Musik

Die Lochis - Youtuber auf Abwegen "Niveaulosen Hate ignorierst du einfach!"

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Die Youtuber Heiko und Roman Lochmann haben als "Die Lochis" mehr als zwei Millionen Abonnenten auf ihrem Kanal.

(Foto: Delia Baum)

Das Internet kannte sie schon, da waren sie noch kleine Jungs. Die Zwillinge Heiko und Roman Lochmann veröffentlichen als "Die Lochis" Youtube-Videos, seit sie 12 Jahre alt sind. Die beiden Jungs aus der hessischen Provinz unterhalten mittlerweile ein Millionenpublikum. Nachdem sie ihr humoristisches Talent im vergangenen Jahr mit ihrem ersten Film "Bruder vor Luder" unter Beweis stellen durften, folgt nun das erste Album "#zwilling". Musik ist nämlich die eigentliche Passion der Geschwister. Im Gespräch mit n-tv.de erinnern sich die beiden 17-Jährigen an piepsige Anfänge mit der Webcam und ihren ersten großen Hit-Song. Und sie verraten, von wem sie sich die Laune ganz sicher nicht verderben lassen.

n-tv.de: Ihr habt quasi eure gesamte Pubertät auf Youtube verbracht. Im nächsten Jahr werdet ihr volljährig. Erinnert ihr euch überhaupt noch daran, wie ihr euch dazu entschlossen habt, einen eigenen Kanal zu eröffnen?

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Die Eltern fanden's cool, also stand der Youtube-Karriere von Heiko und Roman Lochmann nichts mehr im Weg.

(Foto: Delia Baum)

Roman Lochmann: Wir waren eigentlich schon immer ziemlich kreativ, haben Musik gemacht und auch kleine Handy-Clips gedreht. Youtube ist eine super Plattform, um eigene Inhalte der ganzen Welt zu präsentieren. Wir haben verfolgt, wie andere dort aktiv sind . Da hatten wir auch Bock drauf.

Und was haben eure Eltern dazu gesagt?

Heiko Lochmann: Am Anfang wussten die gar nichts davon. Wir haben deren kleine Digitalkamera geklaut - oder sagen wir geliehen, ohne dass sie es wussten. Nach ein paar Wochen haben die gecheckt, dass ihre Kids was im Netz machen. Aber sie waren sofort cool damit.

Roman: Natürlich haben die ein bisschen aufgepasst, was ihre Kids da ins Internet stellen.

Heiko: Aber generell war das immer ziemlich entspannt.

Roman: Wir haben coole Eltern!

Wisst ihr denn noch, was euer erstes Video war?

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Heiko: Das ist sogar entstanden, bevor wir unseren Kanal hatten. Roman hat vor seiner Webcam gezeigt, wie man ein Glas Milch einschenkt. Er war acht Jahre alt und hatte eine ziemlich piepsige Stimme. Bis heute haben wir's nicht gelöscht. Heißt glaube ich "Milch einschenken FAIL".

Für alle, die nicht schon in der Grundschule wussten, welche stilistischen Elemente es zum Beispiel für ein Tutorial braucht: Erklärt doch bitte nochmal in ein paar Sätzen, wieso plötzlich überall diese Youtube-Stars gefeiert werden.

Roman: Auf Youtube kann jeder selbst entscheiden, was er gucken will und wann. Man ist komplett interaktiv. Wenn man mag, kann man zum Beispiel Kommentare unter den Videos hinterlassen. Es ist alles viel individueller, kommunikativer …

Heiko: … und authentischer! Wir sind näher an den Fans dran und andersrum. Webvideos sind für die junge Zielgruppe momentan das Hauptmedium.

Früher wäre der klassische Weg zu Prominenz so gelaufen: Du nimmst ein Album auf oder drehst einen Film, dann sammelst du Fans und irgendwann interessieren die sich auch für dein Privatleben. Über Social Media scheint es oft andersrum zu funktionieren.

Roman: So war das ja aber bei uns nie! Wir haben nie einfach nur Vlogs [kurz für Video-Blogs, Anm. d. Red.] für unseren Kanal gedreht, um uns als Personen zu inszenieren, sondern immer auch echte Inhalte angeboten.

Heiko: Beides ist sehr wichtig. Im Internet wird die Privatperson ziemlich in den Vordergrund gestellt. Mich interessiert der Charakter der Leute aber erst, wenn ich cool finde, was die so machen.

Dann lasst uns jetzt mal über euer Album "#zwilling" sprechen. Ihr singt, schon klar. In welcher Weise wart ihr darüber hinaus beim Entstehungsprozess involviert?

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#zwilling ist das erste Album der Lochis.

