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Wer Macht hat, wird gehört Taylor Swift ist die Strippenzieherin des Pop

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Taylor Swift ist auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. Wenn sie jetzt spricht, hört die Welt ihr zu.

(Foto: Instagram/taylorswift)

Taylor Swift ist auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. Wenn die Sängerin spricht, hört die Welt ihr zu. So zwingt sie Apple zum Umdenken - und vielleicht noch manch anderen.

"Damals habe ich mir geschworen, ihn zu heiraten. Aber dann ist mir klar geworden, dass ich größere Träume habe." Taylor Swift wusste nicht erst mit 15 Jahren, wohin sie wollte, auch wenn sie das in ihrem Song "Fifteen" so singt. Heute ist die 25-Jährige der größte Popstar des Planeten. Sie hat Einfluss und der reicht so weit, dass sogar Apple springt, wenn Swift danach verlangt.

Der Erfolg der Sängerin kommt nicht von ungefähr. Bereits als Kind schreibt Swift Geschichten und Gedichte. In der vierten Klasse gewinnt sie sogar einen landesweiten Lyrik-Wettbewerb. Sie spielt Musiktheater, singt die Nationalhymne bei Veranstaltungen.

Swift ist elf, als sie ihre Eltern bekniet, in der Musikstadt Nashville Demo-CDs mit Cover-Songs bei Plattenfirmen abgeben zu dürfen. Mit 14 verlässt sie mit ihrer Familie die Weihnachtsbaumfarm, auf der sie aufgewachsen ist, um dort hinzuziehen. Sie hat einen Plattenvertrag und sie darf selber Songs schreiben. Vier Alben machen Swift zum Country-Megastar. Ihre letzte Tour zum Album "Red" spielte 150 Millionen US-Dollar ein - ein Rekord für das jedenfalls hierzulande weniger populäre Genre.

Alles läuft gut, aber Taylor Swift will mehr. Sie will sich musikalisch verändern. "1989" erscheint im Herbst 2014. Es ist ein reines Popalbum - und sie muss sich rechtfertigen, nicht vor ihren Fans, sondern vor ihrem Team. Das Mädchen, das schon mal mit Banjo auf die Bühne ging, setzt plötzlich auf Synthesizer-Sound. Auf dem Albumcover prangt zwar ein Foto von Swift, doch ihr Gesicht ist nur zu erahnen. Swift setzt sich durch und die Platte macht sie zum Weltstar.

Ein Gefühl für den Wert von Musik

Fast 1,3 Millionen Mal wird "1989" in der ersten Woche nach Veröffentlichung gekauft - so oft wie kein Album seit Eminem 2002. Als bislang einzigem Künstler ist es Swift damit gelungen, dreimal in dem Zeitraum die Eine-Million-Marke zu knacken. Sie ziert die Titelblätter aller relevanten und irrelevanten Magazine. Sie hat jetzt eine Stimme.

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Mit Humor wollte Spotify Taylor Swift zurückgewinnen.

(Foto: Screenshot/Spotify)

Ihre neue Macht bekommt Swift noch im gleichen Jahr zu spüren. Sie kündigt ihren Vertrag mit dem Streaming-Dienst Spotify. Nur etwa ein Fünftel der Nutzer zahlen für ein werbefreies Angebot. Swift gefällt es nicht, dass ihre Musik dort umsonst zu hören ist. "Ich finde, die Leute sollen ein Gefühl dafür vermittelt bekommen, dass das, was Musiker erschaffen, einen Wert hat", erklärt sie dem Magazine "Time". Für Spotify bedeutet das ärgerliche Schlagzeilen. Man bastelt eine Playlist, um Swift zurückzugewinnen: "Come back, Taylor!"

Aber Taylor kommt nicht wieder. Stattdessen rügt sie jetzt den Technikgiganten Apple für das hauseigene Streaming-Angebot. Auch während der drei kostenlosen Probemonate sollen Musiker nicht leer ausgehen findet sie. Und tatsächlich: Das Unternehmen lenkt ein.

