Leben

Picasso, starke Frauen und KI Was die Kunst 2023 zu bieten hat

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Fünf Tage erforscht die Transmediale in Berlin unter anderem wie die Größe eines Bildes unsere Emotionen beeinflusst.

(Foto: Simone C. Niquille. Still aus duckrabbit.tv 2023)

"Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele", wusste Pablo Picasso. 2023 erinnern weltweit Ausstellungen an seinen 50. Todestag. Im Kunstjahr 2023 geht es auch um starke Frauen, digitale Künste und die Frage, wie man Nachhaltigkeit in die Museen bringt.

Krieg, Klimakrise und Kontroversen sind im vergangenen Jahr auch in die Kunst hineingeplatzt. Es war ein intensives Jahr mit herausfordernder Kunst und vielen Diskursen. Es wurde diskutiert, gestritten und so manches zerredet. Was sich in dieses neue Jahr trägt, wird sich noch zeigen. Das Thema Nachhaltigkeit ist definitiv gekommen, um zu bleiben. Und das nicht erst, seitdem Klima-Aktivisten ihre Attacken mit Tomatensuppe, Kartoffelbrei und Sekundenkleber auf museale Ikonen wie Monet, Picasso und Co. gestartet haben.

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2023 gibt es ein neues Logo und spannende Ausstellungen im Münchner Haus der Kunst.

(Foto: Haus der Kunst)

Dass die Energiebilanz bei alten Gebäuden nicht schön gerechnet werden kann, ist klar. Das ist besonders für veraltete CO2-Fresser eine Gratwanderung, bei der sie nur abstürzen können. Ein anderer Lösungsansatz: Ausstellungen neu denken. Das passiert jetzt in immer mehr Institutionen. Yilmaz Dziewior vom Museum Ludwig in Köln treibt das Thema schon länger um, er hat extra eine Ausstellungskuratorin für Ökologie eingestellt.

Das Münchner Haus der Kunst mit Andrea Lissoni an der Spitze arbeitet nachhaltig, setzt Materialien für Ausstellungen kurzerhand mehrfach ein oder lässt, wenn möglich, von heimischen Handwerkern produzieren. Jetzt hat der Direktor sogar das Logo des Museums ändern lassen. Ein Regenbogen soll Vielfalt, Gemeinsamkeit, die Nähe zum Englischen Garten und dem Eisbach, aber eben auch Nachhaltigkeit symbolisieren.

Picassomania

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Picasso 1965 in seinem Atelier in Paris.

(Foto: André Gomès, Musée National Picasso - Paris)

Ein herzloses Genie, der Dämon der Malerei, Jahrhundertkünstler und Vater des Kubismus - all das findet sich zu Pablo Picasso im weltweiten Netz. Jeder kennt seine zart gemalte Friedenstaube und sein gewaltiges Gemälde "Guernica", ein Aufschrei gegen Krieg und Faschismus. Sie finden sich millionenfach auf Postkarten oder Postern. Picasso-Ausstellungen ziehen das Publikum massenhaft in Museen. Am 8. April jährt sich der 50. Todestag des spanischen Malers. Grund genug für eine weltweite Picassomania. Mit Schauen in Spanien, Frankreich, den USA und Deutschland wird an den Mega-Künstler erinnert. Mit dabei ist ab dem 17. September das Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal mit "Pablos Picasso und Max Beckmann - Mensch, Mythos, Welt". Gemeinsam hat man ihre Werke noch nie vergleichen können.

In seinen 91 Lebensjahren war Picasso unheimlich produktiv. In sieben Jahrzehnten als Künstler malte er in Öl, zeichnete, schuf Grafiken, Collagen, Skulpturen und Keramiken. Monumentale 50.000 Arbeiten sollen sein Werk umfassen. Zu Frauen pflegte er eher schwierige Beziehungen. Sie vergötterten ihn hemmungslos, zerbrachen aber auch an ihm, begingen Selbstmord oder verfielen dem Wahnsinn. Nur Françoise Gilot verließ den Künstler, wurde eine eigenständige Künstlerin und schrieb das Buch "Leben mit Picasso", das bis heute Leserinnen und Leser fasziniert. Ob in der Vielzahl der Ausstellungen Picassos toxische Männlichkeit thematisiert wird?

Starke Frauen

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Was für ein Bild: Alice Springs hat 1990 Brigitte Nielsen mit ihrem Sohn in Beverly Hills fotografiert.

(Foto: Alice Springs, courtesy Helmut Newton Foundation)

Nicht gesehene Frauen in der Kunst sind ein Dauerthema. Es geht um fehlende Gleichberechtigung von Künstlerinnen. Sie können zwar seit über 100 Jahren an der Akademie studieren, sind aber immer noch weniger anerkannt und schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Die Kuratorin Cecilia Alemani setzte 2022 mit ihrer Venedig-Biennale zu 80 Prozent auf Werke von Frauen und non-binären Personen. Diese Wunderwesen setzten bei der Mutter aller Biennalen ein nachhaltiges Zeichen.

