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Corona und die Arbeit zu Hause Diese steuerlichen Auswirkungen gibt es

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Wer ab März plötzlich zu Hause arbeitete, saß in vielen Fällen am Esstisch, in der Arbeitsecke im Wohnzimmer oder am Schreibtisch im Flur.

(Foto: imago/Westend61)

Die Steuererklärung 2019 ist gerade erst abgeschickt und dennoch lohnt schon ein Blick in die Zukunft: Denn Millionen Arbeitnehmer arbeiteten in den vergangenen Monaten ganz oder teilweise zu Hause. Ob Sie ein Arbeitszimmer ab- oder die Fahrkosten ansetzen können, lesen Sie hier.

Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom arbeiteten im März rund 50 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland ganz oder teilweise mobil, etwa von zu Hause aus. Für die Steuererklärung 2020 stellen sich deshalb drei Fragen: Welche Kosten kann ich ansetzen, wenn ich nicht über ein Arbeitszimmer verfüge? Welche Auswirkungen hat Corona auf die Fahrkosten? Und was lohnt sich steuerlich eher - Homeoffice oder Fahrtkosten?

Homeoffice und die Arbeit zu Hause ist nicht dasselbe

Wer ab März plötzlich zu Hause arbeitete, saß in vielen Fällen am Esstisch, in der Arbeitsecke im Wohnzimmer oder am Schreibtisch im Flur. Dafür nutzte der Steuerpflichtige einen betrieblichen Laptop oder den eigenen Computer mit Zugriff auf den betrieblichen Server.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Nach aktuellem Steuerrecht können Beschäftigte die Kosten für ihr Arbeitszimmer jedoch nur dann absetzen, wenn es sich dabei um einen eigenen Raum handelt. So entschied es der Große Senat des Bundesfinanzhofs (veröffentlicht am 27. Januar 2016, Aktenzeichen GrS 1/14).

Ein Durchgangszimmer, die Küche oder die Ecke im Wohnzimmer akzeptiert das Finanzamt nicht. Wer derzeit und über mehrere Wochen im zu Hause im Wohnzimmer sitzt oder saß, geht somit leer aus. Denn der Begriff des "häuslichen Arbeitszimmers" setzt voraus, dass der Raum wie ein Büro eingerichtet ist, und der Steuerpflichtige ihn (nahezu) ausschließlich nutzt, um Einkommen zu erzielen.

Wer nachweisen kann, dass für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein eigener Arbeitsplatz zur Verfügung steht, kann die Kosten des heimischen Arbeitszimmers von der Steuer absetzen - allerdings nur bis zu einem Höchstbetrag von 1250 Euro pro Jahr.

An dieser Stelle mag mancher Steuerzahler frohlocken, doch zu früh gefreut: Denn dieser Nachweis ist für alle schwierig, deren Betriebsgebäude grundsätzlich geöffnet ist oder war und deren Firma keine ausdrückliche Anweisung für das Arbeiten von zu Hause gegeben hat, sondern dies nur "empfiehlt".

So können Steuerpflichtige Chancen auf Erstattung erhöhen

Ob mit oder ohne separates Arbeitszimmer, Beschäftigte sollten ihre Arbeit daheim protokollieren. So erhöht sich die Chance, dass Finanzämter die Aufwendungen anerkennen. Dazu gehört beispielsweise, sich eine schriftliche Bescheinigung des Arbeitgebers ausstellen zu lassen, in welchem Zeitraum der Arbeitsplatz im Unternehmen nicht zur Verfügung stand und der Arbeitnehmer deshalb zu Hause arbeiten musste.

Außerdem sollten Beschäftigte möglichst präzise aufzeichnen, wann die Arbeitsecke oder das -zimmer genutzt wurde - zum Beispiel in Form einer Tabelle mit Datum, Anzahl der Stunden oder eines Ausdrucks des Zeiterfassungskontos über beantragte und genehmigte mobile Arbeit. Auch Fotos von Arbeitsecke oder -zimmer sind denkbar.

