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Virus bei Arbeit eingefangen? Dann gilt Covid-19 als Arbeitsunfall

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Für jene, die länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind, zahlt die Unfallversicherung ein Verletztengeld in Höhe von 80 Prozent des Bruttogehalts - das sind 10 Prozent mehr als beim Krankengeld von der Krankenkasse.

(Foto: imago images/MiS)

Wenn sich Arbeitnehmer im Beruf mit dem Coronavirus anstecken, kann dies als Berufs­krankheit oder Arbeits­unfall gelten. Was mit besseren Leistungen verbunden ist. Doch je nach Tätig­keit sind die Hürden dafür hoch. Finanztest erklärt, wie Betroffene zu Ihrem Recht kommen.

Fast vier Millionen Menschen haben sich in Deutsch­land offiziell seit dem Beginn der Pandemie mit dem Coronavirus infiziert. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher ausfallen. Eine Anste­ckung findet überall dort statt, wo sich Menschen begegnen. Also auch am Arbeitsplatz. Hat sich dort ein Arbeitnehmer mit dem Virus infiziert, kann das unter bestimmten Voraus­setzungen als Berufs­krankheit oder Arbeits­unfall gelten, wie Finanztest erklärt.

Arbeitnehmer erhalten in diesem Fall in der Regel höhere Leistungen als nur durch die gesetzliche Krankenkasse. Denn hat die gesetzliche Unfallversicherung den Infektionsfall als Berufs­krankheit oder Arbeits­unfall akzeptiert, erhalten Betroffene umfangreiche Unterstützung: Die Unfallversicherung zahlt dann Krankenhausaufenthalte, Medikamente, Reha-Maßnahmen oder Physiotherapie und übernimmt oft Behandlungen, die die Krankenkasse nicht zahlen würde.

Bessere Leistungen in Hinblick auf Langzeitfolgen

Für jene, die länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind, zahlt die Unfallversicherung ein Verletztengeld in Höhe von 80 Prozent des Bruttogehalts - das sind 10 Prozent mehr als beim Krankengeld von der Krankenkasse. Bei langfristigen gesundheitlichen Schäden durch die Infektion wird eine Verletztenrente gezahlt, wenn die Erwerbsfähigkeit länger als 26 Wochen um mindestens 20 Prozent gemindert ist. Der Betrag richtet sich nach einem ärztlichen Gutachten. Wer auf umfangreiche fremde Hilfe angewiesen ist, kann mit Pflegegeld rechnen. Im schlimmsten Fall - wenn die Infektion des Arbeitnehmers zum Tod führt - bekommen Angehörige eine Hinterbliebenenrente.

Dafür müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Welche das sind, lesen Sie hier.

Dann gilt eine Infektion als Arbeitsunfall

Hat sich ein Arbeitnehmer im Job mit Corona infiziert, muss der Arbeitgeber dies sofort dem zuständigen Unfallversicherungsträger melden, also je nach Branche einer Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse. Diese prüfen anschließend, ob folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Die Infektion wurde durch einen positiven PCR-Test nachgewiesen.
  • Der Arbeitnehmer hat zumindest leichte Symptome.
  • Es ist nachgewiesen, dass die Person sich bei der Arbeit infiziert hat.

Vor allem mit Blick auf den letzten Punkt gelten für die Anerkennung eines Arbeitsunfalls genaue Regeln. Betroffene müssen zunächst genau darlegen, dass sie bei der Arbeit engen Kontakt zu einer infizierten Person hatten - das können etwa Kollegen, Geschäftspartner oder Kunden sein. Ein "enger Kontakt" ist in diesen Situationen gegeben:

  • Die betroffene und die infizierte Person haben ein Gespräch geführt oder hatten länger als zehn Minuten Kontakt - jeweils ohne Masken und mit weniger als 1,5 Meter Abstand.
  • Die betroffene war mit der infizierten Person länger als zehn Minuten in einem schlecht oder gar nicht belüfteten Raum.

Kann eines von diesen Szenarien nicht nachgewiesen werden, wird die Infektion nur in Ausnahmefällen als Arbeitsunfall akzeptiert.

Hatte der Arbeitnehmer auch im privaten Umfeld Kontakt zu infizierten Personen, wird der Arbeitsunfall in der Regel nicht anerkannt. Eine Infektion auf dem Arbeitsweg gilt hingegen schon, ein Nachweis dürfte bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln allerdings schwierig sein. Essenspausen sind nicht versichert, in der Regel auch nicht in Betriebskantinen. Ob Infizierte geimpft sind oder nicht, ist für die Beurteilung durch den Unfallversicherungsträger nicht relevant. Betroffene sollten allerdings mindestens drei Tage krankgeschrieben gewesen sein.

Dann gilt eine Infektion als Berufskrankheit

Wer im Gesundheitsdienst, bei der Wohlfahrtspflege oder im Labor arbeitet und unter den Folgen einer Corona-Infektion leidet, hat laut Finanztest gute Chancen, eine Berufskrankheit anerkannt zu bekommen. Die Voraussetzung: In dem ausgeübten Beruf muss ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko im Vergleich zur übrigen Bevölkerung gelten. Bei folgenden Arbeitsplätzen ist dies der Fall:

  • Krankenhäuser und Arztpraxen
  • Apotheken
  • Rettungs- oder Pflegedienstleister
  • Kinder-, Jugend-, Familien- und Altenhilfe
  • Hilfe für behinderte oder psychisch kranke Menschen

Wer in einem solchen Tätigkeitsfeld erkrankt, muss nicht konkret nachweisen, bei wem er oder sie sich angesteckt hat. Ein allgemeiner Beleg, dass der Arbeitnehmer mit Corona-Infizierten gearbeitet hat, reicht hier aus.

Auch Berufe mit unmittelbarem Körperkontakt gelten als der Infektionsgefahr besonders ausgesetzt - dazu gehören etwa Friseure oder Kosmetiker. Für alle anderen ist die Anerkennung einer Berufskrankheit nach den Kriterien des Spitzenverbands der Gesetzlichen Unfallversicherung nicht vorgesehen - also auch nicht für Lehrer, Erzieher, Kassierer oder Fahrkartenkontrolleure.

Wenn der Chef die Infektion nicht meldet

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Manche Arbeitgeber wollen eine Corona-Infektion in ihrem Unternehmen nicht eingestehen und melden diese nicht als Arbeitsunfall, obwohl sie es müssten. In diesem Fall sollte die Infektion selbst mit einem formlosen Schreiben bei der zuständigen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse angezeigt werden. Eine kostenlose Vorlage dafür bietet die Berliner Beratungsstelle Berufskrankheiten an.

Unterstützung beim Anerkennungsverfahren erhalten Betroffene etwa durch Beratungsstellen, von Gewerkschaften, vom Sozialverband VdK oder von Ihrem Betriebsrat. Auch eine nachträgliche Meldung ist möglich und empfiehlt sich selbst dann, wenn die Symptome nur mild waren - um im Falle von Langzeitfolgen durch Covid-19 gewappnet zu sein.

Quelle: ntv.de, awi

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