Leben

Italien übt das "Dolce Vita" Aperitivo, Spaghetti & Co. draußen genießen

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Für Deutsche noch immer ein Traum: Essen gehen ...

(Foto: imago stock&people)

Die Italiener dürfen sich wieder zum Aperitivo treffen und ins Restaurant gehen. Zwar noch mit Einschränkungen, trotzdem rückt die Normalität einen Schritt näher. Ausländische Besucher müssen sich leider noch gedulden.

Seit Montag dieser Woche ist der Großteil der Italiener wieder ein Quäntchen mehr auf freiem Fuß. Die meisten Regionen befinden sich in der gelben Zone, in der mehr erlaubt ist als in der Vergangenheit. Zum Beispiel dürfen Kinos und Theater nach mehr als einem Jahr wieder aufmachen. Weswegen zur Feier des Tages ein Mailänder Kino am Montag schon um 6 Uhr Morgens zur ersten Filmvorführung einlud. Zu sehen war Nanni Morettis Kultfilm aus dem Jahr 1993 "Caro Diario" (Liebes Tagebuch). Regisseur Moretti wiederum, dem in Rom der Kinosaal "Nuovo Sacher" im pittoresken Trastevere-Viertel gehört, kümmerte sich persönlich um die Öffnung und den Empfang der ersten Zuschauer. Und trotz Mundschutzes konnte man ihm die Freude darüber ansehen.

Gestrahlt hat am Montagmorgen auch der Mailänder Barbesitzer Mario - und das, obwohl er seinen Kunden im Moment nur drei Tische zur Verfügung stellen kann. "Während drinnen weitere zehn stehen, für die es aber hier draußen keinen Platz gibt" sagt er ntv.de kopfschüttelnd. Die geltenden Vorschriften in der gelben Zone sehen nämlich vor, dass Lokale und Restaurants jetzt auch am Abend ihre Kunden bedienen dürfen, aber nur im Freien. Deswegen gewähren die Städteverwaltungen im ganzen Land für dieses Jahr eine kostenfreie Bodennutzung - nicht jeder aber hat Platz genug vor seinem Lokal, um Tische und Stühle aufzustellen. "Immerhin sind die Kunden sehr zuvorkommend. Wenn sie schon eine Weile sitzen und jemand kommt und auf einen Tisch wartet, stehen sie gleich auf", fügt Mario hinzu.

In den Abend hineinplaudern

Die Stimmung der Italiener hat sich sichtlich verbessert. Endlich wieder mit Freunden, beim Aperitivo, natürlich gewissenhaft distanziert, beisammen zu sitzen. Wann hatte man das denn das letzte Mal? Egal ist den meisten auch, dass das Wetter, zumindest in Norditalien, die ersten Tage regnerisch und kalt war.

Beim letzten Mal gelbe Zone mussten die Cafés um 18 Uhr schließen. Die Jüngeren ließen sich die Gelegenheit trotzdem nicht entgehen und genossen bereits um 17 Uhr ihre Drinks. Für die Berufstätigen war das natürlich nicht so einfach möglich: Zum einen, weil sich das nicht mit der Arbeit vereinbaren ließ, zum anderen - und das ist eigentlich der ausschlaggebende Grund - weil der Aperitivo ein gesellschaftliches Ritual ist, bei dem es nicht wirklich ums Trinken, sondern vielmehr ums Zusammensein, Entspannen, locker in den Abend hineinplaudern geht. Also um den italienische Lebensstil schlechthin.

Dass man nun, notgedrungen, für eine Weile improvisiert am Rande des Gehsteigs sitzt, scheint die meisten wenig zu kümmern. Wobei sich die Lokalbesitzer auch mächtig Mühe gegeben haben: So viele bunte Flecken, so viele Vasen mit Pflanzen und Blumen hat man genau genommen noch nie gesehen. Es wäre wirklich schön, wenn diese auch nach der Pandemie so bleiben könnten - für die urbane Ausstattung wären sie auf jeden Fall ein Gewinn.

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Es grünt so grün, nicht nur, wenn Spaniens Blüten blüh'n!

(Foto: A. Affaticati)

Herr Roberto ist einer der Besitzer des "Mint Garden Café", keine Viertelstunde vom Mailänder Domplatz entfernt. Der Außenbereich macht dem Namen dieses Cafés alle Ehre. Bistro, Cocktailbar und Blumenladen zugleich ist vor dem Café ein Teil des Gehsteigs zu einer kleinen grünen, mit vielen Blumenstöcken geschmückten Oase entstanden. "Wir hatten ja schon vor der Pandemie einen Außenbereich, wir haben ihn nur ein Stück verlängert" sagt er ntv.de. Ärgern tut er sich aber trotzdem über die Verordnung, nur im Freien servieren zu können, denn auch in Mailand ist die ganze Woche Regen angesagt. Und auch die Sperrstunde um 22 Uhr ist ihm ein Dorn im Auge - früher hätten sie bis 24 Uhr geöffnet gehabt.

Auch im Süden wird das Abendessen vorgezogen

Das mit der Sperrstunde um 22 Uhr ist für die Restaurants ein Problem. Besonders jetzt, wo die Temperaturen wieder steigen werden, geht man eigentlich vor 20 Uhr nicht ins Restaurant, zumal man sich davor den bereits erwähnten Aperitivo gönnt. Ein neapolitanischer Kellner sieht das so: "Hier im Süden ist es uns fast peinlich, so früh einen Tisch zu bestellen." Rosalba, die in Apulien bei Locorotondo, inmitten der berühmten Trulli-Landschaft, ein Ressort mit Restaurant führt, sieht das anders. "Wir haben uns den Regeln angepasst, Hauptsache es geht weiter. Außerdem sind sie ja sowieso nur vorübergehend." Sie selbst werde restlos glücklich sein, wenn Apulien von der orangefarbenen Zone, wo nur Take-Away erlaubt ist, wieder in den gelben Bereich kommt.

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Besser als nichts, oder?

(Foto: A. Affaticati)

Die Regierung hat versprochen, die Maßnahmen Mitte Mai noch einmal zu überprüfen. Sollten die Fallzahlen bis dahin gesunken sein, könnte man weitere Lockerungen in Betracht ziehen. Premier Mario Draghi hatte vorige Woche von einem "kalkulierten Risiko" gesprochen, das Italien mit den jetzigen Maßnahmen eingehe. Die Politik zumindest hat aus dem Fall Sardinien gelernt: Vor Ostern war die Insel die erste weiße Zone im Land. Für zwei Wochen war alles wieder wie vor der Pandemie und es gab auch keine Sperrstunde. Jetzt ist Sardinien, als einzige Region im Land, wieder rot. Diese Erfahrung ein zweites Mal zu machen, würde man gerne vermeiden.

Bleibt noch die Frage, wann die im Moment noch gültigen Einreisebestimmungen aus anderen EU-Ländern, die einen PCR/Antigentest maximal 48 Stunden vor der Einreise, eine fünftägige Quarantäne und dann einen weitere PCR/Antigentest vorsehen, aufgehoben werden. Darauf kann das Auswärtige Amt noch keine Antwort geben. Die ausländischen Besucher müssen sich also noch etwas gedulden, bevor sie wieder in den Genuss von "Dolve Vita" kommen dürfen.

Quelle: ntv.de

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