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Iwan Rheon spielt die Hauptrolle im deutschen Science-Fiction-Film "S.U.M.1".
Iwan Rheon spielt die Hauptrolle im deutschen Science-Fiction-Film "S.U.M.1".(Foto: Universum Film)
Freitag, 08. Dezember 2017

Iwan Rheon, der nette Psychopath: "Wir haben unsere eigenen Monster!"

Bei "Game of Thrones" war er einer der Fiesesten. Iwan Rheon spielte Ramsay Bolton, den Vergewaltiger, den Kastrationsenthusiasten. Im Science-Fiction-Film "S.U.M.1" ist seine geistige Gesundheit auch alles andere als intakt. Doch das alles sind nur Rollen für Rheon. Eigentlich ist der 32-Jährige nämlich ein ziemlich umgänglicher Typ. Mit n-tv.de hat er über Dreharbeiten in Deutschland, Einsamkeit und Kastrationsszenen gesprochen.

Wenn einem als Schauspieler ein Skript angeboten wird, bei dem es sich im Wesentlichen um eine Solo-Performance handelt, kann man da überhaupt Nein sagen?

(lacht) Nein, nicht wirklich. Dabei ist es schon auch eine Herausforderung, alles allein zu machen und nicht wirklich jemanden zu haben, gegen den man anspielen kann. Am Ende des Drehs war ich völlig erschöpft. Ich konnte mich ja die ganze Zeit hinter nichts und niemandem verstecken.

Besonders wenn es im Skript heißt: Und dann rennt er nackt in den Wald und wälzt sich im Laub …

Duschen im Bunker, Nacktlauf durch den Wald. Der "S.U.M.1"-Dreh war kalt für Iwan Rheon.
Duschen im Bunker, Nacktlauf durch den Wald. Der "S.U.M.1"-Dreh war kalt für Iwan Rheon.(Foto: Universum Film)

Es ist merkwürdig. Aber im Film ist das ein wirklich schöner Moment. Als Soldat hat S.U.M.1 immer dieses massive Kostüm an. Und dann läuft er da plötzlich als dieses kleine, weiße Ding zwischen den Bäumen herum. Dieser weiße Hintern!

Vermutlich war es nicht von vornherein Ihr Plan, einmal in einem deutschen Science-Fiction-Film mitzuspielen. Wie hat es Ihnen in unseren Wäldern und Bunkeranlagen so gefallen?

Es war Februar. Es war kalt. Vor allem eben bei den Szenen, bei denen ich nicht so viel anhatte. (grinst) Dass um mich herum Deutsch gesprochen wurde, hat sich als echter Vorteil herausgestellt. Zu Beginn haben die Crew-Mitglieder versucht, Englisch zu sprechen - vermutlich, damit ich mich wohlfühle. Irgendwann musste ich ihnen sagen: "Wenn ihr über technische Dinge diskutiert, redet bitte Deutsch. Ich muss das nicht alles verstehen." Ist doch albern! Irgendwie war das befreiend. Ich tendiere dazu, mich bei Dreharbeiten um alle möglichen Dinge zu sorgen, statt mich auf meinen Job zu konzentrieren. Wenn man aber nicht versteht, wo es gerade brennt, muss man sich auch keine Gedanken machen.

Ihre Figur ist fast den gesamten Film über alleine. Wie lange halten Sie es ohne Gesellschaft aus?

Vermutlich nicht besonders lang. Vielleicht ein paar Tage? In Städten ist Alleinsein schwer. Man kann sich einsam fühlen, aber irgendwas bewegt sich immer, es gibt Geräusche, Menschen … Bei S.U.M.1 ist das ganz anders. Er ist wirklich allein. Das wirkt sich auf seinen Verstand aus. Als Soldat ist er es gewöhnt, Anweisungen zu folgen. Je menschlicher er wird, desto mehr stellt er die Dinge infrage.

Verschwörungstheorien und ein relatives Konzept von Wahrheit werden wichtige Themen des Films. Immer spielt auch Angst mit rein.

