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Hollande ruft zu Einheit auf Terror in Paris: Das Wichtigste im Überblick

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Die Abgeordneten und Senatoren applaudieren Hollande nach seiner Rede.

(Foto: dpa)

Nach den Anschlägen in Paris wurden erste Haftbefehle erlassen. Derweil wird nach weiteren Verdächtigen gefahndet. Frankreichs Präsident Hollande will den Kampf gegen den IS ausweiten und ruft den UN-Sicherheitsrat an. Die Faktenlage im Überblick.

Was ist passiert?

  Die französische Hauptstadt Paris ist am Freitagabend zur Zielscheibe des islamistischen Terrors geworden. An sechs Orten griffen Anhänger der Terrororganisation "Islamischer Staat" an. In der Konzerthalle Bataclan kam es zu einer blutigen Geiselnahme, hier wurden auch die meisten Menschen ermordet. Zudem gab es Explosionen in der Nähe des Stade de France, während die Fußball-Nationalmannschaften von Frankreich und Deutschland gegeneinander spielten. Dabei starben vier Personen, drei von ihnen sollen Attentäter gewesen sein.

Wie viele Opfer gibt es?

129 Menschen starben. Mindestens 89 davon wurden in der Konzerthalle Bataclan ermordet. 352 Männer und Frauen wurden zum Teil schwer verletzt. Einige schweben noch in Lebensgefahr. Unklar ist derzeit noch, ob die Zahl von Toten sich nur auf die Opfer der Angriffe bezieht oder ob hier auch schon die sieben toten Attentäter eingerechnet sind. Das Auswärtige Amt hat inzwischen bestätigt, dass unter den Opfern mindestens zwei Deutsche sind. Es handelt sich dabei um einen 28-jährigen Architekten aus Oberbayern sowie einen 51-jährigen Niedersachsen, der schon seit Jahren mit seiner Familie in Frankreich lebte.

Welche Anschlagsorte gibt es?

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Der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt François Molins sprach nach den Angriffen von sechs Anschlagsorten:

  • Konzertsaal "Bataclan" am Boulevard Voltaire
  • Boulevard Voltaire
  • Restaurant "Le Petit Cambodge" / "Café Carillon" in der Rue Alibert
  • "Café Bonne Bière" (Rue du Faubourg du Temple) / Pizzeria "La Casa Nostra"
  • Bar "La Belle Équipe" in der Rue de Charonne
  • Fast-Food-Restaurant am "Stade de France" im Stadtteil Saint Denis

Wer sind die Attentäter?

Wie viele Täter an den Angriffen beteiligt waren, ist unklar. Die Polizei geht bislang von drei Täterteams aus. Sieben Attentäter sind ums Leben gekommen. Das ist offiziell bestätigt. Sechs haben sich demnach nach dem Überfall auf die Konzerthalle Bataclan oder bei den Anschlägen in der Nähe des Stade de France in die Luft gesprengt. Einer wurde von Polizeikräften erschossen.

Einer der Männer wurde schon früh als der Franzose Omar Ismail Mostefai identifiziert. Der 29-Jährige war seit fünf Jahren polizeibekannt und ist den Ermittlern wegen seiner zunehmenden Radikalisierung aufgefallen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Drahtzieher der Attacken von Paris könnte laut Medien der gesuchte belgische Islamist Abdelhamid Abaaoud sein. Bei dem 27-Jährigen soll es sich um einen für seine Brutalität bekannten IS-Terroristen in Syrien handeln. Er stammt demzufolge aus dem Brüsseler Problembezirk Molenbeek, aus dem auch zwei der in Paris umgekommenen Attentäter kommen.

Am Montag wurde gegen zwei mutmaßliche Terroristen, die bereits am Samstag festgenommen worden waren, Haftbefehl erlassen. Ein weiterer verdächtigter Dschihadist, der 26-jährige Salah Abdeslam, ist aber nach wie vor auf der Flucht. Ein vierstündiger Spezialeinsatz der belgischen Polizei in Molenbeek brachte keinen Erfolg.

Nach einem weiteren Verdächtigen fahndet die italienische Polizei. Gesucht wird ein 32-jähriger Franzose, der in einem schwarzen Seat unterwegs war, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldet. Der Seat soll möglicherweise bereits am Freitag bei Ventimiglia über die französisch-italienische Grenze gefahren sein.

Zudem hat die Polizei mittlerweile 168 Razzien in ganz Frankreich durchgeführt. In Lyon wurde bei einer Durchsuchung eine Panzerfaust und andere Waffen gefunden. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte, dass bislang 23 verdächtige Personen in Gewahrsam genommen wurden.

