Praxistest

Sparsamer Mild-Hybrid? Hyundai i30 Kombi - Golf Variant aus Korea

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Im N-Line-Sportdress sieht der Hyundai i30 Kombi richtig schick aus.

(Foto: Holger Preiss)

Soeben hat VW den neuen Golf Variant in den Markt geschickt. Bereits einen Moment länger am Start ist der ebenfalls neue Hyundai i30 Kombi. Den gibt es auch als Mild-Hybrid und im schicken Sportdress. Und das ist selbst bei 159 PS keine leere Attitüde, wie der Praxistest von ntv.de ergab.

Kombis sind im Fahrzeugportfolio vor allem eine freundliche Beigabe der Hersteller an die deutsche Kundschaft. Da macht auch der Hyundai i30 keine Ausnahme, den es selbstredend auch in der Neuauflage in dieser Version gibt. Selbst dann, wenn Tucson und Co. dem Gegner des VW Golf Variant längst das Wasser abgegraben haben. Dabei haben die Meister der Zuladung nicht nur den Vorteil, dass man recht bequem eine Menge verstauen kann, sie sind auch fahrdynamisch den Kollegen der SUV-Zunft deutlich überlegen.

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Das doppelte Endrohr am Heck soll ebenfalls ein beredtes Zeichen für die sportliche Auslegung des Hyundai i30 Kombi in der N-Line-Ausstattung sein.

(Foto: Holger Preiss)

Und genau das ist auch der Punkt, mit dem der i30 Kombi punkten möchte. Optisch unterstreicht der Testwagen diese Attitüde dann auch noch, in dem er als N-Line, also in einem recht sportlichen Kostüm vorfährt. Dazu gehören neben LED-Leuchten an Front und Heck eine Abgasanlage mit Doppelendrohr, ein sportlicher Kühlergrill, verschärfte Schürzen an beiden Enden, Sportlenkrad, -pedalerie und -sitze und auf Wunsch 18-Zoll-Aluräder. Das macht was her, das sieht gut aus, könnte aber auch nur Staffage sein.

Ist es aber nicht, denn unter der Haube steckt die neueste Motorengeneration in Form eines Vierzylinder-Benziners mit Turboaufladung und Direkteinspritzung. Der entlässt 159 Pferde auf die Koppel und generiert ein maximales Drehmoment von 253 Newtonmetern, das bereits ab 1500 Kurbelwellenumdrehungen an die Vorderräder gereicht wird. Hinzu kommt aber noch ein 48-Volt-Startergenerator, der den Verbrenner bei jedem Beschleunigungsvorgang mit 16 PS unterstützt. Die Energie dafür kommt aus einer Lithium-Ionen-Speicherbatterie, die ihren Platz unter dem Gepäckraumboden gefunden hat und deren Kapazität 0,44 kWh beträgt. Sie wird per Rekuperation beim Bremsen oder Ausrollen geladen und gesteuert durch die Elektronik des Doppelkupplungsgetriebes (DCT). Technisch gesehen ist der Testwagen also ein Mild-Hybrid.

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Zur N-Line des Hyundai i30 Kombi gehören auch ausgezeichnete Sportsitze für Fahrer und Beifahrer. In der zweiten Reihe geht es platztechnisch nicht so üppig zu.

(Foto: Holger Preiss)

Und was die Leistungsdaten betrifft, dürfte es da eigentlich auch nichts zu meckern geben. In flotten 8,8 Sekunden hat sich der i30 Kombi auf Landstraßentempo beschleunigt und bis Tempo 210 gibt es dann auch kein Halten mehr. Das ist schnell, macht Spaß und geht erstaunlich gut. Wobei es dann doch ein paar kleine Einschränkungen gibt, denn ganz reibungslos geht das Zusammenspiel von Turbolader, DCT und Boost von Beginn an nicht vonstatten. Das Gaspedal scheint im ersten Moment ein wenig zu weich, der Fuß drückt also schneller über den Ansprechpunkt als gewünscht. Wobei erst einmal gar nichts passiert, dann reißt der Wagen plötzlich an, als wolle er ins nächste DTM-Rennen starten. Besonders unangenehm ist diese Reaktion beim Ein- oder Ausparken, wenn der i30 zum kühnen Sprung in Richtung Fremdfahrzeug ansetzt.

Auch wer an der Ampel oder beim Überholvorgang auf der Landstraße zu heftig ans Gas geht, wird immer einen eigenartigen Gegenzug spüren, als wäre vorn und hinten ein Gummiband am Wagen angebracht. Erst wenn das Pedal sanft in Richtung Bodenblech bewegt wird, wenn die Kraft sich linear entfalten kann, spielen die Komponenten famos zusammen. Das DCT schaltet sauber und die 1,5 Tonnen Lebendgewicht des i30 Kombi gehen vehement nach vorne. Beflügeln kann man das noch, indem der Fahrmodus-Schalter in der Mittelkonsole auf Sport gestellt wird. Das wäre dann auch der Moment, die Gangart über die in dieser Klasse mit Abstand am besten geformten Schaltwippen zu bestimmen.

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Auch in der Silhouette kann sich der Hyundai i30 als Kombi sehen lassen.