Ich habe viel darüber nachgedacht, inwieweit die Fragen, die sich S.U.M.1 stellt, relevant für unsere heutige Welt sein könnten. Da ist zum Beispiel der Gedanke, dass ein sehr, sehr kleiner Anteil der Weltbevölkerung über die meisten Reichtümer der Erde verfügt. Diese Menschen könnten eines Tages kontrollieren, wie wir denken. Eigentlich tun sie es ja schon - zum Beispiel durch die Medien. Im Film sind es Aliens, die Angst und Schrecken verbreiten. Im echten Leben haben wir unsere ganz eigenen Monster.

Apropos Monster, Sie haben bei "Game of Thrones" eins gespielt. Ramsay Bolton gehört zu den legendärsten Fieslingen der Serie. Für was ist es befremdlicher, in Erinnerung zu bleiben: für Ihre Vergewaltigungsszene oder für das Bratwurst-Gif?

Dieses Wurst-Gif wird mich für den Rest meines Lebens verfolgen! Es ist einfach überall in den sozialen Netzwerken. Allerdings ist es mir schon lieber, wenn mich die Leute damit in Verbindung bringen als mit der anderen Sache.

Und wer landet am Ende der Serie auf dem Eisernen Thron?

Wenn es nach mir ginge? Jon Snow. Das würde ich mir wünschen.

Weil Sie privat mit dessen Darsteller Kit Harington befreundet sind?

(lacht) Nein, damit hat das nichts zu tun, versprochen! Jon Snow ist einfach die einzige Figur der Serie, die wirklich gut und ehrenhaft ist. Ob ihn das zu einem guten Anführer macht? Da bin ich mir nicht sicher. Aber wenigstens wäre er gerecht. Er ist auf jeden Fall der Netteste von allen.

Zwar kennt man Sie vor allem als Schauspieler, aber Sie machen auch Musik. Kommen Sie überhaupt noch dazu?

Ich denke, ich werde immer Musik machen. Ich brauche ja bloß zu Hause die Gitarre in die Hand zu nehmen. Live habe ich leider schon ewig nicht mehr gespielt. Das scheitert am Zeitplan. Da sind einfach zu viele andere Verpflichtungen. Ich glaube, ich habe fast genug Material zusammen, um ein neues Album aufzunehmen. Ich muss nur einen freien Moment zum Aufnehmen abpassen.

Stimmt es, dass Sie sich ursprünglich mehr für einen Musiker als für einen Schauspieler gehalten haben?

Die Leute wollen immer wissen: (verstellt entnervt die Stimme) Was würdest du wählen, wenn du dich entscheiden müsstest? Als ob das so leicht zu beantworten wäre. Ich bin zur Schauspielschule gegangen, habe Jobs in der Branche bekommen und so kam eins zum anderen. Die Schauspielerei hat den professionellen Bereich meines Lebens besetzt, meine Karriere. Eigentlich großartig, so kann ich Musik nämlich einfach für mich machen. Ich muss dabei nicht auf ein Label hören oder zusehen, dass ich Geld damit verdiene. Es ist ein kreativer Prozess und keine Arbeit.

Stimmt es, dass Sie mit Liebesliedern hadern?

Ach, das stimmt. Liebeslieder sind schwierig. Mich langweilen sie eigentlich immer. (singt) "Uuuuh, I love you. Ooooh, look at your eyes …" Natürlich habe ich selber auch schon welche geschrieben, aber ich bemühe mich immer, einen frischen Dreh zu finden.

Ihr letztes Album haben Sie nach dem Ort benannt, an dem Sie Ihre Freundin kennengelernt haben, "Dinard". Könnte es also sein, dass der Typ, der im Fernsehen Penisse abschneidet, eigentlich ein echter Romantiker ist?

Wenn Sie es so formulieren … Vermutlich. Na gut!

Mit Iwan Rheon sprach Anna Meinecke.

"S.U.M.1" läuft derzeit in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de