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Mike Singer prescht nach vorne "Das hätte ich von Wendler nicht erwartet!"

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"Auf Corona-Leugner gehe ich nicht ein", sagte Mike Singer bestimmt.

(Foto: Robert Wunsch)

Corona-bedingte Paranoia, ein ungewollter Quarantäne-Urlaub und unerwartete Kollaborationen mit dem Wendler und Pop-Titan Dieter Bohlen: Hätte man Mike Singer vor elf Monaten gesagt, was in diesem Jahr alles auf ihn zukommt, hätte der Teenie-Star wohl nur ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Nach drei Nummer-eins-Alben und einem künstlerischen Werdegang auf der Überholspur meint es auch das Jahr 2020 gut mit dem Offenburger Sänger mit kasachischen Wurzeln. Zwar startete das Jahr mit einer bremsenden Corona-Infektion. Aber spätestens nach dem zweiten Platz bei "The Masked Singer" lag der Social-Media-Hero in puncto Glück und Erfolg wieder auf Kurs. Es folgten die Ankündigung eines neuen Albums ("Paranoid!?") und die Bekanntgabe, dass Mike in der neuen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) hinter dem Jurypult Platz nehmen wird. Kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Studiowerks spricht Mike Singer mit ntv.de über virtuelle Löcher, neue Helden und eine Welt im Ausnahmezustand.

ntv.de: Mike, dein neues Studioalbum trägt den Titel "Paranoid!?". Muss sich der Fan Sorgen machen? Welche Geschichte steckt hinter dem Titel?

Mike Singer: Es gibt einen gleichnamigen Song auf dem Album, den ich in einer Zeit geschrieben habe, als es mir nicht so gut ging. Die Wochen, als ich für "The Masked Singer" vor der Kamera stand, waren schon sehr schwierig für mich. Ich durfte ja nichts verraten und hatte auch einen Monat lang keinen Kontakt zu anderen Leuten. Danach kam dann auch noch die Corona-Quarantäne hinzu. Ich bin eigentlich ein Typ, der viel unterwegs ist und der sich permanent mit irgendwelchen Leuten trifft. Der Kontakt zu meiner Familie ist mir auch total wichtig. In dieser Zeit war aber irgendwie alles anders. Ich bin da in ein Loch gefallen und hatte viele traurige und paranoide Gedanken.

Es gibt so einige kritische Fragezeichen auf dem Album, die neben der gewohnt facettenreichen und zumeist positiven musikalischen Grundstimmung zum Nachdenken anregen. Die anonyme Social-Media-Scheinwelt steht dabei besonders im Fokus.

Ich bin ja in dieser Welt aufgewachsen. Die letzten beiden Jahre haben mir aber mehr und mehr die Augen geöffnet. Es gab eine Zeit, da drehte sich mein kompletter Tag ums Internet und um meine Posts. Ich hab mich da richtig reingesteigert. Alles andere schien irgendwie unwichtiger zu sein. Es ging nur noch darum, irgendwas zu posten, weil ich dachte, nur so halte ich meine Fans und Follower bei der Stange. Irgendwann habe ich aber begriffen, dass es um meine Musik geht und mich als Menschen. Das war ein Prozess. Diese Erfahrungen habe ich natürlich mit in die neuen Songs einfließen lassen.

Die virtuelle Welt geht nicht zimperlich mit Leuten um, die permanent präsent sind. Was geht in dir vor, wenn du mit Kommentaren von Hatern und Neidern konfrontiert wirst?

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In Maite Kelly sieht Mike Singer so etwas wie eine Mami.

(Foto: Robert Wunsch)

Ich steh da mittlerweile drüber. Natürlich freue ich mich mehr, wenn ich nette und schöne Kommentare über mich lese. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, gibt es aber auch viele Menschen, die mit den Dingen, die man tut, nichts anfangen können. Hater und Neider gibt es überall. So läuft das nun mal. Ich lass mich von solchen Dingen aber nicht runterziehen.

Die Veröffentlichung deines neuen Studioalbums ist nicht die einzige spannende Singer-News dieser Tage. Du stehst zurzeit auch mit Dieter Bohlen und Maite Kelly für die neue DSDS-Staffel hinter der Kamera. Wie läuft's bisher so?

Wir haben jetzt die Castings und die Recalls, die wir auf Mykonos gedreht haben, hinter uns. Es läuft wirklich super. Die Kandidaten sind toll und mit Dieter und Maite komme ich auch prima klar.

Wer kam denn in puncto Kontaktaufnahme auf wen zu?

Ich wurde ja vor zwei Jahren schon einmal angefragt. Aber da fühlte ich mich noch nicht reif für so eine große und wichtige Produktion. Als ich dann in diesem Jahr wieder mit meiner Band im Urlaub war, wurde ich von der DSDS-Redaktion erneut gefragt. Das hat mich total gefreut, denn ich hatte insgeheim immer gehofft, dass sie mich nicht vergessen haben.

