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Indie-Band als Anschlagsziel Wer sind die Eagles of Death Metal?

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Jesse Hughes, Frontmann der Eagles of Death Metal, bei einem Festival am 11. September 2015 in Chicago.

(Foto: AP)

Bei den Anschlägen in Paris sollen allein etwa 100 Menschen bei einem Konzert der Rockgruppe Eagles of Death Metal im renommierten Konzertsaal Bataclan ums Leben gekommen sein. Das Signal ist klar: Jeden kann es treffen.

Kein Konzert von Madonna, von AC/DC oder anderen Superstars der Rock- und Pop-Szene. Nein, die Attentäter von Paris suchten sich für ihre Gräueltaten einen Auftritt der US-amerikanischen Indie-Rocker Eagles of Death Metal aus. Ein Zufall? Wer verbirgt sich hinter der Gruppe, die nun für immer mit den schrecklichen Ereignissen in der französischen Hauptstadt verbunden sein wird?

Die Eagles of Death Metal sind kein Mainstream. Dem durchschnittlichen Charts-Hörer werden sie kaum etwas sagen. Musik-Enthusiasten mit einem Faible für das Independent-Genre sind sie indes durchaus ein Begriff. Die Band mit dem ironischen Namen - denn mit Death Metal hat ihr Sound reichlich wenig zu tun - entstammt dem Umfeld der Gruppen Kyuss und Queens of the Stone Age, die sich mit sogenanntem Stoner Rock eine beachtliche Fangemeinde erspielt haben. Josh Homme - heute Frontmann der Queens of the Stone Age mit einem gewissen Kultstatus - zählte zu ihren Gründungsmitgliedern.

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Das Cover von "Zipper Down", jüngstes Album der Eagles of Death Metal.

(Foto: Universal Music)

Die Band ist im kalifornischen Palm Desert beheimatet. Stilistisch hat sie ihre Wurzeln in der psychedelischen Rockmusik der 1970er-Jahre - gepaart mit Einflüssen aus der Grunge-Ära und einer vom Blues getränkten Prise Wüstenstaub. Dabei gehen Eagles of Death Metal - anders als ihre Genre-Verwandten Kyuss und Queens of the Stone Age - mit mehr Humor ans Werk. Dafür spricht nicht nur der Bandname. Die bisherigen Alben der Band trugen Namen wie "Peace, Love, Death Metal", "Death By Sexy" oder "Zipper Down". Letztgenanntes Album erschien erst vor wenigen Wochen und zeigte auf dem Cover eine barbusige Frau in einer Lederjacke mit offenem Reißverschluss - auf ihren Brüsten die Konterfeis von Josh Homme und Sänger Jesse Hughes.

"Obama ist ein Kommunist"

Hughes hat in diversen Interviews offen über seinen Drogenkonsum berichtet. Gleichwohl gerierte er sich - vermutlich im Unterschied zu vielen seiner Anhänger - oftmals als streng konservativer Anhänger der Republikaner. Dem "Sharpe Magazine" sagte er 2011: "Ich liebe Reagan. Kommunismus kotzt mich an. In Amerika gibt es nichts umsonst, außer Chancen. So mag ich das." Mit Blick auf US-Präsident Barack Obama erklärte er: "Er ist ein Kommunist. Ein absoluter Kommunist. Tatsächlich ist er einfach nur ein Verbrecher." Und Hughes sagte: "Ich glaube, wenn Rock'n'Roller an den Punkt gelangen würden, an dem sie aufhören würden, Christen und Republikaner für alles Schlechte verantwortlich zu machen, hätten wir eine bessere Welt."

Der Katholik Hughes ließ sich 2012 zu einem Geistlichen der "Universellen Lebenskirche" ernennen - nach eigenen Angaben eine "unabhängige und konfessionsfreie Online-Kirche". Er ist Mitglied der Waffenliga NRA. Der Internetseite "Grantland" verriet er vor wenigen Wochen, dass er die Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump unterstütze. Zugleich begründete er, weshalb George W. Bush sein Held sei - "weil ein Typ, der abgeht und ZZ Top mag, ein Hurensohn nach meinem Geschmack ist." Auch sein Kumpel Josh Homme offenbarte in der Vergangenheit eine konservative Geisteshaltung. "Jesse Hughes und ich haben eine Theorie. Wir sind sozial liberal, aber mit Blick auf die Regierung konservative Typen", erklärte er 2007.

Stellungnahme bei Facebook

Ob sich die Attentäter von Paris mit all dem befasst haben, ist pure Spekulation. Von den Konzertbesuchern, die einfach auf die Musik der Band abfahren, wussten vermutlich die wenigsten über die politischen Ansichten des Bandleaders Bescheid. Das Signal, das von dem Anschlag im Konzertsaal "Bataclan" auf das Publikum der Eagles of Death Metal ausgeht, ist vielmehr ein anderes: Jeden kann es treffen.

Die Gruppe nahm noch am Freitagabend auf ihrer Facebook-Seite zu den Ereignissen kurz Stellung: "Wir sind immer noch dabei, uns um die Sicherheit und das Verbleiben unserer gesamten Band und Crew zu kümmern. Unsere Gedanken sind bei all den Menschen, die in diese tragische Situation verwickelt sind."

Quelle: n-tv.de

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