Unterhaltung

Team Harry und Meghan Die Emanzipation einer öffentlichen Liebe

2021-03-08T012330Z_638498754_RC2P6M9W5Q1J_RTRMADP_3_BRITAIN-ROYALS-MEGHAN (1).JPG

Ein starkes Team: Harry und Meghan

(Foto: VIA REUTERS)

Was einst wie ein Märchen beginnt, entwickelt sich für alle Beteiligten bald zum Albtraum. Das mit Spannung erwartete Interview mit Harry und Meghan bohrt den Finger nun tief in die royalen Wunden. Aber es zeigt auch ein erstarktes Liebespaar.

Es war einmal ein royales Paar, auf dem viele Hoffnungen lagen. Auch wenn Prinz Harry, der Herzog von Sussex, als Sechster der Thronfolge niemals das königliche Zepter in der Hand halten wird, ist seine Liebe zu der bürgerlichen Meghan Markle von großer Bedeutung. Denn schöne Liebesgeschichten sind nun mal gut fürs Image und den Umsatz des Königshauses, intern auch "die Firma" genannt. So lassen sich Tassen, Aschenbecher, T-Shirts und das gute Gefühl von heiler Welt an dessen Anhänger verkaufen. Von Skandalen profitieren dagegen immer die anderen, allen voran die Klatschblätter. Und so hat es schon fast etwas Ironisches, dass das inzwischen abtrünnige Sussex-Paar Harry und Meghan nicht nur mit der Firma, sondern zeitgleich auch mit der britischen Boulevardpresse im Clinch liegt.

Von dem mit Spannung (Fans und Presse), sowie mit Angst (Queen und Co.) erwarteten, zweistündigen Interview mit US-Talk-Queen Oprah Winfrey profitierte dann aber erstmal der Sender CBS, und eben das befragte Ehepaar. Dass die Wahl auf Winfrey fiel, ist zum einen sicherlich ihrer Prominenz und Erfahrung geschuldet, zum anderen aber auch ihrer engen Freundschaft zu Meghan. Vielleicht war es nur so möglich, dass die 39-Jährige derartig aus dem royalen Nähkästchen plauderte, als hätte sie die durchaus prominent aufgestellten Kameras einfach vergessen. Aber natürlich wurde bei diesem Gespräch nichts dem Zufall überlassen, das dürfte Medienprofi Harry aus seiner Zeit im Königshaus sicherlich mitgenommen haben.

Von der perfekten Frau zur Persona non grata

Es gab einen kurzen Moment vor Prinz Harrys Hochzeit mit Meghan Markle, in der die Schauspielerin noch Everybody's Darling war. Die US-Amerikanerin mit afrikanischen Wurzeln werde die perfekte Ehefrau für den Prinzen abgeben und frischen Wind in die alteingesessene Königsfamilie bringen, so glaubte man. Doch schon bald wendete sich das Klatschblatt gegen die damals 37-Jährige, für die dies bereits die zweite Eheschließung war. Meghan fiel in Ungnade, und das auch bei der Familie ihres Liebsten. Dann doch zu eigenwillig, zu anders, zu querdenkend, zu aufmüpfig. Meghan passte sich - ganz anders als Schwägerin Kate - nicht genug an. Sie hatte trotz sicherlich mehrerer eindringlicher Gespräche für die Etikette bei Hofe wenig übrig und auch nicht den Plan, daran irgendetwas zu ändern.

Dass ihre Klamotten und ihr Verhalten allerdings nicht die einzigen Probleme waren, an denen das Verhältnis zwischen ihr, der Queen und dem Rest der royalen Rasselbande krankte, wurde klar, als das Paar überraschend seinen Rückzug aus dem Königshaus und den Umzug nach Kalifornien bekannt gab. Doch Meghan unterschied schon zu Beginn des Gesprächs mit Winfrey klar zwischen dem familiären und dem institutionellen Teil des Königshauses: "Das sind zwei sehr verschiedene Dinge, und die Queen, das möchte ich in aller Deutlichkeit sagen, war immer wunderbar zu mir!"

Die "Megxit"-Schuldzuweisung

Dennoch, eine derartig vehemente Absage in Richtung der Königin hatte es so noch nicht gegeben, und die Schuldige war schnell ausgemacht: Meghan. Der "Megxit" ward geboren, der Stempel der durchtriebenen Prinz-Diebin auf Meghans Stirn gedrückt und Harry im Umkehrschluss zum meinungslosen Lappen degradiert. Die Frau als ewige Verführerin, der Mann als ihr wehrloses Opfer, ein nur zu bekanntes Bild. Doch damit hat das Interview mit Oprah Winfrey nun aufgeräumt. Denn Prinz Harry kann tatsächlich selbst sprechen und hat sogar eine eigene Meinung.

Vieles wurde in diesem Gespräch thematisiert. So auch das Geschlecht des kommenden zweiten Babys, das ein Mädchen wird, und das vor der offiziellen Hochzeit gegebene und sehr privat gehaltene Jawort des Paares. Ein bisschen Geplänkel hier, ein bisschen Smalltalk zum Warmwerden da, ehe es ans Eingemachte ging.

