Leben

Vagina, Vulva - wie denn nun? Ein Hoch auf das weibliche Geschlecht!

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Es steckt viel drin in jedem noch so braven Höschen.

Das weibliche Geschlechtsorgan gilt zu Unrecht als mysteriös. Das fängt schon beim Namen an. Muschi, Möse, Vulva: Ja, wie denn nun? Und was ist mit der Klitoris? Über die Anatomie des weiblichen Geschlechts und seine Verniedlichungen.

Um das weibliche Geschlecht ranken sich nach wie vor viele Mythen. Die Vagina - die mysteriöse Fremde, das große unerforschte Geheimnis. Es fängt schon beim Vokabular an. Mmh ... Wie das weibliche Geschlecht nun am besten benennen? Wie wäre es damit: beim Namen! Ich erinnere mich, wie ich in meiner Kindheit einmal die Sommerferien bei meinen Großeltern verbrachte und am Abend nach einem langen Spieltag ließ meine Oma für mich Wasser in eine alte Zinnwanne im Garten ein, sodass ich quietschvergnügt unter freiem Himmel ein Bad nehmen konnte. Aus der Ferne rief sie: "Und nicht vergessen, das Pfläumchen zu waschen!"

Verniedlichungen für die Geschlechtsteile, auch die männlichen, für die es ebenfalls zuhauf so putzige Bezeichnungen wie Pillermann und Schniedelwutz gibt, mögen süß für Kinderohren sein, aber sie bergen eine nicht zu unterschätzende Problematik, nämlich vor allem dann, wenn Kinder nur die Kosenamen kennen und die korrekten Bezeichnungen nicht erlernen. Als wäre es etwas Obszönes, wenn der Sohn seinen eigenen Penis genau so nennt, wie er auch heißt und die Tochter Vagina statt Pfläumchen sagt.

Tatsächlich haben viele Eltern Hemmungen, mit ihren Kindern über das korrekte Vokabular ihrer Intimzone zu sprechen. Strullerlisl und Mumu klingen einfach viel niedlicher und unkomplizierter im Alltag, so der Trugschluss. Auch eine schöne Ausrede: erst den richtigen Zeitpunkt für kindgerechte Erklärungen abwarten zu müssen. Wie wäre es einfach, wenn das Kind sich "untenrum" (ebenfalls schamhaft besetzt) wäscht?

"Die blöde Pussy" … ist alles andere als schwach

Das Problem, das durch derlei Verniedlichungen entsteht, ist oft eine Abwertung des Geschlechts - vor allem des weiblichen. Sie haben garantiert schon Beschimpfungen gehört wie: "So eine blöde Pussy!" oder: "Was für eine Muschi!" Sie fallen nicht selten, wenn jemand als Schwächling erachtet wird. Und nein, derlei Sprüche werden natürlich nicht nur von Männern benutzt, sondern auch - und das ist erst recht traurig - von Frauen. Dabei ist diese Denunziation des weiblichen Geschlechts geradezu paradox, denn die "die blöde oder hässliche Pussy" leistet geradezu Großartiges, ist also alles andere als schwächlich. Derlei Verunglimpfungen tragen auch dazu bei, dass viele Frauen glauben, ihre Vulva sei hässlich, die Schamlippen zu groß, zu klein, zu rosa, zu - "Hilfe, sie sind puterrot!".

Neulich habe ich im Bus mitbekommen, wie sich zwei junge Frauen miteinander unterhielten. Sie lästerten über eine gemeinsame Bekannte und bezeichneten sie als hinterhältige F****. Jetzt kann man natürlich orakeln, dass diese Jugendlichen garantiert aus einem gewissen Milieu stammen oder vielleicht einfach nur viel misogyne Rap-Musik hören, wo es zum guten Ton gehört, das weibliche Geschlecht mit despektierlichen Lyrics zu blamen.

Die Klitoris - das "It-Girl der Erotik"

Viele Männer wie Frauen kennen zudem auch im Erwachsenenalter weder das korrekte Vokabular ihrer Geschlechtsteile noch wissen sie, wie diese beschaffen sind. Es kommt tatsächlich gar nicht so selten vor, dass Leute nicht den Unterschied zwischen Vagina und Vulva kennen. Nein, das ist nicht dasselbe Organ! Wunderbar erklärt wird der gesamte weibliche Genitalbereich unter anderem von Ellen Støkken Dahl und Nina Brochmann in "Viva la Vagina". Die beiden Autorinnen erörtern nicht nur anschaulich, wie das weibliche Geschlechtsorgan überhaupt aufgebaut ist, sondern befassen sich auch mit gängigen Vorurteilen rund um den weiblichen Körper.

Zur Vulva gehören der Venushügel, die Schamlippen (große und kleine) und die Klitoris; die Vagina hingegen ist ein durchschnittlich acht Zentimeter langer Muskelschlauch, der zur Gebärmutter führt und somit nicht außen, sondern im Inneren liegt. Gern streicheln und liebkosen lässt sich die Klitoris. Natürlich muss niemand explizit fragen: "Wie hättest du gern, dass ich deine Klitoris streichle?" Nichtsdestotrotz wäre es erstens hilfreich, zu wissen, dass sie überhaupt existiert, zweitens, wo sie ist und drittens, wie sie gern berührt wird. Das Streicheln kann selbstverständlich erlernt und immer wieder neu perfektioniert werden, denn die leider allzu oft vernachlässigte Klitoris ist, wie es "Deutschlands charmanteste Gynäkologin" Sheila de Liz in "Unverschämt" beschreibt, nicht nur "das It-Girl der Erotik", sondern "die wichtigste Playerin des weiblichen Orgasmus" - die Perle der Lust!

Auf die Lust und schamlos guten Sex!

Selbstverständlich darf jeder sein Geschlechtsorgan und das des (Sex-)Partners so bezeichnen, wie er möchte. Ich persönlich finde das Wort Scheide zum Beispiel nicht sonderlich schön und - Achtung, kleiner Wortwitz - etwas trocken. Aber unabhängig davon, welchen Kosenamen man benutzt: Der korrekte Name sollte jedem geläufig sein. Sie mögen jetzt mit dem Kopf schütteln und sagen, na, aber hallo, das ist doch selbstverständlich: Leider ist es das nicht!

Es gibt so vieles rund um das Thema Sexualität, das noch immer - leider - mit Scham behaftet ist. Und deswegen wird über all die spannenden Vorgänge, die "untenrum" so passieren, entweder nicht offen oder nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Dabei gehört die Benennung eines Geschlechts ohne Scham zur eigenen sexuellen Gesundheit. Und die sollte uns allen wichtig sein! Gehen Sie ruhig auf Sightseeingtour im Intimbereich und erkunden Sie gefühlvoll, was sich Ihnen offenbart! Auf die Lust und schamlos guten Sex!

Quelle: ntv.de