Kino

Auf der Suche nach Identität Gequälte Seelen jagen "Margos Spuren"

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Margo und Quentin ziehen eine Nacht lang um die Häuser - danach verschwindet sie.

(Foto: © 2015 Twentieth Century Fox)

Quentin Jacobson verbringt eine unvergessliche Nacht mit der Frau seiner Träume. Am nächsten Morgen ist sie fort. Als hoffnungsloser Romantiker, der er eben ist, macht sich der Teenager auf die Suche nach "Margos Spuren".

Drei mäßig coole Highschool-Jungs wollen teilweise zum Abschlussball, teilweise nicht. Man kennt diese Geschichte. Und wie bereits viele Teenager-Streifen vor "Margos Spuren" zeigt auch die jüngste Verfilmung eines John-Green-Romans Partys mit Bierbong, Pinkel- und Übelkeitsszenen sowie Gespräche über scharfe Mütter. "Margos Spuren" ist trotzdem anders - der Film ist besser.

"Margos Spuren" erzählt die Geschichte von Quentin Jacobson (Nat Wolff). Seit Kindertagen ist er verliebt in seine Nachbarin Margo Roth Spiegelman (Cara Delevingne). Während die dereinst beinahe täglich durchs Fenster in sein Zimmer zu klettern pflegte, hüpft sie mittlerweile lieber in die Autos von hippen Typen. Als Margo eines Nachts dann doch noch einmal auf Quentins Fensterbank erscheint, nutzt er seine Chance: Als Sidekick auf ihrem Rachefeldzug gegen den Ex und falsche Freunde hat Quentin die Zeit seines Lebens. Am nächsten Morgen ist Margo verschwunden.

Melancholie der Jugend

Über die Dauer des Films hinweg hat Margo kaum Szenen. Doch bereits binnen weniger Minuten hat Delevingne ihrem Charakter mit rauchiger Stimme und durchdringendem Blick genau so viel betörende Strahlkraft verliehen, dass der Zuschauer nicht anders kann, als zu begreifen: Dieses Mädchen ist es wert, dass sich fünf Teenager quer durchs Land begeben, um sie wiederzufinden.

Quentin ist überzeugt davon, dass Margo ausgerechnet von ihm gefunden werden will. Kleine Zettelchen, ein verlassenes Gebäude und ein Poster von Woody Guthrie weisen ihm dabei die Richtung. Ihn begleiten seine besten Freunde, der clevere Radar (Justice Smith) und der alberne, dauergeile Ben (Austin Abrams) sowie Radars Freundin Angela (Jaz Sinclair) und Margos hübsche Freundin Lacey (Halston Sage).

Für "Margos Spuren" wurden junge und unverbrauchte Gesichter gecastet. In ihnen geht die Melancholie auf, die gerade Teenagern so eigen ist. Sie sind desillusioniert von der erdrückenden Künstlichkeit ihres Umfelds. Dem Regisseur Jake Schreier gelingt es, die Charaktere zwar ganz gewöhnlich zu zeichnen, ihrer Verletzlichkeit aber vielleicht gerade deswegen besonders viel verständnisvollen Raum zu schaffen.

Impulsiv, obsessiv - romantisch

Die Protagonisten von "Margos Spuren" wirken echt und vor allem mehrdimensional. Quentin zum Beispiel ist einer von denen, die niemals aus der Menge herausstechen, doch auch nicht unbedingt dazugehören wollten. Aber er ist ein hoffnungsloser Romantiker. So zögerlich er für gewöhnlich durchs Leben gehen mag, so impulsiv - beinahe obsessiv - reagiert er in Herzensangelegenheiten.

Es ist typisch für Autor Green, jede seiner Figuren mit Sorgfalt komplexer zu gestalten, als es naheliegende Stereotypen vermuten lassen würden. Plötzlich wirken pubertäre Emotionen rund um sozialen Druck und sexuelle Sorgen nicht mehr banal.

Auch wenn "Margos Spuren" wohl kaum an den kommerziellen Erfolg von Greens vorangegangener Filmadaption "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" heranreichen wird, ist es doch der bessere Film. Ohne überemotionalisierte Krankheitsgeschichte bleibt ein scharfes Bild der gegenwärtigen Generation Heranwachsender und die bittere Lektion, dass man Spatzen nicht verscheuchen sollte, weil man die Taube auf dem Dach vielleicht niemals fangen kann.

"Margos Spuren" ist ab dem 30. Juli in den deutschen Kinos zu sehen.

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Quelle: ntv.de

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