Ein Umdenken findet in den Museen aber offensichtlich statt, denn 2023 gibt es eine Vielzahl an Ausstellungen mit großartigen Künstlerinnen: Die libanesische Malerin Etel Adnan lockt mit farbstarker Abstraktion bis Ende Februar ins Münchner Lenbachhaus und ab April ins K 20 nach Düsseldorf. Auch in der Fotografie gibt es ein Jubiläum einer starken Frau: Alice Springs wäre 100 Jahre alt geworden. Der Helmut Newton Stiftung in Berlin ist das ab 2. Juni eine große Retrospektive wert. Alice Springs ist das Pseudonym von June Newton, der Frau des Fotografen Helmut Newton. Ihre außergewöhnlichen Porträts von Prominenten wie Nicole Kidman, Gerhard Richter oder Brigitte Nielsen haben eine völlig eigene Handschrift.

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Eine venezianische Starporträtistin des Rokokos kann das Publikum in Dresden entdecken. "Rosalba Carriera - Perfektion in Pastell" ist ab dem 9. Juni in der Gemäldegalerie Alte Meister zu sehen. Großartige Künstlerinnen wie Carriera wurden nach ihrer Zeit viel zu lange übersehen, da Männer den Blick auf die Kunstgeschichte geprägt haben. Das nervte auch die englische Kunsthistorikerin Katy Hessel ungemein. Kurzerhand hat sie die Geschichte der Kunst einfach mal ohne Männer aufgeschrieben und es mit "The Story of Art without Men" in englische Bestsellerlisten geschafft.

Digitale Kunst

Sie sind wie eine Investition in die Zukunft, digitale Künste sind nicht mehr wegzudenken. Mit dem Absturz der Kryptomärkte ist der Hype um NFTs jedoch abgeebbt. Digitale Kunst ist allerdings nicht zwingend mit Non-Fungible Token verbunden, sie hat ihre Wurzeln sogar bereits im vergangenen Jahrhundert. Mit diesen historischen Vorläufern, Klassikern und neusten Entwicklungen werden sich 2023 von Leipzig über Karlsruhe bis nach Essen und Berlin Ausstellungen und Festivals beschäftigen. Dass Digitaltechnologie nachhaltig die Idee einer Gemeinschaft verändert, wollen in Stuttgart acht Künstler und Künstlerinnen wie Hito Steyerl oder Louisa Clement belegen. "Shift. KI und eine zukünftige Gemeinschaft" startet am 4. Februar im Kunstmuseum: Künstliche Intelligenz trifft künstlerische Intelligenz.

In der Zeche Zollverein begegnet beim NEW NOW Festival ab dem 27. Oktober Industriekultur der digitalen Kunst. Die Transmediale in Berlin geht Anfang Februar zum 36. Mal an den Start und ist so was wie die Urmutter aller Festivals, die sich mit Kunst und digitaler Kultur beschäftigen. Das Schöne bei den digitalen Künsten: Es sollen Grenzen eingerissen werden und allen Zugang verschafft werden zu dem, was technologisch State of the Art ist. Hingehen, ausprobieren und reden, denn Kommunikation ist das, wozu Kunst im besten Fall anregt.

Kunst für alle

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"Kunst ist ein essenzielles Bedürfnis der Menschen", findet Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie in Berlin

(Foto: J. Rohr)

Zu guter Letzt ein (noch) kleiner, aber sehr wünschenswerter Trend: umsonst ins Museum! Denn, wie Picasso sagte, "Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele." Direktorinnen und Direktoren der Kunsttempel wünschen sich mehr Publikum, wollen niederschwellig Kunst für möglichst viele Menschen erfahrbar machen. Museen sind öffentliche Orte, Bildungsinstitutionen, in denen man sich begegnen und austauschen kann. Ein Grund mehr, die Bezahlschranke von Zeit zu Zeit aufzuheben. Das Haus der Kunst in München hat nicht nur ein neues Logo, sondern öffnet immer den letzten Freitag im Monat von 16 bis 22 Uhr die Türen für die Kunst bei freiem Eintritt. Die Neue Nationalgalerie in Berlin ist immer donnerstags ab 16 Uhr ohne Bezahlung besuchbar. Letzteres macht das Kulturengagement ART4ALL von Volkswagen möglich. Bitte mehr davon. Danke!

Celebration Picasso 1973-2023, zum Programm geht es hier.
Transmediale, 1. bis 5. Februar, Akademie der Künste, Berlin.

Quelle: ntv.de

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