Essen und Trinken

Farbenfrohe Gartenriesen Eine runde Sache sorgt für Herbstzauber

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Wenig Kerne, viel Fleisch, wie ein aufgeschnittener Kürbis der Sorte "Muscat de Provence" zeigt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn es draußen kälter wird und bunt an Bäumen und Sträuchern, freuen wir uns drinnen über Farbenfrohes auf den Tellern. Was der Spargel im Frühjahr, ist der Kürbis im Herbst: ein absoluter Kassenschlager. Und ein echter Alleskönner!

Er gehört zum Herbst wie Stoppelfelder und der Zug der Vögel nach Süden: der Kürbis. Wenn es in den Dörfern Kürbisfeste gibt, wird es für mich und Katze Hanni wieder Zeit, aus dem luftigen Garten-Domizil in die warme Berliner Wohnung zu ziehen. Und in diesem wahrlich goldenen Herbst fiel der Abschied diesmal besonders schwer. Da wird es einem schon ein bisschen wehmütig ums Herz, aber zum Glück ist keine Zeit dafür, denn die ganzen Taschen und Beutel müssen ausgepackt und ihr Inhalt verstaut werden, die trockene Fernheizungsluft nervt und Hanni langweilt sich und braucht "Bespaßung". Ob ich deshalb nicht unbedingt ein Kürbisfan bin, weil mit dem Kürbis das Ende meiner Gartenfreiheit kommt? Abschied hat oft etwas Melancholisches, ist ein "kleines Sterben", wie Edmond Haraucourt (1854-1941) einst dichtete. Man kann einen Abschied aber auch optimistisch sehen, denn er kann der Beginn eines Neuanfangs sein. Nun ja, nicht immer... Eigentlich nimmt man doch jeden Tag von irgendetwas "Abschied", und sei es nur die vergessene und inzwischen angegammelte Gurke im Gemüsefach des Kühlschranks. Ich halte es also lieber mit Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) und seiner Erkenntnis: "Das ganze Leben ist ein ewiges Wiederanfangen". In der Gewissheit, dass es auch im nächsten Jahr wieder einen Frühling und damit den Beginn eines Gartensommers geben wird, verarbeite ich siegessicher meinen Trennungsschmerz in der Küche und hacke auf einen Kürbis ein. Irgendwo muss ich ja schließlich Dampf ablassen!

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Das Motto der weltgrößten Kürbisausstellung im Blühenden Barock, den Gärten um das Residenzschloss in Ludwigsburg, ist in diesem Jahr "Kürbis Zirkus".

(Foto: picture alliance / dpa)

Von den farbenfrohen Gewächsen, die die Botaniker zu den Beeren zählen, von denen unsereins aber nicht so richtig weiß, ob sie nun Gemüse oder Früchte sind, gibt es weltweit zwischen 800 und 1000 Sorten. Sie werden in Speisekürbisse, Zierkürbisse und Ölkürbisse unterteilt, und das zeigt schon die Verwendungsart an. Etwa 100 davon werden in Deutschland gehandelt. In den vergangenen Jahren ist die Anbaufläche stark angestiegen und liegt derzeit bei 3485 Hektar (2015). Darauf wachsen Speisekürbisse wie Hokkaido, Butternuss und Riesenkürbis, denn der Anbau von Zierkürbissen ist mehr eine Hobbysache. Für den Ölkürbis und das daraus gewonnene Kürbiskernöl ist eher Österreich berühmt. Zucchini sind übrigens auch "nur" Kürbisse.

Kürbisse wachsen aber nicht nur auf großen Feldern, sondern auch in kleinen Gärten, in denen wiederum die größten Exemplare reifen. In vielen Bundesländern werden Meisterschaften im Kürbiswiegen ausgetragen, und wer da an die Spitze will, muss schon 400 kg plus x auf die Waage bringen - ohne den Züchter! Da geht es auch nicht mehr um den Essgenuss, sondern nur ums Schwergewicht. Essbar sind die orangeroten Riesen zwar immer noch, aber bei dieser Größe hat sich jedwedes Aroma längst davongemacht. Nur noch Super-Schreckgespenster für Halloween können daraus geschnitzt werden.

Kalorienarm und gesund

Doch der Kürbis kann mehr als nur leuchten. Mit einem Wassergehalt von über 90 Prozent gehört der Kürbis zu den energiearmen Nahrungsmitteln und macht mit seinen 25 Kalorien pro 100 Gramm allen Diätwilligen und Figurbewussten das Leben leichter. Genießer gleichen das Energiemanko durch die Zugabe von Sahne, Butter und diversen Fleischbeilagen locker aus. Speisekürbisse enthalten Beta-Carotin, Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen sowie Ballaststoffe. Die beliebtesten Sorten hierzulande sind Hokkaido, Butternuss (Butternut) und Muskat. Der Hokkaido- und der Muskatkürbis haben festes und aromatisches Fruchtfleisch, das beim Hokkaido nussig schmeckt und an Maronen erinnert, beim Muskat reicht das Geschmacksspektrum von süßlich bis leicht herb, aber immer mit einer feinen Muskatnote. Hokkaido ist auch deshalb sehr gefragt, weil man seine Schale mitessen kann. Der Muskat enthält relativ wenig Kerne, dafür umso mehr Fruchtfleisch. Der Butternusskürbis hat weiches Fruchtfleisch, erinnert etwas an Avocado und schmeckt mild mit leicht buttriger Note.

Mit Kürbissen kann man allerhand anstellen, Hauptsache die Würzung stimmt. Sie schmecken als cremige Suppe und in deftigen Eintöpfen, als delikate Beilage oder gar als Hauptgericht, in süßen Kuchen und köstlichen Desserts, in herzhaften Broten oder pikanten Chutneys. Kürbisse lassen sich backen, braten, dünsten, kochen oder einlegen. Gewürze nimmt Kürbisfleisch sehr gut an, so lassen sich unterschiedliche Geschmacksrichtungen mit Ingwer, Curry, Chili oder Knoblauch zaubern. Auch Zucker verleiht Kürbissen neue Würze, und ein guter Schuss Sahne verhilft mitunter zur Krönung. Wer wie ich Kartoffelpüree liebt, sollte einmal einen Mix aus Kartoffeln und Kürbis probieren. Das ist besonders lecker zu Wildragouts oder Braten mit kurzer Sauce.  

Kürbispüree

Zutaten (4 Pers):

500-800 g Hokkaido- oder Muskatkürbis
500 g mehligkochende Kartoffeln
150 ml Milch
200 g Schlagsahne
Salz, weißer Pfeffer aus der Mühle, Muskatnuss

Zubereitung:

Kartoffeln waschen und schälen. Kürbis waschen; bei einem Hokkaido kann die Schale mitverwendet werden, den Muskat sollte man schälen. Den Kürbis entkernen. Kartoffeln und Kürbis in grobe Stücke schneiden und zusammen in Salzwasser 15 bis 20 Minuten garen. Das Kochwasser abgießen und das Gemüse kurz ausdampfen lassen. Mit dem Kartoffelstampfer zerdrücken. Die Milch in einem Töpfchen erwärmen und unter das Püree rühren. Mit Salz, Pfeffer und geriebener Muskatnuss kräftig abschmecken. Die Sahne schlagen und vorsichtig unter das Püree heben.

Tipp: Wer auf die Sahne verzichten will, sollte für den Geschmack 2 EL Butter unter das Püree rühren.

Bei mir gibt es übrigens Hirschkalb-Ragout und frische Steinpilze dazu. Einen schönen bunten Herbst und viel Spaß beim Kochen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de