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Donnerstag, 19. Januar 2017

Einlagensicherungsfonds aufgelöst: Bausparkassen: Nur 100.000 Euro sicher

Von Axel Witte

Die Bausparkassen sorgen mit gekündigten Verträgen für Ärger. Nun gesellt sich noch eine weitere Hiobsbotschaft dazu. Der bisher unbegrenzt haftende Einlagensicherungsfonds wird aufgelöst. Für einige wenige Bausparer könnte es bei einer Pleite eng werden.

Der Jahreskontoauszug der Bausparkasse ist da. Und der Vertrag wurde auch noch nicht gekündigt. Glück gehabt. Aber zwischen den Blättern zu Kontoinformation und Wohnungsbauprämie findet sich noch eine weitere Information. Und die hat es in sich - zumindest theoretisch. Denn die Einlagen von vielen Bausparkunden sind ab dem 1. März 2017 nur noch bis zu einer Höhe von 100.000 Euro gesichert. Alles, was Bausparer darüber hinaus in ihren Verträgen haben, wäre bei einer Pleite weg.

Der Grund? Der bisher zur freiwilligen Ergänzung zur gesetzlichen Einlagensicherung bestehende private Bausparkasseneinlagensicherungsfonds (BESF) wird zum 28. Februar 2017 aufgelöst. Hiervon sind alle Verträge der nachfolgenden Bausparkassen betroffen: Aachener Bausparkasse AG, Alte Leipziger Bauspar AG, Bausparkasse Mainz AG, BHW Bausparkasse AG, BSQ Bauspar AG, Debeka Bausparkasse AG, Deutsche Bausparkasse Badenia AG, Deutscher Ring Bausparkasse AG, Signal Iduna Bauspar AG, Wüstenrot Bausparkasse AG.

Bausparkassen Einlagensicherung

Bausparkassen, die einer Großbank zugehörig sind, sichern das Geld ihrer Kunden in unbegrenzter Höhe ab - wie etwa die Deutsche Bank Bauspar AG und Allianz Dresdner Bauspar AG. Die Bausparkasse Schwäbisch-Hall gehört der Einlagensicherung des genossenschaftlichen Bankensystems an. Die Landesbausparkassen gehören dem institutsbezogenen Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe (Sicherungssystem) an.

 

Zwar sind die Einlagen der betroffenen Kreditinstitute auch weiterhin durch den Einlagensicherungsfonds deutscher Banken geschützt, die Sicherung geht aber nicht über die gesetzliche Sicherung von 100.000 Euro pro Kopf hinaus. Bisher waren die Einlagen von Bausparern in unbegrenzter Höhe bei einem Konkurs garantiert.   

Damit ist es nun vorbei. Doch der Verband der Privaten Bausparkassen beschwichtigt. Demnach seien von der Änderung nur 19.000 Bausparverträge betroffen, 0,2 Prozent des Bestandes (9 Millionen Verträge). Alle anderen Einlagen überschreiten bei Weitem nicht die Höhe von 100.000 Euro. Im Durchschnitt kommen die Verträge bei den privaten Bausparkassen auf eine Summe von 40.000 Euro. Von der Auflösung seien vor allem institutionelle Anleger wie Versicherungen betroffen. 

Bisher ist alles gut gegangen

Tatsächlich gefordert war der BESF in der Vergangenheit noch nie. Der Verband betont, dass alle Bausparkunden auch weiterhin auf die Stabilität des Bausparsystems vertrauen können.

Begründet wird die Abwicklung des Einlagensicherungsfonds damit, dass infolge der Nullzinspolitik der EZB der Kostendruck erheblich erhöht sei. Denn die verschärfte Anforderungen für die Einlagensicherung hätten für den BESF erheblichen zusätzlichen Aufwand gebracht.

Grundsätzlich ist ein Widerspruch innerhalb von zwei Monaten nach Bekanntgabe gegen die Neuerung möglich. Dieser muss an die jeweilige Bausparkasse gerichtet werden. Dadurch gelten dann weiterhin die Algemeinen Geschäftsbedingungen. Inwieweit das bei einer Pleite einer Bausparkasse noch relevant ist, ist aber eine andere Frage. Den der BESF gilt ab 1. März 2017 als aufgelöst. Inwieweit deren ehemaligen Mitglieder dann noch haftbar gemacht werden könnten, fraglich.

Um einem möglichen, aber an dieser Stelle nicht prognostizierten Worst-Case-Szenario aus dem Weg zu gehen, sollten vermögende Bausparer ihre Einlagen auf mehrere Verträge verteilen. Was allerdings den Haken hat, dass dann erneut Abschlussgebühren fällig werden.

Quelle: n-tv.de