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Wann macht Social Media krank? Wenn Likes zur Droge werden

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Durchschnittlich schauen User 75 Mal am Tag auf ihr Smartphone. Aber ab wann wird es ungesund?

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Soziale Medien können die Kommunikation erleichtern. Doch manche Menschen nutzen Facebook, Whatsapp und Co. so exzessiv, dass sie im realen Leben regelrecht vereinsamen. Welcher Social-Media-Konsum ist noch normal und wann ist es eine Sucht?

Morgens nach dem Aufwachen Whatsapp checken, dann die nächste Instagram-Story hochladen und anschließend die Timeline im Auge behalten, um zu sehen, wie die anderen reagieren. Vorsichtshalber noch ein Selfie mit Retrofilter posten, um so ganz sicher ein paar Likes zu sammeln. Durchschnittlich schauen User 75 Mal am Tag auf ihre Smartphone, hat der Journalist Manfred Poser für sein Buch "#fomo: Die Angst, etwas zu verpassen" herausgefunden. Andere rufen ihre Social-Media-Portale sogar 150 Mal täglich ab.

In der digital geprägten Gesellschaft scheint die Angst zu kursieren, irgendetwas zu verpassen. Oder von der Community ausgeschlossen zu werden, wenn man nicht ständig in den sozialen Medien präsent ist. Für manche Menschen wird der Druck so übermächtig, dass sie süchtig werden.

Die DAK gab vor wenigen Monaten eine Studie heraus, die offenbarte: 12- bis 17-Jährige in Deutschland verbringen täglich im Schnitt fast drei Stunden in sozialen Netzwerken. Je länger sich die Kinder und Jugendlichen im Internet aufhielten, desto höher sei auch das Suchtrisiko, so die Krankenkassen-Studie. 2,6 Prozent der Jugendlichen in Deutschland seien bereits abhängig von Whatsapp, Instagram, Snapchat & Co.

Für Erwachsene liegen keine Zahlen vor

Zahlen, die das Suchtverhalten bei Erwachsenen belegen, gibt es bislang nicht. Heike Kaiser-Kehl, Diplom-Psychologin bei dieonlinepsychologen.de, kann also nur von ihrem subjektiven Empfinden berichten: "Ich habe definitiv den Eindruck, dass immer mehr Erwachsene Social-Media-abhängig sind", sagt sie. Und sie versucht zu erklären, warum es keine Zahlen gibt: "Bei der Social-Media-Sucht handelt es sich um ein relativ neues Phänomen." Deswegen sei sie auch nicht als Krankheit anerkannt.

Die Psychologin vermutet auch, dass Erwachsene mit bestimmten Charaktereigenschaften schneller in die Abhängigkeit rutschen können als andere: "Menschen, die im sozialen Leben selbstunsicher sind und Menschen, die eine Tendenz zum Narzissmus aufweisen, sind sicherlich gefährdeter als andere." Aber im Prinzip könne es jeden treffen. Denn: "Wir alle mögen Schmeichelei. Und die Social-Media-Kanäle sind eine weitere Möglichkeit, Anerkennung zu bekommen."

Tatsächlich kann schon der ständige Blick aufs Smartphone zur Droge werden: Das Wissenschaftsjournal Neuroregulation veröffentlichte im April 2018 einen Artikel, aus dem hervorgeht, dass sich durch den andauernden Smartphone-Gebrauch neue neurologische Verbindungen bilden, die denen ähnlich sind, die bei der Einnahme schmerzlindernder Opioide entstehen. Allerdings bergen Opioide eine große Suchtgefahr. Auf das Smartphone übertragen heißt das also: Wenn wir es viel benutzen, entsteht eine Abhängigkeit. 

Doch nicht jeder, der am Tag mehrmals seinen Facebook-Account checkt, muss sich nun Sorgen machen. Die Schwelle zur Sucht sei erst übertreten, wenn die sozialen Netzwerke immer mehr Raum einnähmen und man andere Dinge wie die Arbeit oder Freunde vernachlässige, so Kaiser-Kehl. "Wer übermäßig Zeit investiert und diese auch immer mehr steigert, ist wahrscheinlich abhängig." Um herauszufinden, ob man süchtig ist oder nicht, kann man einen Online-Test machen. Oder mehr auf die Rückmeldung aus dem Umfeld achten. "Vielleicht sagen einem die Menschen um einen herum ja schon, dass man sehr viel in sozialen Netzwerken unterwegs ist. Dann sollten die Alarmglocken schrillen." In so einem Fall sei es wichtig, sein Social-Media-Verhalten zu reflektieren. "Bei jedem Post sollte man sich fragen: 'Warum poste ich das jetzt?' Und wenn man diese Frage nicht hinreichend beantworten kann, sollte man sein Verhalten überdenken."

Quelle: n-tv.de

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