Ein weiterer Punkt: Rechnungen, zum Beispiel für Druckerpapier, Schreibmaterial, Strom- und Telefonkosten, sollten Beschäftigte aufbewahren, falls der Arbeitgeber diese Kosten nicht erstattet. Pro Monat können pauschal bis zu 20 Prozent der Telekommunikationsaufwendungen, höchstens jedoch 20 Euro als Werbungskosten geltend gemacht werden. Den Maximalbetrag von monatlich 20 Euro erreicht, wer eine monatliche Telefonrechnung von mindestens 100 Euro hat. Einmalige Kosten, die nicht in der monatlichen Rechnung auftauchen, werden für die Ermittlung des Höchstbetrags nicht berücksichtigt. Grundsätzlich gilt: Je detaillierter die Aufzeichnungen und die Nachweise sind, desto besser.

Achtung bei der Pendlerpauschale: Angaben überprüfen!

Beschäftigte, die sonst mit dem Auto zur Arbeit fahren und wegen Corona seit Wochen oder Monaten zu Hause arbeiten, werden deutlich weniger Kilometer auf dem Tacho haben. Sie müssen damit rechnen, dass das Finanzamt Steuererklärungen prüft und anders als bisher die pauschalen Arbeitstage nicht anerkennt. Denkbar ist, dass das Finanzamt eine Arbeitgeberbescheinigung anfordert, wenn der Fahrtweg dennoch für das ganze Jahr angesetzt wird.

Dieses Thema ist nicht zu unterschätzen: Geben Steuerpflichtige zu viele Arbeitstage an und ihre Steuererklärung wird maschinell durchgewinkt, ist dies Steuerhinterziehung beziehungsweise -verkürzung. Da in diesem Fall keine leichtfertige Steuerverkürzung vorliegt, drohen empfindliche Geldstrafen.

So sieht es ebenfalls beim Lohnsteuerfreibetrag aus. Denn Berufspendler, die auf ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte (Elstam) einen Freibetrag eingetragen haben, sind verpflichtet, dem Finanzamt mitzuteilen, wenn sich die genehmigte Lohnsteuerermäßigung ändert. Das gilt unter anderem auch, wenn sich die Entfernungspauschale wegen der Arbeit zu Hause oder einem Jobwechsel verringert.

Hier schließt sich ein letzter Punkt an: Steuerzahler müssen mit einer Steuernachzahlung rechnen, wenn sie ihren Lohnsteuerfreibetrag aufgrund der Arbeitstage, die sie nicht im Büro verbracht haben, nicht anpassen.

Was lohnt sich mehr: Arbeitszimmer oder Fahrtkosten?

Wie bereits erwähnt, kann der Arbeitnehmer Homeoffice nur ansetzen, wenn er ein eigenes Büro hat und keinen Arbeitsplatz in seiner Arbeitsstelle. Das bedeutet: Wer zwar nicht zur Arbeit gefahren ist, zu Hause aber am Küchentisch saß, geht leer aus - abgesehen von weiter oben genannten möglichen Erstattungschancen.

Nehmen wir aber an, dass unser Arbeitnehmer die Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer erfüllt. Dann muss dennoch immer individuell errechnet werden, was sich mehr lohnt, Arbeitszimmer oder Fahrtkosten. Dazu eine kleine Beispielrechnung:

Bisher ist der Arbeitnehmer an fünf Tagen die Woche 15 Kilometer zur Arbeit gefahren. Das macht insgesamt einen Werbungskostenansatz von 1057,50 Euro. Im Jahr 2020 war er Corona-bedingt für zwei Monate im Homeoffice. Das bedeutet, dass er nur 195 Arbeitstage ansetzen kann - macht 877,50 Euro. Eindeutig ist die Arbeit zu Hause in diesem Fall ein schlechtes Geschäft.

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Kann der Steuerpflichtige jedoch beides kombinieren - Arbeitszimmer und Fahrtweg - sieht es wieder anders aus. Legen wir für die Beispielrechnung zugrunde, dass unser Arbeitnehmer 750 Euro Miete zuzüglich Nebenkosten in Höhe von 150 Euro pro Monat bezahlt und dass sein Arbeitszimmer 10 Prozent der Fläche seiner Wohnung ausmacht. Dann kann er in diesem Beispiel 180 Euro als Werbungskosten ansetzen. Verbunden mit den 877,50 Euro Fahrtkosten landet er bei diesem Ansatz insgesamt ebenfalls bei 1057,50 Euro.

Fazit: Wer sich ein Arbeitszimmer leisten kann, ist in der eindeutig besseren Position. Allen anderen bleibt nur die Hoffnung auf Erstattungen dank zusätzlicher Aufwendungen bei der Arbeit zu Hause.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Quelle: ntv.de