(Foto: Holger Preiss)

Dabei stört es auch überhaupt nicht, dass Hyundai beim N-Line auf ein extra straffes oder gar adaptives Fahrwerk für die sportliche Kurvenhatz verzichtet hat, denn der 4,58 Meter lange Koreaner lässt sich dank einer sehr direkten Lenkung recht dynamisch durch die Kehren führen. Dabei neigt er kaum zum Untersteuern und zieht präzise seine Bahn. Man bildet sich in solchen Momenten tatsächlich ein, zu spüren, dass die Erprobungsfahrten der i30-Modelle zu großen Teilen auf dem Nürburgring stattgefunden haben. Und wer sich derart spontan in die Kurven legt, der wird auch die in der N-Line-Ausstattung mitgelieferten Sportsitze schätzen lernen, die nicht nur einen ausgezeichneten Seitenhalt bieten, sondern auch über die Langstrecke dafür sorgen, dass das Sitzfleisch nicht müde wird.

Müde wird man auch nicht, die Geräuschdämmung und die gute Verarbeitung des im tschechischen Nosovice gebauten Koreaners zu loben. Nicht ganz so prall fällt hingegen der Jubel über den Verbrauch aus. Der lag nämlich im Testdurchschnitt bei 7,7 Litern, was mit Blick auf die Herstellerangaben von kombinierten 5,4 Litern über 100 Kilometer etwas hoch ist. Sicher lässt sich der Verbrauch bei züchtiger Fahrweise mit dem bei jedem Start voreingestellten Eco-Modus senken, aber um das zu machen, muss man schon eine ziemliche Spaßbremse sein. Zumal die ständige Eco-Reglementierung schon nervt. Selbst, wenn man zuvor in Normal unterwegs war, bleibt diese Einstellung für die Elektronik nicht verbindlich.

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Der Kofferraum des Hyundai i30 Kombi bietet 601 bis 1650 Liter Stauraum, der über eine niedrige Ladekante zu erreichen ist.

(Foto: Holger Preiss)

Werfen wir noch einen Blick auf die Platzverhältnisse im i30 Kombi. Schließlich ist diese Fahrzeugvariante vor allem für Familien eine interessante Alternative. Beim Kofferraum gibt es da auch kein Vertun: 602 bis 1650 Liter stehen hier zur Verfügung. Doch so üppig es im Gepäckabteil zugeht, so eng wird es in der zweiten Reihe. Bereits wenn der Fahrer die Größe von 1,80 Meter übersteigt, könnte es für im Fond Reisende an den Knien eng werden. Kinder werden eher keine Probleme haben, aber die Erwachsenen, wenn die Zappelbeinchen immer wieder gegen den Sitz der Eltern treten.

Doch werfen wir einen Blick auf den Preis des i30 Kombi. Wer auf den schon geschilderten Luxus der N-Line verzichtet und sich dann auch noch mit 110 PS bescheiden kann, darf bereits ab 19.486 Euro einsteigen. Wer es sportlich schick und mit den Features Navigationssystem, 10,25-Zoll-Farb-Touchscreen, Verkehrszeichenerkennung, digitalem Cockpit, automatisch abblendenden Innenspiegel, Regensensor und Spurfolgeassistent mag, der zahlt mehr.

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Im Innenraum mag der i30 Kombi nicht so hoch technisiert wie der Golf 8 wirken, vermissen wird der Fahrer das aber nicht.

(Foto: Holger Preiss)

Noch teurer wird es, wenn die kleinen Helferlein in Form von adaptiver Abstandsregelanlage, Notbremsassistent, elektrischer Parkbremse, Knieairbag für den Fahrer sowie Quer- und Totwinkelwarner geordert werden. Das alles summiert sich dann zu dem Preis, den man für den Testwagen zahlen müsste: 34.498 Euro. Das mag üppig anmuten, liegt aber immer noch knapp 2000 Euro unter einem ähnlich ausgestatteten VW Golf Variant.

DATENBLATTHyundai i30 Kombi 1.5 T-GDI 48V-Hybrid
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,58/1,79/ 1,47 m
Radstand2,65 m
Leergewicht (DIN)1549 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen602 / 1650 Liter
MotorVierzylinder-Beziner mit 1482 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Systemleistung117 kW / 159 PS bei 5500 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
Tankvolumen50 Liter
max. Drehmoment253 Nm / bei 1500 - 3500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,8 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,0 / 6,5 / 5,4
Testverbrauch7,7 l
CO2-Emission124 g/km
Grundpreis30.013,00 Euro
Preis des Testwagens34.497,81 Euro

Fazit: Der Hyundai i30 Kombi ist in seiner Neuauflage fahrtechnisch ein wirklich gelungenes Fahrzeug. Zudem glänzt der Koreaner mit hoher Verarbeitungsqualität und ausgezeichneter Geräuschdämmung. Der Vierzylinder mit 48-Volt-Technik ist ein potenter, wenn auch nicht ganz so sparsamer Motor. Dafür macht er mit sanftem Fuß geführt im Zusammenspiel mit einem knackigen Fahrwerk richtig Spaß. Und so hoch der Preis von 35.500 Euro auf den ersten Blick anmuten darf, man bekommt zusammen mit den obligatorischen fünf Jahren Garantie richtig viel Auto für das Geld.

Quelle: ntv.de