Essen und Trinken

"Mach doch, was du willst!" Curry nach sTHAIner-Art

f3610e9d-94b9-4969-88ed-75fe9bb9f848.JPG

Sieht auch roh toll aus!

(Foto: ms)

"Ach, mach' doch einfach, was du willst!" Wenn Sie von Ihrer Partnerin am Ende einer, nennen wir es "Debatte", diesen Satz hören, bedeutet das ja nicht, dass Sie nun alle Freiheiten haben und die Sache gegessen ist. Ein Besänftigungs-Curry ist dann aber sinnvoll. Aber wenn es wirklich ums Essen geht (worum sich bei mir ja, zumindest in dieser Kolumne, alles dreht), dann ist dieser Satz die Essenz des Currykochens. Und er kommt ohne den geringschätzigen Ton und die beiseiteschiebende Handbewegung aus, die sonst Begleiterscheinungen dieses Statements sind.

"Ach, mach doch einfach, was du willst" ist heute mein Motto für Sie. Natürlich können Sie eine fertige Curry-Mischung in Rot, Grün oder Gelb kaufen und in Windeseile ein Curry zaubern, das dann auch tatsächlich gut und glaubwürdig schmeckt. Oder Sie machen es authentisch, indem Sie diese exotische Paste selbst herstellen.

Das ist einfach. Außer Sie besitzen keinen Mörser. Erste Voraussetzung für das Curry.

Zutaten

Für die Paste

4 kleine Chili-Schoten, gelb und/oder rot
4-5 Stangen Zitronengras
4-6 Zehen Knoblauch
1 Stück Ingwerwurzel, Größe nach Belieben, mindestens wie etwa ein Daumen
1-2 Kaffirlimettenblätter
2 TL Koriandersamen
1 TL Kurkuma
1 Limette (Saft und Schale)
Salz, bei Bedarf etwas brauner Zucker

Für den "Eintopf"

150 Gramm Shiitake-Pilze (sie geben schönes Aroma)
4 kleine Pak Choi
2 Packungen Mini-Mais
1 Paprika (alle Farben außer Grün)
1 Packung Zuckerschoten
4-5 Schalotten
1-2 Packungen kräftigen Tofu (oder Kichererbsen, Lachs, Hühnerbrust, Garnelen …)
½ Liter Kokosmilch
1-2 Bund frisches Koriandergrün, wenn möglich mit Wurzeln
1 reife Ananas

Zum Würzen

Salz, Fischsoße (Nuöc Mam) und Sojasoße
wer mag, etwas geröstetes Sesamöl

Die zweite wäre ein einigermaßen gut bestückter Supermarkt beziehungsweise ein kleiner Asia-Laden.

Die dritte: Keine Angst vor Experimenten. Denn selbst bei mir schmeckt der Thai-Curry-Eintopf nie gleich. Ich mache ja schließlich, was ich will. Und wenn ich mal ein Bestandteil nicht habe, dann kommt vielleicht ein anderer daher, der in der Gewürzschublade schon lange auf seine Befreiung wartet.

Und noch ein paar Grundsätze: Selfmade-Currypaste ist aromatischer und gesünder, da Sie auf Zucker und Konservierungsmittel sowie Geschmacksverstärker verzichten. Sie haben es in der Hand, wie feurig sie wird (ich rate von den grünen Chilischoten ab, greifen Sie zu gelben oder roten). Nehmen Sie zudem keine Kokossahne, sondern nur Kokosmilch, die wird nicht so süß beim Reduzieren. Und egal, wie frei Sie sich jetzt schon fühlen mögen - ein paar Minimal-Zutaten müssen natürlich dringend ins Grundrezept.

Der schon zitierte Chili, Ingwer, Knoblauch, Zitronengras, Kaffirlimettenblätter und Koriandersamen. Bei mir kommen auch immer noch die Wurzeln des Korianders dazu (der Asia-Laden hat die, der Supermarkt in der Regel nur Koriander ohne die Wurzel) und Kurkumapulver, schon wegen der schönen Farbgebung. Viele Köche mörsern auch Schalotten mit in die Paste - ich schmore die lieber erst in der Pfanne mit der fertigen Paste an.

So, das war's auch schon. Fühlen Sie sich frei und fangen Sie an. Statt Respekt vor dem Exotischen brauchen Sie nur Fantasie. Wenn die Qualität der Zutaten gut ist, geht garantiert nichts schief!

Die Zubereitung ist für jedes Thai-Curry immer gleich, in diesem Fall für 4 Personen und dauert ungefähr eine Stunde:

7279ad28-b6f3-4f17-91d7-4f62279ea3e2.JPG

Kann noch alles mit rein - muss aber nicht.

(Foto: ms)

Zu Beginn die Samen (es kann auch noch Kardamom dazu, oder Zimt oder Kreuzkümmel) kurz anrösten.

Dann die anderen Bestandteile der Paste sehr klein hacken (den Ingwer natürlich geschält, vom Zitronengras nur das feine Innere nehmen, die äußeren Stängel sind zu hart! Von den Limettenblättern eines zum Mitkochen übrig lassen) und alles im Mörser so lange vermahlen, bis es eine Paste ergibt. Sie muss nicht ganz fein sein.

Diese nun in der Pfanne mit hoch erhitzbarem Öl und den Schalotten anrösten. Wenn es zu trocken wird, etwas Wasser und schon ein wenig Kokosmilch dazugeben, bis sich alles gut verbindet. Dann den Rest der Kokosmilch aufschütten und köcheln lassen, bei Bedarf mit Wasser oder Brühe verlängern und bevorzugt mit der Fischsoße abschmecken. Keine Angst, davon braucht man nicht gerade wenig und sie stinkt am Anfang furchtbar! Aber eben nur am Anfang.

e6f955a3-d6dd-4ddd-97f5-8962910996a7.JPG

Die Dame des Hause war urplötzlich wieder besänftigt - lag es an dem leckeren, wärmenden Mahl?

(Foto: ms)

Wer es ganz einfach mag, muss jetzt nur noch den Tofu zugeben, den Lachs beziehungsweise das Huhn oder die Garnelen - jeweils in einer extra Pfanne zuvor angebraten, mit Soja- und Fischsoße oder Salz und ein paar Spritzern Sesamöl abschmecken und mit frischem Koriander garnieren.

Oder es wird ein Festmahl, wie bei mir, und es kommt alles dazu, was nicht bei drei im Kühlschrank verschwunden ist. In diesem Fall der Mini-Mais, die Pilze, die Paprika, ein paar Sprossen, ein Rest Stangensellerie, Pak Choi und ganz am Ende die kleingeschnittene Ananas sowie die (quasi roh zu essenden) Kaiserschoten.

Der Trick auch hier: Extra anschmoren, was geht. Die Shiitake-Pilze im Besonderen. Vor allem, wenn Sie die Edel-Variante mit Lachs oder Garnelen zubereiten, sollten diese direkt am Ende aus der Pfanne in das Curry gleiten und gleich serviert werden. Huhn wiederum darf länger mitköcheln.

Sie können, wie Sie sehen, endlos variieren, auch die Menge der Kokosmilch, daher fällt es mir schwer, eine Zubereitungszeit verlässlich anzugeben. Ebenso wenig weiß ich, ob und wie man in Thailand "Guten Appetit" wünscht, aber ich bin sicher, Sie werden ab sofort keine Fertig-Paste mehr im Supermarkt einkaufen!

Quelle: ntv.de