Lange hielt sich beispielsweise das Gerücht, Meghan habe ihre Schwägerin Kate einst zum Weinen gebracht, was ihr den von da an immer weiter anschwellenden Hass der Gefolgschaft einbrachte. Nur stimme diese Geschichte gar nicht, wie Meghan nun klarstellte. Es sei vielmehr umgekehrt gewesen: "Ein paar Tage vor der Hochzeit war sie (Kate) wegen eines Blumenmädchens aufgebracht und es verletzte meine Gefühle. Es brachte mich zum Weinen." Die nach außen gelangte falsche Darstellung der Situation nannte sie "eine Hinrichtung meines Charakters", derer noch viele weitere rund um angeblich gemobbte und mit wehenden Fahnen aus dem Königshaus geflüchteten Angestellten folgten.

Noch schockierender waren dann aber wohl die Rassismusvorwürfe, die Meghan der Königsfamilie macht. "Als ich schwanger war, gab es Gerede darüber, wie dunkel die Haut unseres Babys wohl sein würde ...", sagte sie. Während bei der Netflix-Serie "Bridgerton", die Ende des 18. Jahrhunderts in britischen Adelskreisen spielt, bei der Besetzung kein Unterschied mehr zwischen Schwarz und Weiß gemacht wird, sieht die Realität im 21. Jahrhundert nachweislich anders aus. "In den letzten Monaten meiner Schwangerschaft sagte man mir, dass unser Kind kein Prinz oder keine Prinzessin wird. Und das bedeutete, unser Kind wird keine Security bekommen." Ein Schock für das Paar, der bis heute nachhallt.

Auszug - die letzte Rettung

In der Summe lösten negative Erlebnisse und Erfahrungen wie diese mehr als nur Unwohlsein bei Meghan aus. "Ich habe keine Lösung gesehen. Ich war nächtelang wach und habe geweint. Ich weiß, wie viel Verlust Harry erlebt hat. Ich musste es ihm aber sagen. Ihm sagen: Ich wollte nicht mehr am Leben sein. Es war ein klarer, realer und beängstigender Gedanke." Und sie sagte es ihm. Und nicht nur ihm, sondern auch dem Rest der Familie. "Ich ging zur Institution und sagte, dass ich Hilfe brauche. Und man sagte mir, dass ich es nicht machen könnte, weil es der Firma schaden würde."

Es ist dann aber Harry, der darüber spricht, dass dies der Punkt war, an dem der Rückzug unvermeidbar war. Sie seien verzweifelt gewesen. "Wir beide fragten zusammen und getrennt nach Hilfe und bekamen sie nicht (...). Es war eine Wiederholung der Geschichte. Und damit meine ich meine Mutter. Man sagte uns nur immer wieder: So ist das eben." Und wie die Geschichte um seine Mutter Diana ausging, ist bekannt. Etwas, das er für sich und vor allem für seine Frau verhindern wollte.

Queen topp, Charles Flop

Für die Queen hat deren Enkel dennoch ebenfalls nur warme Worte übrig: "Ich habe meine Oma niemals hinters Licht geführt. Ich habe zu viel Respekt vor ihr." Heute stehe man in regelmäßigem Kontakt per Zoom. Deutlich schwieriger ist da das Verhältnis zum Vater, Prinz Charles: "Ich fühle mich fallen gelassen, denn er weiß doch, wie sich Schmerz anfühlt und hat etwas Ähnliches durchgemacht. Und Archie ist sein Enkel. Ich werde ihn immer lieben, aber es gibt sehr viel Schmerz. Eine meiner Prioritäten ist, diese Beziehung zu heilen."

Harry sieht Meghan nicht als Verursacherin seiner Ablösung von der Familie, sondern als seine Retterin aus einer Lage, die ihm unbewusst offenbar schon lange Schwierigkeiten bereitet hatte: "Ich saß in der Falle des Systems. Ich merkte das selbst nicht, bis ich Meghan kennenlernte. Mein Vater und mein Bruder sind noch gefangen. Sie können nicht gehen."

Das Königshaus hat sich vor diesem Interview nicht dazu geäußert und auch die jetzt getätigten Aussagen bislang unkommentiert gelassen. Womöglich wird lieber der Mantel des Schweigens darüber ausgebreitet - in der Hoffnung, dass bald kein Hahn mehr danach kräht. Doch sind die Offenbarungen des Paares zu emotional und die Einblicke in die britische Monarchie zu düster, als dass sie nicht langfristig das Ansehen des Königshauses beschmutzen könnten. Ob die Ehrlichkeit der beiden das Herz der Familie nun erweichen wird oder es eher in Stein verwandelt, wird die Zukunft zeigen. Klar ist, dass Harry und Meghan gelöst wirken und sich zugunsten ihrer Liebe emanzipiert haben. Etwas, das man jedem nicht-royalen Paar wohl zugesteht und das auch diesem gegönnt werden sollte.

Das komplette Interview gibt es heute um 15 Uhr bei RTL sowie um 22.15 Uhr bei Vox zu sehen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.