Du arbeitest zum ersten Mal mit Dieter und Maite zusammen. Wie würdest du die beiden beschreiben?

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Dieter ist eine Legende. Er ist total nett und ich kann ganz locker mit ihm reden. Ich lerne natürlich auch jeden Tag von ihm. Was ich besonders an Dieter schätze, ist die Tatsache, dass er auch immer ein Ohr für meine Meinung hat. Das ist mir generell sehr wichtig, dass ich diesbezüglich mehr wahrgenommen werde. Die Leute kennen ja bisher nur meine Stimme. Jetzt sollen sie auch einen Mike Singer kennenlernen, der was zu sagen hat und eine eigene Meinung vertritt. Maite ist auch ein ganz besonderer Mensch. Sie ist so ein bisschen wie eine Mami für mich, wenn man das so sagen kann. (lacht) Sie passt immer auf mich auf. Ich hab auch schon einen Song mit ihr geschrieben.

Haltung und Meinung sind gute Stichwörter: Ihr solltet ja eigentlich zu viert hinter dem Jurypult sitzen. Michael Wendler hat sich aber mit skurrilen Corona-Äußerungen ins Abseits gekegelt. Wie hast du vom Wendler-Aus erfahren? Wie stehst du zu seinen Aussagen?

Ich muss erstmal sagen, dass er sich mir gegenüber immer korrekt und respektvoll verhalten hat. Wir sind in der kurzen Zeit, in der ich ihn kennengelernt habe, keine dicken Freunde geworden. Wie gesagt, wir sind uns immer mit Respekt begegnet. Als ich dann aber das Video von ihm gesehen habe, habe ich schon gedacht: Wow! Das hätte ich jetzt nicht von ihm erwartet. Ich meine, ich teile seine Ansichten nicht. Das ist überhaupt nicht meine Welt.

Neben Michael Wendler haben in der Vergangenheit auch andere Promis wie Nena und Xavier Naidoo ihre umstrittenen Corona-Ansichten kundgetan. Du steckst ja mittendrin im Business. Wie reagierst du, wenn du auf Kollegen triffst, die in dieselbe Kerbe schlagen?

Na ja, es gibt schon so einige Leute da draußen, die mich von ihren Ansichten überzeugen wollen. Aber ich gebe nichts auf Leute, die mir erklären wollen, wie die Welt funktioniert. Ich lass mir da nichts erzählen. Sobald mir einer mit solchen Ansichten kommt, schalte ich auf Durchzug. Dann bin ich ganz schnell weg. Auf Corona-Leugner gehe ich nicht ein.

Du bist als Künstler und Sänger besonders betroffen von den Pandemie-Begleiterscheinungen. Was geht dir durch den Kopf, wenn du an die letzten neun Monate denkst?

Für mich war und ist das schon eine sehr, sehr schwere Zeit. Ich bin einfach ein Mensch, der den Kontakt sucht. Ich bin gerne unterwegs und gerne unter Leuten. Das ist meine Welt. Momentan stehen halt unheimlich viele Sachen still, die mir normalerweise extrem wichtig sind. Wir hätten dieses Jahr unheimlich viele Konzerte gespielt. Wir waren für unzählige Festivals gebucht. Die sind alle ausgefallen. So eine Zeit reißt natürlich große Löcher.

Machen dir diese Löcher Angst?

Auf jeden Fall! Ich bin ein Typ, der immer irgendwie Angst hat, Dinge zu verlieren. Meine Familie, die Gesundheit, meine finanzielle Situation: Ich habe immer Angst, dass irgendwo irgendwas passiert. Das steckt so in mir drin.

Mit den abgesagten Konzerten geht dir auch viel Geld durch die Lappen. Wie lange kannst du so eine Phase finanziell auffangen?

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Das ist schwer zu sagen. Glücklicherweise habe ich in diesem Jahr einige TV-Sachen machen können. So habe ich erstmal keine allzu großen Kopfschmerzen. Aber auf Dauer ist das natürlich kein Zustand.

Die Politik ist bemüht, allen Betroffenen unter die Arme zu greifen. Die Unterhaltungsbranche fühlt sich aber in vielen Bereichen im Stich gelassen. Kannst du die Kollegen verstehen, die dieser Tage auf die Straße gehen und mehr Hilfe einfordern?

Die kann ich sogar sehr gut verstehen. Ich finde es unheimlich schade, dass für den Veranstaltungsbereich noch keine langfristigen Lösungen gefunden wurden. Da ist seit Beginn der Pandemie noch nichts passiert. Und das bereitet vielen Leuten natürlich große Sorgen. All die Booker, Techniker und Bühnenleute stehen gerade vor dem Nichts. Da muss sich wirklich schnell etwas ändern. Aber ich habe gehört, dass da jetzt auch Dinge angeschoben werden. Das macht mir ein bisschen Hoffnung. Und Hoffnung ist der erste Schritt in eine bessere Zukunft.

Mit Mike Singer sprach Kai Butterweck

Quelle: ntv.de