Unterhaltung

Der Kölner "Tatort" im Schnellcheck "Wacht am Rhein" mit Ballauf und Schenk

imago72611082h.jpg

Max und Freddy haben es mit Kölner Wutbürgern zu tun.

(Foto: imago/sepp spiegl)

Aufgebrachte Bürger, orientierungslose Nordafrikaner, ein missglückter Überfall und Einzelschicksale im Dutzend - es ist einiges los im Revier von Max und Freddy. Das ist nicht immer übersichtlich, aber aufreibend bis zum Schluss.

Das Szenario

Die Bewohner des Kölner "Veedels" haben, gelinde gesagt, die Schnauze voll. Glaubt man den Wutbürgern, dann ist in ihrem Wohnblock das ganze Jahr eine Stimmung wie auf der Domplatte an Silvester, nur ohne Bullen und Böller: Überall "Nafris", teutonischer Kontrollverlust, Überfremdung und Kriminalität. Mitten in diese Gemengelage wird erneut der Zooladen der Familie Deisböck überfallen, bei dem der Sohn ums Leben kommt. Der Verdacht fällt auf den gebürtigen Nordafrikaner Khalid Hamidi, die Ermittlungen für Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) erweisen sich jedoch als äußerst knifflig. Nicht zuletzt, weil die Bürgerwehr "Wacht am Rhein" und ihr dubioser Vordenker Dieter Gottschalk (Sylvester Groth) sich anschicken, das Kommando im Veedel zu übernehmen.

Die eigentliche Botschaft

Das lässt sich knapp zusammenfassen: Bürgerwehren sind eine Scheiß-Idee.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Es wird wieder gefoltert. Nachdem es zuletzt den Berliner Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) auf einer abgelegenen Großbaustelle erwischte, ist diesmal ein Folterkeller unterm Gemüseladen von Adil Faras (Asad Schwarz) der Schauplatz des blutigen Geschehens. Bei allem Plotpourri drumherum ist dies hier der eigentliche Kern der Geschichte: Wie weit würde der Kartoffelhändler von nebenan gehen, um einem vermeintlichen Täter ein Geständnis zu entlocken? Wie viel Folterknecht steckt in Adil Normalverbraucher? Und was passiert, wenn die Integration auch auf der dunklen Seite plötzlich funktioniert und dem mittlerweile gelernten Archetypus "deutscher Wutbürger" auch noch die heimisch gewordenen Migranten der ersten und zweiten Generation zur Seite eilen, um die Verteidigung der Pfründe gemeinsam in die Hand zu nehmen?

Der Plausibilitätsfaktor

Mit der andauernden Diskussion um die Kölner Silvesterabende von 2015 und 2016 könnte die Lage kaum aktueller sein. Dabei versucht sich "Wacht am Rhein" daran, die Vogelperspektive gegen einen personalisierten Blick ins Innere zu tauschen. Was treibt die Menschen in der Stadt wirklich um, was könnten die Geschichten hinter den Namen und Gesichtern sein, was braucht es, um den Schritt vom mürrischen Sofa-Kommentator zum bürgerwehrbewegten Aufrührer zu gehen - und vor allem: Wie schnell laufen die Dinge in diesem Sud aus falschen Behauptungen, Manipulation und Selbstjustiz aus dem Ruder …

Die Bewertung

7 von 10 Punkten. Wie so oft ist das Personal, das hier die Story schultern soll, etwas zu vielköpfig angelegt, die Hälfte an Plots hätte es auch getan. Dennoch ein in weiten Teilen fordernder Fall mit klarer Stellungnahme.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema