut, auch diese Summe ist nur für eine geringe Anzahl von Menschen aus der Portokasse zu zahlen. Deshalb soll an dieser Stelle noch eine ernsthafte Empfehlung für alle Sportfreunde ausgesprochen werden.

Die Alternative

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Platz gibt es im Mercedes GLE Coupé reichlich, doch nicht immer lässt er sich leicht nutzen.

(Foto: Holger Preiss)

Die echte Alternative zum GLE 63 ist das GLE 450 AMG Coupé. Unter der Haube arbeitet hier kein V8, sondern ein 3.0 Liter V6 mit doppelter Turboaufladung, der 367 PS und über die neue 9-Gang-Automatik ein Drehmoment von 520 Newtonmeter ebenfalls im Verhältnis 40 zu 60 auf die Achsen verteilt. Letztlich reicht das aus, um in 5,7 Sekunden Landstraßentempo zu erreichen und in der Spitze wie der große Bruder bei 250 km/h abgeregelt zu werden. Wen die Leistungsdaten jetzt nicht überzeugen, der kann sich vielleicht mit dem Preis anfreunden: Der liegt nämlich bei 75.803 Euro.

Dafür gibt es aber auch fünf Fahrprogramme, die wie beim GLE 63 nicht nur die "Hard Skills" wie Fahrwerk, Lenkung oder Antriebsstrang modulieren, sondern natürlich auch den Motorsound. Zwar böllert es hier nicht ganz so kanonenmäßig aus den Endrohren, aber das typische Auspuffbrabbeln, das beim Zurückschalten über die Zwischengasfunktion erreicht wird, gibt es hier auch. Um neben dem Ton auch die Optik anzupassen, gehört zum 450 AMG ein spezielles Styling. Das fängt mit der Front- und Heckschürze an und geht über die 21-Zöller weiter. Wer es richtig fett haben will, der kann sich natürlich auch 22er Alus in die Radhäuser stellen lassen. Anders als der große Bruder verfügt der 450 AMG über eine Luftfederung mit einem adaptiven Dämpfungssystem und einer automatischen Niveauregulierung. Das heißt, im Sport-Modus senkt sich die Karosserie um 1,5 Zentimeter ab, bei Sport + geht es noch einen Zentimeter in Richtung Asphalt. Auch das aktive Kurven-System mit Wankstabilisierung steht für 3748 Euro optional zur Verfügung.

Kopf runter und durch

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Obwohl das Interieur nicht in allen Details die Insignien der neuen Mercedes Designsprache nutzt, fällt es nicht aus dem Rahmen.

(Foto: Holger Preiss)

Und im Innenraum? Hat der GLE 450 AMG ausgezeichnete Sportsitze, die tatsächlich nur durch die AMG-Sitze im GLE 63 übertroffen werden können, ein Sportlenkrad in Leder-Nappa-Ausführung und Sportpedale aus gebürstetem Edelstahl. Ansonsten weicht das Interieur etwas von dem ab, was die neue Designsprache von Gorden Wagener seit dem Neustart der A-Klasse vorgibt. In Anlehnung an die alte M-Klasse, die jetzt den Namen GLE trägt, wird hier auf die typischen Jetdüsen für die Belüftung verzichtet. Das große Zentraldisplay schwebt nicht frei im Raum, sondern ordnet sich über der Mittelkonsole in die Armatur ein, was gar nicht unschick aussieht. Um allerdings einen Blick auf die Rundinstrumente werfen zu können – und das gilt für die gesamte Coupé-Familie - muss sich der Fahrer beim Einsteigen tief verbeugen, sonst rammt er sich den Schädel. Vor allem dann, wenn der Sitz sehr hoch eingestellt ist. Ein Übel, das der Dachlinie und der hohen Einstiegskante eines SUV geschuldet ist.

Apropos Kante. Die Ladekante des GLE liegt bei über 90 Zentimetern. Das ist gewaltig, denn alles, was dort rübergewuchtet wird, muss im Kofferraum wieder 25 Zentimeter abgesenkt werden. Ein Umstand, der dazu führen dürfte, dass schweres Transportgut wohl eher selten in dem 650 Liter fassenden Gepäckabteil verschwindet. Wenn die Rückbank umgeklappt ist, entstehen sogar 1720 Liter plane Ladefläche. Da würde wahrscheinlich sogar Omas Anrichte reinpassen, allerdings bekommt man die dann nie wieder aus dem Wagen raus.

Wer sich von alldem nicht schrecken lässt, aber auch mit dem Anschaffungspreis des 450 AMG hadert, der kann auf das ganze Sportgedöns natürlich auch verzichten. Für 66.700 Euro gibt es das Vernunft-GLE-Coupe, den GLE 350 d 4Matic. Das kleine "d" ersetzt übrigens die Bezeichnungen CDI und BlueTec für Dieselantriebe. Mit dem 3.0 Liter Triebwerk gehen 258 PS einher, die die Fuhre ebenfalls über die neue 9-Gang-Automatik recht souverän in Schwung bringen und für die auch eine Endgeschwindigkeit von 226 km/h im Datenblatt vermerkt ist. Allerdings reicht die Puste hier im lockeren Lauf "nur" bis Tempo 200. Darüber hinaus muss der Anlauf schon etwas größer sein. Dafür dürfte aber der Verbrauch erfreuen. Auf dem Rollenprüfstand wurden im Schnitt 7,2 Liter ermittelt, was gemessen am beschriebenen Gesamtbild des GLE-Coupés durchaus für die Langlaufqualität des Diesel spricht, ohne aber einen übertriebenen Sportgeist an den Tag zu legen.

Quelle: n-tv.de

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