Ratgeber

Unerlaubte Telefonwerbung Beschwerden haben sich fast verdoppelt

imago74641086h.jpg

Mit Telefonwerbung werden Verbraucher regelrecht überrumpelt - und verärgert.

(Foto: imago/blickwinkel)

Immer mehr Verbraucher ärgern sich über unerlaubte Werbeanrufe. Bei der Bundesnetzagentur gingen bis Ende November mehr als 50.000 Beschwerden ein. Das sind beinahe doppelt so viele wie im Vorjahr. So sollten Verbraucher reagieren.

Die Zahl unerlaubter Telefon-Werbeanrufe hat im fast abgelaufenen Jahr drastisch zugenommen. Bis Ende November gingen bei der Bundesnetzagentur mehr als 52.300 Beschwerden ein und damit fast doppelt so viele wie im Vorjahr, wie die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen mitteilte. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Oliver Krischer, forderte eine Gesetzesverschärfung.

Telefonwerbung ist seit 2009 nur bei ausdrücklicher Einwilligung vom Verbraucher erlaubt. Außerdem dürfen Firmen seitdem ihre Rufnummern nicht mehr unterdrücken, wodurch Werbeanrufe leichter zurückverfolgbar sein sollen. Seit 2013 ist ein Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken in Kraft, auch Anti-Abzocke-Gesetz genannt. Seitdem können höhere Bußgelder verhängt werden und zwar auch für unerlaubte Werbeanrufe von Telefoncomputern. Dennoch steigt die Zahl der Beschwerden. 2014 und 2015 lag die Zahl bei etwa 25.000, im vergangenen Jahr bei knapp 29.300.

Krischer monierte, die Bundesregierung bekomme das Problem "nicht in den Griff". Verträge aus unerlaubten Anrufen sollten von den Kunden immer zusätzlich schriftlich bestätigt werden müssen, forderte er. "Das dürfte die Zahl der Vertragsabschlüsse einbrechen lassen und damit auch das Abzockmodell unattraktiv machen."

Zudem bemängelte Krischer, dass die Bußgelder zu niedrig seien. Das höchste Bußgeld mit 300.000 Euro wurde 2017 gegen den Stromlieferanten Energy2Day verhängt, gegen den 2500 Beschwerden eingingen. Damit wurde der gesetzliche Spielraum voll ausgeschöpft. Auf Platz zwei folgte mit 200.000 Euro Bußgeld die Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung, die Hausnotrufe bewarb.

Wie Verbraucher sich gegen unerlaubte Telefonwerbung wehren können, lesen Sie hier:

Welche Telefonwerbung ist erlaubt und welche nicht?

Telefonwerbung ist seit 2009 nur bei ausdrücklicher Einwilligung des Verbrauchers erlaubt. Diese muss vor dem Anruf vorliegen und kann nicht erst zu Gesprächsbeginn eingeholt werden. Ein Trick ist, dass sich die Anrufer auf eine angebliche Einwilligung berufen, die der Verbraucher etwa bei der Teilnahme an einem Online-Gewinnspiel abgegeben habe. Bei Werbeanrufen darf zudem die Rufnummer nicht unterdrückt werden, damit sie leichter zurückverfolgt werden können. Verstoßen Firmen gegen diese Regeln, drohen Bußgelder. Die Höchstgrenze liegt seit 2013 bei 300.000 Euro. Geldbußen können auch für unerlaubte Werbeanrufe von Telefoncomputern verhängt werden.

Wie kann ich mich vor Werbeanrufen schützen?

Gegen die Anrufe selbst gibt es kein Mittel, wenn die eigene Rufnummer in Umlauf ist. Verbraucher sollten sich deshalb überlegen, ob sie ihre Telefonnummer in ein öffentliches Telefonbuch eintragen lassen und an wen sie ihre Nummer weitergeben. Telefonkunden können zudem bei ihrem Anbieter beantragen, dass Anrufe mit unterdrückter Nummer nicht durchgestellt werden. Davon können dann aber auch erwünschte Anrufe betroffen sein.

Was kann ich bei einem unerwünschten Anruf tun?

Eine Möglichkeit: auflegen. Wer das Gespräch nicht abbricht, sollte den Anrufer offensiv zur Rede stellen. Betroffene sollten den Namen des Anrufers und seiner Firma sowie den Grund des Anrufs erfragen, die Telefonnummer aufschreiben und diese Angaben dann an die zuständige Verbraucherzentrale oder die Bundesnetzagentur weiterleiten. Zudem sollte der Angerufene darauf hinweisen, dass weitere Anrufe unerwünscht sind, und die Löschung seiner Daten verlangen.

Welche Unternehmen betreiben Telefonwerbung?

Verbraucherschützern zufolge rufen Telefon- und Internetdienstleister, Energieversorger, Banken, Versicherungen und Zeitschriftenverlage gezielt Verbraucher ohne deren ausdrückliche Zustimmung an, um Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen. Auch Glücksspiel-Abos sollen Verbrauchern am Telefon untergejubelt werden.

Welches Risiko besteht bei Werbeanrufen?

Mit Telefonwerbung werden Verbraucher regelrecht überrumpelt. Oft bleibt kaum Zeit, zu überlegen, ob der Kauf eines Produkts oder der Vertrag über eine Dienstleistung sinnvoll und der Preis angemessen ist. Die Pflicht zu einer nachträglichen schriftlichen Bestätigung durch die Verbraucher gibt es nur für Gewinnspiele.

Was kann ich tun, wenn ich am Telefon einen Vertrag abgeschlossen habe?

In der Regel besteht ein Widerrufsrecht. Verbraucherschützer raten, innerhalb von 14 Tagen den Vertrag per E-Mail, Fax oder Brief zu widerrufen. Die Verbraucherzentralen stellen im Internet auch Musterbriefe zur Verfügung, um unberechtigte Forderungen abzuwehren. 

Quelle: n-tv.de, awi/AFP

Mehr zum Thema