Mindestens einem Terrorkommando könnte die Flucht gelungen sein. Französische Ermittler stellten ein Auto östlich von Paris sicher. In dem Wagen wurden mehrere Kalaschnikows gefunden. Der schwarze Seat war im Vorort Montreuil entdeckt worden und soll von den Terroristen benutzt worden sein, die vor mehreren Cafés und Restaurants wahllos Menschen erschossen.

Wer steckt hinter den Attentaten?

Die Extremisten-Miliz Islamischer Staat hat sich zu den Anschlägen bekannt. In einem im Internet veröffentlichten Schreiben heißt es, "acht Brüder" - der französische Staatsanwalt spricht hingegen von sieben Attentätern - mit Sprengstoffgürteln und Sturmgewehren hätten einen "gesegneten Angriff" auf das "Kreuzzug-Frankreich" verübt. Die Angriffsziele seien "bewusst im Herzen von Paris ausgewählt" worden. Beim Angriff auf das Bataclan sollen die Angreifer einem Augenzeugen zufolge "Allahu akbar" (Gott ist groß) gerufen haben.

Die Attentate sind nach Ansicht des Terrorismus-Experten Peter Neumann möglicherweise von hohen Stellen des IS in Syrien gesteuert worden. "Dieser Anschlag war organisiert und koordiniert", betonte er. "Hier haben unterschiedliche Teams zusammengearbeitet, die offensichtlich relativ gut ausgebildet, sehr routiniert und geschickt waren." Die Täter hätten Expertise und wohl auch militärisches Training gehabt. "Das deutet auf eine andere Qualität hin, möglicherweise sogar auf eine Koordination aus Syrien heraus", sagte er.

Am Montagmorgen warnte der französische Premierminister Manuel Valls davor, dass der IS auch Attacken in anderen europäischen Ländern vorbereitet habe. Auch in Frankreich rechnet man mit erneuten Anschlägen. Zudem gab Valls bekannt, dass die Anschläge in Paris in Syrien organisiert, erdacht und geplant worden seien. 

Wie reagiert Frankreich?

Frankreichs Staatschef François Hollande kündigte in einer Rede vor dem Kongress an, den UN-Sicherheitsrat anzurufen. Der Sicherheitsrat solle eine Resolution zum Kampf gegen den IS verabschieden. Außerdem werde er bald mit US-Präsident Obama und Kremlchef Wladimir Putin über eine gemeinsame Strategie in Syrien zu sprechen.

Hollande will zudem den verhängten Ausnahmezustand in seinem Land um drei Monate verlängern. Das Parlament soll sich am Mittwoch damit befassen. Der Ausnahmezustand ermöglicht unter anderem Ausgangssperren und Wohnungsdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss.

Außerdem kündigte er eine Verfassungsänderung an, um wegen Terrorismus verurteilten Bürgern mit doppelter Staatsbürgerschaft schneller den französischen Pass entziehen zu können.

In den kommenden zwei Jahren sollen bei Polizei und Gendarmerie 5000 neue Stellen geschaffen werden. Hollande will auch eine Nationalgarde aus Reservisten.

Frankreich will seine Luftangriffe auf den IS ausweiten. Dazu soll der Flugzeugträger Charles de Gaulle am Donnerstag ins östliche Mittelmeer verlegt werden, um die Schlagkraft "zu verdreifachen".

Wie reagiert die Weltpolitik auf die Anschläge?

Bei dem G20-Gipfel beschließen die teilnehmenden Staaten den internationalen Terrorismus finanziell auszutrocknen. Außerdem sollen die Grenzen besser überwacht werden, die Sicherheit im internationalen Flugverkehr wird verstärkt.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat erklärt, dass sich Deutschland zunächst nicht an den Luftangriffen zahlreicher anderer Staaten auf IS-Stellungen beteiligen werde. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, Frankreich könnte nach der Anschlagsserie den Nato-Bündnisfall beantragen und so ein härteres, militärisches Vorgehen in Syrien anstoßen.

US-Präsident Barack Obama will sich nach den Anschlägen in Paris nicht zu einem Strategiewechsel im Kampf gegen den IS drängen lassen. Er will keine größeren Kontingente an Bodentruppen in den Irak und nach Syrien entsenden. "Das wäre ein Fehler", sagte Obama beim G20-Gipfel. Der Kampf gegen den IS könne nur gelingen, wenn die örtliche Bevölkerung dahinterstehe.

Quelle: n-tv.de, kpi/tno/jog/hul

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