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Vom DDR-Wartburg zum Vectra Opel feiert 30 Jahre in Eisenach

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Auf der grünen Wiese im Westen von Eisenach wurde eine Halle errichtet, in der am 5. Oktober 1990, also zwei Tage nach dem Vollzug der deutschen Einheit, der erste Opel, ein Vectra, vom Band rollte.

(Foto: Opel)

Der Autobauer Opel feiert derzeit das 30-jährige Bestehen seines Werks im thüringischen Eisenach. Die Geschichte dahinter ist auch ein Kapitel deutsch-deutscher Wendehistorie nahe der Wartburg, geprägt von Erfolg und Krisen - und von Autos mit dem Opel-Blitz. Zuvor wurden dort "Dixi", BMW, EMW und Wartburg gebaut.

Vergleichsweise klein, aber doch weltbekannt: Gerade mal 42.000 Einwohner leben in Eisenach am Rand des Thüringer Waldes. 1521 übersetzte Martin Luther hier als von Kaiser und Bischöfen gejagter Flüchtling die Bibel ins Deutsche, hier wurde 1685 Johann Sebastian Bach geboren und hier regten sich 1817 auf dem "Wartburgfest" erste zarte Pflänzchen deutscher Demokratie unter der bis dahin unbekannten Fahne mit den Farben Schwarz-Rot-Gold.

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Anfang der 1990er-Jahre produzierte Opel in Eisenach den Opel Astra.

(Foto: Opel)

Die Stadt am Rande der A 4 war aber auch eines der Zentren der deutschen Autoindustrie. In dieses Stammbuch hat sich vor 30 Jahren auch Opel eingetragen. Denn in Thüringen lief 1992 zuerst der Golf-Konkurrent Astra vom Band, ein Jahr später auch der zuvor ausschließlich in Spanien gebaute Corsa oder der Adam.

"Dixi" - ich habe gesprochen

Das Opel-Duo, beide seit Jahren Bestseller, hatte nun gar nichts mit einem anderen Modell zu tun, mit dem Eisenach jahrelang für Furore sorgte. Das hatte einen viel lustigeren Namen, war bekannt als "Dixi" (lateinisch für "ich habe gesprochen"). So benannte die 1896 gegründete Fahrzeugfabrik Eisenach ab 1904 ihre anfangs großen Modelle. Später stieg das kriselnde Unternehmen auf einen Nachbau des britischen Austin 7 um, ein kleiner sportlicher Zweisitzer.

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Ein Dixi R8 aus dem Jahr 1910 im Automobilmuseum in Eisenach.

(Foto: picture-alliance / ZB)

Dann griff BMW zu, kaufte die Firma und erbte so den "Dixi". In Eisenach begann also auch der Autobau der Bayern. In der Ruhmeshalle von BMW stehen Ikonen wie der Sportwagen 328 und viele andere - alle "Made in Thüringen".

BMW, EMW, Wartburg

Nach dem Krieg wurde die zu 60 Prozent von Bomben zerstörte Fabrik von den russischen Siegern demontiert. In DDR-Zeiten liefen nach dem Wiederaufbau der Produktion zunächst diverse Modelle unter der Bezeichnung "EMW" (Eisenacher Motorenwerke) alte BMW-Typen vom Band, bevor 1955 alle Kraft auf die DDR-Entwicklung Wartburg gelegt wurde. Der Zweitakter der unteren Mittelklasse, für den DDR-Bürger bis zu 17 Jahre Lieferfrist in Kauf nahmen, wurde noch bis 1991 gebaut.

Da hatte längst der westdeutsche Autobauer Opel unter der Regie des US-Konzerns General Motors seine Fühler nach Eisenach ausgestreckt. Auf der grünen Wiese im Westen der Stadt wurde eine Halle errichtet, in der am 5. Oktober 1990, also zwei Tage nach dem Vollzug der deutschen Einheit, der erste Opel, ein Vectra, vom Band rollte. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl war dabei.

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Im Sommer 1992 rollte im Beisein von Helmut Kohl (r.) der erste Astra in Eisenach vom Band.

(Foto: Opel)

Er war es auch, der zwei Jahre später den Startknopf zum Bau des ersten Opel-Modells drückte, das in der neuen Fabrik am Standort der einstigen Vectra-Produktion gebaut wurden. US-Präsident Bill Clinton war gleichsam als Anwalt des Besitzers General Motors ebenfalls vor Ort.

Ein Jahr davor hatte die Treuhand in den Resten der früheren DDR-Firma das Licht ausgeschaltet. Rund 4500 Arbeitsplätzen waren betroffen. Da das Opel-Werk mit modernsten Technologien arbeitete, wurden weniger Menschen gebraucht, gerade mal 1900 Mitarbeiter waren es am Anfang, heute sogar noch mal 600 weniger.

3,7 Millionen Fahrzeuge aus Eisenach

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Aktuell wird bei Opel in Eisenach der Grandland gebaut.

(Foto: Opel)

Gut 3,7 Millionen Fahrzeuge wurden bisher in Eisenach gebaut. Neben Astra und Corsa auch der Kleinwagen Adam. Inzwischen aber konzentriert sich Opel in Thüringen nur noch auf sein Flaggschiff, das Mittelklasse-SUV Grandland mit Plug-In-Hybrid oder klassischen Verbrennungsmotoren. "Damit ist das Werk ein wichtiger Teil unserer Elektrifizierungsoffensive", sagt Opel-Chef Huettl.

Bis 2024 soll es in jeder Baureihe eine reine Elektro-Variante geben, vier Jahre später will Opel, das inzwischen zum Stellantis-Konzern gehört, komplett auf Strom umsteigen. Dazu gehört auch eine neue Submarke, für die Opel auf ein altes Kürzel zurückgreift. "GSE" stand einmal für Power-Versionen des Commodore oder Monza und bedeutete "Grand Sport Einspritzung". Künftig weist das "E" auf den elektrischen Antrieb hin. Die Studie eines neu aufgelegten Opel Manta wurde schon gezeigt, andere GSE-Modelle sollen dann jede Baureihe krönen.

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Allerdings kündigte Opel am 8. September an, an drei Standorten in Deutschland die Belegschaft zu reduzieren -auch in Eisenach. Für insgesamt 1000 Beschäftigte soll das Freiwilligenprogramm geöffnet werden mit den Möglichkeiten der Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindung. Die restliche Belegschaft erhält dann einen Kündigungsschutz bis Mitte 2027.

Der Schritt geht auf eine Eckpunktevereinbarung mit dem Betriebsrat aus dem Jahr 2019 zurück. Danach ist eine weitere Abfindungswelle mit bis zu 1000 Beschäftigten auch im kommenden Jahr noch einmal möglich, wenn dann der Kündigungsschutz für die verbleibende Belegschaft auf 2029 verlängert würde. Ende 2021 arbeiteten noch rund 14.000 Menschen für den Mutterkonzern Stellantis in Deutschland.

Quelle: ntv.de, abe/sp-x

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