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Der "Tatort" im Schnellcheck Mörderischer Wohnungsmarkt

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Stellen den Mord auf etwas unorthodoxe Weise nach: Karow (Marc Waschke) und Rubin (Meret Becker).

(Foto: rbb/Gordon Muehle)

Im letzten "Tatort" vor der Sommerpause bringen die Berliner Kommissare ein Thema aufs Tapet, das nicht nur in der Hauptstadt hochaktuell ist: die irre Situation auf dem Wohnungsmarkt. Lohnt sich das Einschalten?

Was passiert?

Als der Immobilienmakler Cem Ceylan (Murat Dikenci) aus dem vierten Stock eines von ihm vermieteten Wohnhauses fliegt, glaubt niemand an Selbstmord: Der Mann hatte sich mit unappetitlichen Geschäftsmethoden genug Feinde für mehr als nur ein Leben gemacht. Hauptverdächtig sind für die Kommissare Rubin (Meret Becker) und Karow (Marc Waschke) indes die vier Mietparteien, die trotz aller Entmietungsversuche in dem für eine Luxussanierung vorgesehenen Haus die Stellung halten - allen voran Busfahrer Otto Wagner (Peter René Lüdicke), der erst am Vortag bei der Zwangsräumung durch Ceylans Schergen handgreiflich geworden war.

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Hauptverdächtig: der systemrelevante und nun obdachlose Busfahrer Wagner (r.) neben Kommissar Karow.

(Foto: rbb/Gordon Muehle)

Je tiefer die Kommissare in die Ermittlungen eintauchen, desto unappetitlicher wird es: Von "Umzugsprämien" über eine merkwürdige Häufung technischer Havarien bis hin zu sexueller Nötigung: Ceylan Immobilien hat in der Vergangenheit so ziemlich alles versucht, um Mieter vor die Tür zu ekeln. Und auch die Ermittler selbst sehen immer mehr Parallelen zu ihren eigenen Wohnumständen: Ist es tatsächlich Zufall, dass bei Rubin mitten im Winter schon zum wiederholten Mal die Heizung ausfällt?

Worum geht es wirklich?

Um die völlig irre Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt, die sich so oder so ähnlich auf viele deutsche Großstädte übertragen lässt. Drehbuchautorin Katrin Bühlig: "Wer in Berlin wohnt, kommt um das Thema Mieten gar nicht herum. Der Kampf um eine bezahlbare Wohnung nimmt immer mehr zu. Als ich in den Nachrichten sah, dass sich über 800 Leute bei einer Wohnungsbesichtigung im Prenzlauer Berg drängelten, war mir sofort klar, dass das Thema auch ein 'Tatort'-Thema ist. Würden wir für eine bezahlbare Wohnung jemanden töten?"

Wegzapp-Moment?

Die Sexszene zwischen Karow und Rubin gegen Mitte des Films wirkt irgendwie fehl am Platz. So, als müsste in einem Berlin-Krimi aus Gründen der Image-Pflege mindestens einmal schmutzig miteinander gevögelt werden.

Wow-Faktor?

Die immer wieder dazwischengeschnittenen Gesichter und Aussagen echter Obdachloser und Wohnungssuchender. Passend dazu die Aussage des (fiktiven) Busfahrers: "Ich hab mein ganzes Leben gearbeitet, bin sogar systemrelevant. Und trotzdem kann ich mir keine Wohnung in Berlin leisten."

Mehr zum Thema

Wie ist es?

Der letzte "Tatort" der aktuellen Saison ist an sich mäßig spannend, das Thema dafür aber hochaktuell - und trotz des obligatorischen erhobenen Zeigefingers nah dran an der Wirklichkeit. 7 von 10 Punkten.

Quelle: ntv.de

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