Falsche Männer, falsche Brüste?

Dieselben Stimmen, die sonst darauf bestehen, dass Swift ihre Songs gar nicht selber schreibt, sind es, die ihr unterstellen, mit solchen Aktionen nur die eigenen Verkäufe im Blick zu haben. Es sind die Stimmen von Neidern. Sie hört sie nicht mehr, sagt Swift. Seitdem sie im Rampenlicht steht, muss sie viel einstecken. Ihr wurde der Stempel der ewig Verlassenen aufgedrückt, weil sie es wagte, sich zu verlieben und mit jugendlicher Hoffnung zu scheitern. Für ihre Brüste soll sich ein Schönheitschirurg verantwortlich zeichnen, zu dünn sein soll sie außerdem.

Swift nimmt es in Kauf, als Celebrity verletzlich zu bleiben, wenn sie sich dafür als Songschreiberin die Intuition wahrt. Weil ihre Texte meist autobiografisch sind, muss es im echten Leben eben auch mal wehtun. Swift sitzt nicht in einem gläsernen Turm und bürstet die güldene Mähne. Sie ruft Fans an, die im Sterben liegen, schickt treuen Twitter-Followern Weihnachtspakete und promotet die Musik von unbekannten Künstlern, einfach weil sie ihr gefallen. Wer in sozialen Netzwerken über Taylor Swift schreibt, dem kann es passieren, dass Taylor Swift antwortet.

So hat sie sich über Jahre hinweg eine Fangemeinde aufgebaut, deren Loyalität - wie sie sagt - "extrem, bedingungslos und wundervoll" ist und die sie weder "von einem besten Freund, einem Partner, einem Ehemann oder einem Hund" erwartet hätte. Als "1989" vor der Veröffentlichung leakt, bekommt es kaum einer mit, weil die sogenannten "Swifties" schweigen.

Mit Frauenmannschaft gegen Neider

Doch nicht nur eine Armee treuer Fans steht hinter Taylor Swift. Auch sämtliche A-Promis würden für sie kämpfen. Das jedenfalls suggeriert ihr neustes Musikvideo zum Song "Bad Blood", in dem berühmte Damen aller Branchen in Kampfmontur auflaufen. Es ist der vielleicht unspektakulärste Song von "1989", doch Taylor Swift holt Kendrick Lamar für einen Remix an Bord, dreht ein Kurzfilm-Video mit Lena Dunham, Cindy Crawford, Jessica Alba, Cara Delevingne, Ellie Goulding, Karlie Kloss & Co. und macht daraus einen Nummer-Eins-Song.

Machtgebaren? Aber sicher doch! Denn nur, weil Taylor Swift vorherrschenden Zynismus mit Romantik bekämpft und in ihrer Freizeit am liebsten Kuchen backt, ist sie doch auch knallharte Geschäftsfrau. Sie hat sich in den USA Wortfetzen schützen lassen und verdient jetzt immer dann mit, wenn jemand zum Beispiel ein T-Shirt mit der Aufschrift "This sick beat" verkaufen will. Sie besitzt Domains, hinter denen man Vergnügen "Ü18" erwarten sollte, einfach damit kein anderer sich zum Beispiel "TaylorSwift.porn" unter den Nagel reißen kann.

Derzeit ist Taylor Swift auf Tour - seit Anfang Mai und noch bis Mitte Dezember. Wenn sie an die Zukunft denkt, denkt sie an die Enkelkinder, die sie vielleicht einmal haben will. Die sollen lieber sagen "Wie komisch du getanzt hast" als "Ist das dein Nippel". Kurzfristiger gedacht hofft Swift, dass Frauen sich bald nicht mehr für jeden Erfolg rechtfertigen müssen. Ach und: Sie weiß übrigens, dass ihre Stimme im Song "Stay" teilweise ganz schön quietschig klingt. Die Idee dazu kam ihr im Traum. Das ist Absicht.

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Quelle: n-tv.de

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