(Foto: Warner Music)

Roman: Von Anfang bis Ende! Das war immer ein Traum von uns: ein Album haben, damit auf Tour sein, Fans haben, auf der Bühne stehen … Einfach geil, dass wir die Möglichkeit hatten, uns da heranzuwagen. Wir haben ein ganzes Jahr lang daran gearbeitet. Wir haben die meisten Songs selbstgeschrieben und bei einem Großteil der Produktion waren wir natürlich auch mit am Start. Das ist unser Album, unser Ding. Wir haben natürlich gesagt, was wie sein soll!

Wie klingt denn der typische "Lochis"-Sound?

Roman: Das Album ist auf alle Fälle Pop, moderner Pop. Natürlich auch mit Rap-Elementen und ein bisschen elektronisch klingt's auch.

Heiko: Es hebt sich auf jeden Fall von unseren bisherigen Songs ab. Wir haben uns lyrisch und melodisch weiterentwickelt.

Roman: Durch das Album nehmen wir die Leute mit in unser Leben. Es ist das Leben von zwei 17-jährigen Zwillingen und trotzdem richtet sich die Musik an die Zielgruppe 9 bis 99. Ich glaube, jeder kann sich mit den Songs irgendwie identifizieren.

War immer klar, dass ihr auf Deutsch singen wollt?

Roman: Wir fühlen uns mit Deutsch einfach wohler. Da fällt das Song-Schreiben leichter. Außerdem ist es die Sprache unserer Community. Wir wollen uns erstmal auf die deutschsprachige Zielgruppe konzentrieren. Deutscher Pop kann echt cool sein!

Wenn man sich ein bisschen durch eure Videos klickt, begegnet einem noch ziemlich häufig ein etwas älterer Song, "Durchgehend online".

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Roman: Der ist drei Jahre alt, ey. War aber damals voll die Hymne! Und es ist bis heute eins unserer erfolgreichsten Videos. Es haben sich auch viele andere Youtuber damit identifizieren können, weil die natürlich auch durchgehend online waren.

Wie lange seid ihr denn pro Tag im Internet unterwegs?

Heiko: Lange! Man will ja auch immer in Kontakt mit den Zuschauern bleiben. Man liked dann zum Beispiel Bilder, in denen man markiert wird. Das ist wichtig. Man darf nie vergessen, wer einen dort hingebracht hat, wo man steht.

Könntet ihr euch vorstellen, irgendwann mal etwas zu machen, bei dem das Kerngeschäft nicht online gemacht wird?

Heiko: Mittlerweile ist ja alles irgendwie online. Das wird in den nächsten Jahren nicht weniger werden. Irgendein Business, was nicht online ist, das ist dann einfach nicht erfolgreich - besonders in der Medien- oder in der Musikbranche und da wollen wir ja weiterkommen.

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Es soll dann also vor allem die Musik sein? Vor einem halben Jahr erst kam ja euer erster Kinofilm "Bruder vor Luder" raus.

Roman: Für einen zweiten Film wären wir immer offen. Aber die Musik ist uns wichtiger. Musiker waren wir von Anfang an und das macht auch am meisten Spaß.

Heiko: Auf der Bühne stehen ist unglaublich! Wenn 5000 Leute deine Songs singen - das ist echt übergeil!

Im Trailer zu eurem Film, in dem ihr ja euch selbst spielt, heißt es: "Wenn man berühmt ist, hat man Hater". Wie geht ihr mit negativem Feedback um?

Roman: Fast alles Negative geht durch die positive Resonanz unter. Man nimmt das aber schon wahr, vor allem wenn es konstruktive Kritik ist. Die versuchen wir anzunehmen und in den nächsten Songs oder Videos umzusetzen.

Was wäre denn ein Beispiel für konstruktive Kritik, die ihr euch irgendwann einmal zu Herzen genommen habt?

Heiko: Wenn zum Beispiel jemand auf den Schnitt eingeht. Wenn da technische Tipps dabei sind. Aber niveaulosen Hate ignorierst du einfach!

Mit wie viel Bedacht wählt ihr eure Inhalte für eure oft noch sehr jungen Fans aus? Ich habe in euren Videos auf jeden Fall schon "Fotze" gehört …

Heiko: Wir sind doch auch selbst noch Teenies!

Roman: Aber wir wissen schon, was wir für eine große Verantwortung tragen. Wir wollen uns nicht in unserer Kreativität einschränken lassen, aber wir gucken, dass es nicht zu krass wird. Unsere Videos schauen zwei Millionen Teenies. Uns ist bewusst, dass wir für viele von denen eine Art Vorbildfunktion erfüllen.

Heiko: Das kommt ab einer gewissen Reichweite. Viele Kollegen wollen das nicht wahrhaben, aber so ist es eben.

Roman: Wir passen da auf. Punkt.

Mit den Lochis sprach Anna Meinecke

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Quelle: n-tv.de

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